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Jens Müller möchte Geschichtspfad entstehen lassen und historische Orte beschildern

Brandis Jens Müller möchte Geschichtspfad entstehen lassen und historische Orte beschildern

An der Bismarckeiche in der Brandiser Mathildenstraße erinnert ein schon leicht verwittertes Holzschild daran, dass die Stadt den Baum am 28. April 1895 anlässlich des 80. Geburtstages des Reichskanzlers setzte. Der bisher einzigen Tafel in der Stadt könnten bald weitere folgen. Der Brandiser Jens Müller möchte einen Geschichtspfad entstehen lassen.

Die Bismarckeiche an der Brandiser Mathildenstraße.

Quelle: Ines Alekowa

Brandis. An der Bismarckeiche in der Brandiser Mathildenstraße erinnert ein schon leicht verwittertes Holzschild daran, dass die Stadt den Baum am 28. April 1895 anlässlich des 80. Geburtstages des Reichskanzlers setzte. Dieser erhielt damals die Ehrenbürgerrechte, auch der Platz trug seinen Namen. Es ist die einzige Tafel in der Stadt, die ein historisch bedeutendes Objekt auf diese Weise erklärt. Bis jetzt. Denn Jens Müller, der deren Aufstellung 2001 zusammen mit dem Bürgervereins Brandis (BVB) initiierte, möchte weitere folgen lassen. „So könnte nach und nach ein Geschichtspfad entstehen“, sagt der Brandiser. „Das hatte ich mir schon damals vorgenommen, aber irgendwie ist es nicht dazu gekommen. Und das ärgert mich, denn solche Erinnerungen stärken das Geschichtsbewusstsein der Bürger und erhöhen die touristische Attraktivität der Stadt“, weiß Müller, Mitarbeiter im Kreismuseum in Grimma.

Schon leicht verwittert

Schon leicht verwittert: Die Erinnerungstafel an der Bismarckeiche.

Quelle: Ines Alekowa

900-Jahr-Feier als erste Zielmarke

Jetzt hat ihn die bevorstehende 900-Jahr-Feier von Brandis in 2021 bewogen, die Idee wieder aufzugreifen. „Es wäre es schön, wenn dann wenigstens der innere Kreis der Stadt, also Kirche, Schloss, Marktplatz, Gymnasium, Alter Friedhof und Stadtpark, ausgestattet wäre. So könnten sich die Besucher der Jubiläumsfeier auf eine erste Erkundung begeben.“ Das hieße aber, pro Jahr ab 2018 wenigstens zwei Tafeln, jeweils verbunden mit einer kleinen Einweihung, zu setzen, fügt Müller hinzu. Wenn der innere Kreis fertig ist, ließe sich der Pfad erweitern. „Ich möchte nicht jedes Haus beschriften, auch keine ehemaligen Läden“, betont er. Es sollen markante Objekte und Orte sein: Parkschlösschen, Bahnhof, Waldbad, Mitteldeutsche Ton- und Kohlenwerke (Mitoko), Silikatwerk, Krause-Duo-Betrieb, CVJM-Haus, Wasserturmstraße, der Lindenplatz als Tor zur 1929 eingemeindeten Cämmerei – „das kennt kaum noch jemand, erst recht nicht Neubürger“. Brandis könne vielleicht keine berühmten Schriftsteller oder Komponisten vorweisen, „aber was man hat, sollte man nicht brachliegen lassen, sondern verkaufen“, meint Müller. Andernorts werde so etwas längst praktiziert. „Und wir haben mehr als das Schloss. So etwas Kurioses wie drei Rathäuser gibt es sicher nicht oft.“

Stadtbesucher signalisieren Bedarf

Der Bedarf an mehr Information ist vorhanden. Das merkt Müller, wenn er als Hobbyornithologe regelmäßig vor allem Patienten der Rehaklinik am Kohlenberg mit auf Wanderung nimmt und dabei auch auf Geschichtliches am Wege hinweist, wie auf das erste Stadtbad im Ostbruch. „Die Leute bedauern dann immer, dass nichts beschriftet ist.“ Jetzt stellte der 49-Jährige sein Projekt beim jüngsten Treffen der Mit-mach-Stadt vor, um das Interesse daran zu erkunden. Die Reaktion war positiv. Ein erster Schritt zur Umsetzung, dem noch eine Reihe weitere folgen müssen: Zuerst ist die Finanzierung zu klären. „Der BVB, zu dessen Zielen die touristische Öffnung der Stadt gehört, könnte sich einbringen.“ Aber auch Mittel aus der Kulturförderrichtlinie der Stadt und Spenden hält Müller für denkbar. Der Text muss in Absprache mit Ortschronist Frank Schimpke, erarbeitet werden. „In einer Kurzfassung könnte er auf den Tafeln Platz finden und ausführlicher über einen QR-Code aus dem Internet abrufbar sein“, sagt Müller. Wetterfestes Material für die Tafeln muss ausgewählt und mit betroffenen Hauseigentümern über die Anbringung gesprochen werden. Die Objekte könnten schließlich in einem Flyer mit Karten und Nummern zusammengefasst werden, der Interessierte durch die gesamte Stadt und ihr Umfeld führt.

Führungen denkbar

Sofern Müller das nicht selbst tut. „Ich könnte mir gut vorstellen, einmal eine Stadtführung zu entwickeln“, sagt er. Neuland betritt er damit übrigens nicht. Das haben wir mit dem BVB alles schon mal gemacht. Bei einer Führung zur Mitoko zum Beispiel waren viele Leute dabei, die dort mal gearbeitet haben.“ Das Ziel wäre bei beiden Formen das gleiche: „Ich möchte, dass man in Brandis als Bürger wie als Tourist mehr erfährt, als man auf den ersten Blick sieht.“

Von Ines Alekowa

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