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Wurzen Kamerunschaf in Körlitz gerissen: Jetzt wacht Esel Karlo über die kleine Herde
Region Wurzen Kamerunschaf in Körlitz gerissen: Jetzt wacht Esel Karlo über die kleine Herde
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05:00 05.05.2017
Birgit May setzt auf Esel Karlo – er soll die Kamerunschafe in Körlitz vor dem Wolf schützen.   Quelle: Frank Schmidt
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Lossatal/Körlitz

 Eigentlich wollte Birgit May nur mal in den Garten, um Rhabarber zu holen. Dabei schaute die Körlitzerin kurz bei ihren sieben Kamerunschafen vorbei. Es ist Donnerstag, der 20. April, gegen 18.30 Uhr in der Straße zur Schmiede am Rande des Dorfes. May hält die Tiere aus Hobby auf dem Gelände, das durch einen Maschendrahtzaun begrenzt wird. Beim Blick hinters Gatter entdeckt sie mehrere Fellbüschel. „Ich habe mir erst nichts dabei gedacht.“ Doch als sie näher tritt, entdeckt die Halterin Eingeweide und außerhalb des Zaunes am Feldrand dann das Hinterteil eines ihrer Schafe – ein trächtiges Muttertier.

Die 51-Jährige telefoniert daraufhin mit ihrem Sohn, der die Polizei informiert. Die Beamten verständigen das Lebensmittelüberwachungs- und Veterinäramt. Tags darauf sind zwei Mitarbeiter aus Grimma vor Ort. Seither sitzt der Schreck tief in den Gliedern der Berufseinstiegsbegleiterin. „Denn anhand der Spuren wurde mir gesagt, dass ein Wolf das Schaf tötete“, berichtet sie. „Danach konnte ich einige Nächte nicht schlafen und gehe jetzt abends nicht mehr aufs Feld.“

Esel Karlo soll die Schafe vor dem Wolf schützen

Mittlerweile hat sich der Zwischenfall im Ort herumgesprochen, wie der Lossataler Bürgermeister Uwe Weigelt bestätigte. May jedenfalls reagierte und schaffte sich quasi als Herdenschutz einen Esel an. Das Grautier rennt nämlich nicht weg, sondern stellt sich dem Wolf, erfuhr sie durch Recherchen im Internet. Daher wacht jetzt der fünfjährige Hengst Karlo über die verbliebenen sechs Schafe. Zumal sich Informationen verdichten, dass Isegrim auch bei Dornreichenbach angeblich Rehe gerissen haben soll.

Erst im September des Vorjahres sorgte der Wolf in der Region für Aufregung. Damals sichteten Revierjäger Eberhard Hartmann und Landwirt Sebastian Seidel den Canis lupus, so die lateinische Bezeichnung, auf einem Feld bei Sachsendorf. Als Raubtier sei er schon lange im Wermsdorfer Forst, bestätigte seinerzeit Hartmann aufgrund von Beobachtungen. Laut der Statistik des Kontaktbüros „Wölfe in Sachsen“ mit Sitz in Rietschen (Landkreis Görlitz) gibt es in Sachsen 19 bestätigte Wolfsterritorien. Davon liegen 17 im Freistaat und zwei grenzübergreifend zu Brandenburg sowie zur Tschechischen Republik. Ferner konnten im Zeitraum 2015/2016 insgesamt 15 Rudel, drei Paare und ein territoriales Einzeltier nachgewiesen werden. Jene Erkenntnisse stammen aus der wissenschaftlichen Datenerfassung, dem Wolfsmonitoring. Hiermit ist seit 2002 das Lupus Institut für Wolfsmonitoring und -forschung in Deutschland beauftragt. Unterstützung erfährt das Institut unter anderem von eigens geschulten Angestellten in den Landratsämtern – den sogenannten Wolfsbeauftragten.

Landratsamt will Wolfattacke nicht bestätigen

Im Landkreis Leipzig gibt es drei von ihnen. Sie arbeiten im Umweltamt in Grimma, teilte Behördensprecherin Konstanze Morgenroth auf Anfrage mit. Dass ein Wolf am 20. April das Kamerunschaft in Körlitz gerissen hat, wollte Morgenroth jedoch weder bejahen noch verneinen. Dazu gebe es zu wenig Anhaltspunkte, da Reste des Kadavers beim Vor-Ort-Termin fehlten, sagte sie weiter. Über jene Aussage zeigte sich May verwundert. Schließlich erinnere sie sich gut daran, dass die Expertin ihr gegenüber andere Ursachen, wie zum Beispiel durch einen Fuchs oder wildernden Hund, ausschloss. „Und was das Hinterteil des Schafes angeht: Wir haben alles liegen lassen. Am nächsten Morgen war es plötzlich weg.“ Viel wichtiger aber sei ihr, so May zum Schluss, dass die Bevölkerung seitens des Landratsamtes über den Wolf und wo er sich aufhält, informiert werde.

Hinweise zu Sichtungen von Wölfen nimmt das Landratsamt (Umweltamt) entgegen sowie das Kontaktbüro „Wolfsregion Lausitz“ (Telefon 035772 / 4 67 62, kontaktbuero@wolfsregion-lausitz.de) oder an das Lupus Institut für Wolfsmonitoring und -forschung in Deutschland (Telefon 035727/5 77 62, E-Mail: kontakt@ lupus-institut.de)

Von Kai-Uwe Brandt

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