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Wurzen Jugendarbeit hat in Brandis hohen Stellenwert
Region Wurzen Jugendarbeit hat in Brandis hohen Stellenwert
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09:06 09.02.2019
Brandis, Oberschule: An der Schule wirken zur Zeit zwei Sozialpädagoginnen, ein Schulclub ist im Gespräch. Quelle: Ines Alekowa
Brandis

So ausführlich der Bericht der Schulsozialarbeiter über ihre Aktivitäten in 2018 und nächste Vorhaben im Kultur- und Sozialausschuss des Brandiser Stadtrates ausfiel, so knapp kommentierte ihn Bürgermeister Arno Jesse (SPD). Aber Lob braucht nicht viele Worte: „Respekt. Wir sind auf einem guten Weg. Die Vorstellungen haben gezeigt, dass sich der hohe Einsatz für unsere Stadt lohnt.“

Kinder und Jugendliche erfahren in Brandis in vielerlei Hinsicht Betreuung. In der Oberschule stehen gleich zwei Sozialpädagoginnen den rund 500 Schülern, aber auch Eltern und Lehrern zur Seite – Katrin Straßburger und Karina Tansinne. Freier Träger ist die Kindervereinigung Leipzig. Beide unterbreiten Klassenangebote wie „Soziales Lernen“, leisten Einzelfallhilfe, indem sie Schüler mit sozialen Problemen unterstützen oder Streit schlichten – „immer freiwillig und vertraulich“, betonte Straßburger.

Sozialarbeit beugt gegen Krisen vor

Kommentar von Ines Alekowa

Vor wenigen Tagen ging der Tod einer elfjährigen Berliner Grundschülerin durch die Medien. An ihrer Schule soll es nach Angaben der Eltern massive Mobbing-Fälle gegeben haben. An der Brandiser Oberschule und am Gymnasium können sich Schülerinnen und Schüler bei Mobbing an einen Schulsozialarbeiter wenden. Das ist nicht an jeder Schule so. Leider.

Denn auf den ersten Blick harmlos wirkende Sticheleien, wie: „Du bist blöd!“ oder die Ausgrenzung von Unternehmungen oder das Ablehnen von Hilfe können auf Dauer so verletzend wirken, dass als Folgen zum Beispiel Schlafstörungen, Bauchschmerzen oder eine Verschlechterung der schulischen Leistungen auftreten.

Mobbing kann aber auch für die Täter Folgen haben: Das Gefühl, andere ungestraft abwerten zu können, senkt die Hemmschwelle für andere Delikte. Rechtzeitiges Einschreiten ist deshalb dringend notwendig – für die Betroffenen wie fürs Klassen- und Schulklima.

Sozialarbeiter intervenieren aber nicht nur in Krisensituationen, sondern werden, wie auch der Bericht der Brandiser Sozialpädagogen zeigt, vor allem präventiv wirksam, indem sie zum Beispiel Projekte zu Drogen und Extremismus anbieten oder wie im Mauerwerk den Kindern und Jugendlichen eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung ermöglichen.

Dass die Stadt Brandis diese Arbeit mit viel Geld unterstützt, ist richtig und in die Zukunft gedacht. Aber es ist auch noch Luft nach oben. Denn eigentlich sollten Schulsozialarbeiter überall „zum festen Inventar“ einer Schule gehören, also auch in den Grundschulen Brandis und Beucha.

Der Berliner Fall hat gezeigt, dass Probleme auch schon in unteren Klassen auftreten können.

Schwerpunkte sind Ausgrenzung und Mobbing

Auf Nachfrage von Alexander Busch (Freie Wähler) bestätigte sie ein Gewaltproblem. „Es gibt Beleidigungen und Prügeleien aus kleinsten Anlässen. Das kann man nicht schönreden.“ Andererseits konstatierte sie „mehr Austausch mit den Lehrern, die unsere sozialpädagogische Kompetenz nutzen“. Als Erfolg wertete sie die Stärkung des Schülerrates, der sich inzwischen regelmäßig trifft, eigene Themen setzt und sich 2018 vor allem für die Aktion „Genial sozial“ einsetzte.

Am Gymnasium – hier ist die Arbeiterwohlfahrt Träger der Sozialarbeit – gibt es mehrere Angebote für die 610 Schüler. Hardo Hüttemann, mit etlichen Jahren Berufserfahrung, ist seit Oktober angestellt und hat schon 50 Beratungen, Eltern- und Lehrergespräche auf der Liste. „Schwerpunkte sind Ausgrenzung und Mobbing.“ Auch er bietet „Soziales Lernen“ an, erfragt den „Wohlfühlfaktor“ in den Klassen und überlegt mit ihnen, wie er erhöht werden kann. Es gibt Präventionsprojekte zum Thema Drogen und Extremismus. Neu ist „Web 2.0. – Posten, liken, teilen“ zum Umgang mit sozialen Netzwerken. „Außerdem plane ich, ein Greenteam zu gründen“, kündigte er an, „in dem sich Schüler Wissen zum Thema Umwelt aneignen und in kleinen Aktionen weitergeben. Das kommt besser an als Vorträge.“

Schulclub im Gymnasium Brandis gut besucht

Um Freistunden, Pausen oder Warten auf den letzten Schulbus zu überbrücken, können die Gymnasiasten von 11.30 bis 15.30 Uhr den Schulclub besuchen; etwa 80, 90 kommen täglich. Hier sorgt Marlen Dietrich für kreative Beschäftigung, ob in der Kochgruppe, Kunststunde oder Foto AG. Die Schülerfirma mit 22 Fünft- bis Siebentklässlern bereitet täglich frische Speisen und Getränke zu und erhielt für ihr Engagement 2018 den Schulpreis. Für dieses Jahr ist ein Nachhaltigkeitsprojekt mit Müll geplant, „um zu zeigen, dass man Plastik im Alltag reduzieren kann“.

Auch für die Oberschule sei ein Club im Gespräch, ergänzte René Fleck vom Hauptamt. „Gleichbehandlung ist erklärter Wille der Stadtverwaltung.“ Allerdings scheitere dieser noch an fehlenden Räumlichkeiten in der aus allen Nähten platzenden Schule.

Mauerwerk in Brandis unterbreitet Feizeitangebote

Nach der Schule und in Ferien lädt das Mauerwerk im Zeititzer Weg, seit drei Jahren unterm Dach der Awo, ein. Leiterin Julia Roth freute sich über guten Zuspruch, vor allem bei Zehn- bis 14-Jährigen. Schon in der Grundschule für den Freizeittreff zu werben, habe sich gelohnt. Auch hier können Kinder und Eltern um Rat fragen. Es werden Projekte wie 2018 mit einem Naunhofer Fotografen angeboten, manche, wie die Tanzgruppe, haben sich verstetigt. Das Mauerwerk ist auf Weihnachtsmarkt und Stadtmusikfest präsent. Ein wenig bedauerte Roth die Lage des CVJM-Hauses am Ortsausgang. Gerade im Winter sei das ein Hemmnis. Busch regte deshalb an, die Stadtbuslinie bis hierher auszubauen.

Netzwerkstelle für Brandiser Jugendarbeit

Über diese einzelnen Anlaufpunkte hinaus gibt es eine Netzwerkstelle, bei der sich alle in der Brandiser Jugendarbeit Tätigen regelmäßig austauschen und ihre Kräfte für gemeinsame Aktionen – wie die Graffiti-Jam an der Schulbushaltestelle – bündeln, auch politische Akzente setzen. So freute sich nach dem Gymnasium 2018 die Oberschule über den Titel „Schule ohne Rassismus“. 2019 wird an beiden Schulen eine Medien AG installiert, in Gründung ist auch ein Jugendparlament, berichtete Patrizia Hartmann, die das Projekt „Jugend bewegt Brandis“ koordiniert – in dem Programm „Jugend bewegt Kommune“ ist Brandis seit 2014 sächsische Modellkommune.

Grundschulen ohne Sozialarbeiter

Keinen Sozialarbeiter gibt es an den Grundschulen Brandis und Beucha. „Was ich – auch im Sinne unseres Campus und der Thematik Schulübergänge – bedaure“, sagt der Bürgermeister auf LVZ-Nachfrage. Die Jugendhilfe des Landkreises unterstütze Schulsozialarbeit nur an zwei, drei Schwerpunkt-Grundschulen in Mittelzentren. Ein Großteil der beschriebenen Sozialarbeit aber werde gefördert.

Die Stadt gibt noch einiges dazu. Für die Oberschule stehen im Etat 6200 Euro; erst im Vorjahr wurden weitere 5000 Euro für Mehrstunden bewilligt. Die Stelle am Gymnasium kostet die Stadt 14500 Euro, der Schulclub 22000 Euro. Für die Offene Jugendarbeit im Mauerwerk werden 50600 Euro bereitgestellt, hinzu kommt eine pauschale Förderung des CVJM-Jugendhauses mit 13800 Euro. Die Netzwerkstelle fördert die Stadt mit 10500 Euro bis September 2019. Jesse: „Diese Ausgaben zeigen den hohen Stellenwert der Jugend- und Sozialarbeit in Brandis.“

Von Ines Alekowa

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