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Wurzen Jochen Ziska eröffnet Ausstellung über Ringelnatz-Gedichte in Wurzen
Region Wurzen Jochen Ziska eröffnet Ausstellung über Ringelnatz-Gedichte in Wurzen
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07:06 05.10.2018
Jochen Ziska beschäftigt sich in der Ausstellung „Sinniges & Spleeniges“ mit Ringelnatz-Gedichten. Quelle: Frank Schmidt
Wurzen

Wenn es in enger Symbiose mit Wurzen um „Sinniges & Spleeniges“ geht, dann kann wohl nur Ringelnatz dahinterstecken. Der DDR-Industriedesigner Jochen Ziska mochte knapp 50 Gedichte aus dem schier unerschöpflichen Fundus von Ringelnatz nicht einfach unkommentiert stehen lassen. Mitnichten wollte sich Ziska anmaßen, verbal seinen Senf dazuzugeben, sehr wohl wissend, dass es ihm nicht zustehen würde.

Deshalb griff er zum Pastellstift, um die Verse und Reime von Ringelnatz zu illustrieren. Das Ergebnis möchte er nun als „Sinniges & Spleeniges“ in einer neuen Ausstellung mit diesem Titel der Öffentlichkeit vorstellen. Dazu lädt der Künstler am 19. Oktober um 19 Uhr ins Geburtshaus von Ringelnatz am Crostigall 14 ein.

Letzte Ausstellung im Ringelnatz-Geburtshaus

Es wird die letzte Exposition in der jetzigen Gebäudehülle sein, bevor im kommenden Jahr die umfangreichen Um- und Ausbaumaßnahmen beginnen. Doch damit nicht genug. Zur Vernissage wird der Künstler Ziska auch sein Buch präsentieren, in dem unter gleichem Titel seine Illustrationen und die dazu gehörenden lyrischen Gedanken von Ringelnatz eingebunden sind.

Die Ausstellung von Jochen Ziska wird am 19. Oktober um 19 Uhr ins Geburtshaus von Ringelnatz in Wurzen eröffnet. Quelle: Armin Kühne

Das Rüstzeug für seine Malerei und Grafik hat der heute 77-Jährige an der Hochschule Halle bekommen, als er bei dem Künstler und Grafiker Hannes Wagner Malunterricht bekam. Wohl gemerkt „nur“ Malunterricht, denn eine abgeschlossene Ausbildung als Maler und Grafiker hat Ziska nicht. Jedoch ein abgeschlossenes Studium für Industrieformgestaltung.

So entstammen beispielsweise nahezu alle Gehäuse von RFT-Rundfunk- und Fernsehgeräten seinen kreativen Ideen. Trotz all den Höhen und Tiefen eines Künstlers in der DDR-Zeit konnte Ziska bis Anfang der 90er Jahre weiterarbeiten, zuletzt in der Werbe- und Marketingbranche.

Jochen Ziska ist vor zehn Jahren auf Joachim Ringelnatz aufmerksam geworden. Quelle: Frank Schmidt

Erst im Ruhestand hat er sich ein neues Refugium geschaffen, das besonders von Ringelnatz geprägt war und noch immer ist. Gleichwohl ist er erst vor gut zehn Jahren bewusst auf diesen Tausendsassa aufmerksam geworden.

Schlüsselerlebnis war der Verkauf von ausrangierten Büchern in der Stadtbibliothek. „Da war so eine dicke Schwarte von Ringelnatz dabei, und die habe ich mitgenommen, um mich einzulesen.“ Im Ergebnis besorgte sich Ziska weitere Literatur, so dass er nun schon eine stattliche Anzahl von Ringelnatz-Büchern in seinen Regalen zu stehen hat. Die Erkenntnisse daraus waren für Ziska tiefgründig und inspirierend.

Ringelnatz hatte deutliche Haltung

„Ringelnatz war kein Säufer, Weiberheld, oder Spleener, wie er von Kritikern verunglimpft wurde.“ Wer sich mit seinen Werken auseinandersetze, werde erkennen, dass dieser zwar nicht laut gewesen sei, aber seine sozial- und gesellschaftskritische Haltung deutlich in Versen niedergeschrieben habe. „Es war die Zeit des Ersten Weltkriegs, der Inflation, der sogenannten Goldenen Jahre, die nur für wenige golden waren, und der Arbeitslosigkeit. Aber auch die Zeit des kulturellen Aufbruchs mit dem Dadaismus, es kamen der Charleston und der Stummfilm auf“, ruft Ziska jene Epoche ins Gedächtnis, die für Ringelnatz zur unerschöpflichen Quelle wurde.

Besonders bezeichnend dafür seien Gedichte wie „Auskehr“, „An der harten Kante“ und „Geld allein“, oder auch das Gedicht „Die Leute sagen immer: Die Zeiten werden schlimmer“, dass gar zeitlos ist, findet Ziska.

Von Frank Schmidt

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