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Wurzen Junior-Ranger der Umwelt-Akademie im Muldental entdecken barfuß die Natur
Region Wurzen Junior-Ranger der Umwelt-Akademie im Muldental entdecken barfuß die Natur
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00:18 08.06.2017
Ob die beiden Betreuer Caterina Just und Tobias Kleinow die Materialien des Barfußpfades richtig ertasten? Die Junior Ranger sind gespannt. Quelle: privat
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Bennewitz

Die beiden Naturpädagogen Caterina Just und Tobias Kleinow haben Schuhe und Strümpfe ausgezogen und betreten vorsichtig den Barfußpfad am Schullandheim Bennewitz. Zwölf Junior Ranger zwischen zwölf und 14 Jahren, die den Pfad aus Stöcken, Sand, frischem Moos und Kiefernzapfen angelegt haben, beobachten gespannt, ob ihre Betreuer das mit den Füßen Ertastete auch richtig erraten. Es ist die für sie letzte Veranstaltung in diesem Schuljahr.

Seit 2011 bietet die Volkshochschule (VHS) Muldental in Kooperation mit dem Verein im Geopark Porphyrland „Steinreich in Sachsen“ Zehn- bis Zwölfjährigen eine zweijährige Ausbildung zum Junior Ranger an, blickt Klaus Arweiler, freier Mitarbeiter für Umwelt an der VHS, zurück. Die Landschaft im Geopark zwischen Thallwitz, Lossatal, Rochlitz und Mügeln entstand vor 300 Millionen Jahren aus Vulkanen und wurde später von Gletschern überformt. Flusstäler der Mulden und die angrenzenden Wälder stehen weitgehend unter Schutz. Mit dem Junior Ranger-Programm wendet sich die VHS an Kinder aus der Region, das gemeinsame Anliegen, die Natur zu schützen und die reiche Landschaft mit spannenden Angeboten für sanften Tourismus zu nutzen, zu unterstützen.

Die 16 Plätze sind meist schnell vergeben, so ist auch der nächste, im August nach den Sommerferien beginnende Kurs längst ausgebucht. Die jungen Naturfreunde – das Angebot spricht laut Arweiler Jungen und Mädchen gleichermaßen an – kommen aus dem gesamten Muldental, manche sogar aus Leipzig. Einmal im Monat streifen sie durch den Geopark und lassen sich von der Vielfalt und den Geheimnissen der Natur überraschen. Bei den Treffen geht es beispielsweise um die Frage, was ein Junior Ranger ist. Der Boden als Grundlage der Artenvielfalt wird unter die Lupe genommen und über richtiges Verhalten in der Natur gesprochen. Die Teilnehmer erfahren, wie Vulkane und Gletscher die Landschaft geformt haben, gehen ein auf Vor- und Nachteile verschiedener Energiequellen, Rohstoffabbau und Renaturierung und vieles mehr. Betreut werden sie dabei von einem Fachdozenten, der im jeweiligen Thema bewandert ist. Im zweiten Jahr betätigen sich die Kinder bereits praktisch, bauen Nisthilfen und Insektenhotels. Finanziert wird die Ausbildung aus einem Elternanteil, von VHS und Geopark sowie maßgeblich gefördert mit Mitteln des Kinder- und Jugendplans des Bundes.

VHS und Geopark stehen allerdings nicht allein mit ihrem Interesse an der Rangerausbildung. „Dieses Projekt entstand auch aus der Tatsache heraus, dass die Umweltverbände über Nachwuchsprobleme klagen“, sagt Arweiler. „Leider ist es uns trotz konkreter Absprachen nicht gelungen, ausgebildete Junior Ranger an die Verbände zu vermitteln, da sich bei diesen niemand fand, der die Kinder regelmäßig betreuen könnte“, zeigt er sich enttäuscht. Arweiler führt das darauf zurück, dass in BUND und Nabu zum einen viele selbst nur ehrenamtlich beschäftigt sind und zum anderen Aktionen, wie das Aufstellen von Krötentunneln, nicht langfristig planbar sind, um die Kinder mit einzubinden. „Aus diesem Grund entschloss sich die VHS im vergangenen Sommer, eine eigene Naturschutzgruppe, die Junior Ranger der UmweltAkademie Muldental, zu gründen und damit den Kindern die Möglichkeit zu bieten, sich weiterhin aktiv im Umwelt- und Naturschutz zu engagieren und ihr gewonnenes Wissen einzubringen“, informiert Arweiler. Allerdings, sei auch das nicht der Weisheit letzter Schluss. „Denn das Interesse ist groß, sodass die Kapazität der Gruppe irgendwann an Grenzen stößt.“

Von denen spüren die Junior Ranger noch nichts. Im Gegenteil, sie sind gerade dabei, eigene Grenzen zu überschreiten und sich auf neuem Terrain auszuprobieren. Auf dem Gelände des Schullandheimes haben sie eine erste Infotafel gestaltet, die den jungen Gästen der Einrichtung einen Überblick über heimische Tiere im und am Wasser gibt. „Wir wollen die Kinder außerdem motivieren, selbst Führungen auszuarbeiten, denn sie haben eine andere Sicht auf ihre Umwelt als Erwachsene“, sagt Arweiler. „Deshalb ist uns auch wichtig, dass die Kinder selbst sagen, worauf sie Lust haben.“ Und dass sie dabei durchaus einen kritischen Blick haben, zeigte sich, als sie zu Eimer und Schaufel griffen und einen Abschnitt des nahen Saubaches reinigten.

Von Ines Alekowa

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