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Kavalierhaus für Klinik im Visier

Kavalierhaus für Klinik im Visier

Machern. Segensreiche Fünf-Millionen-Euro-Investition oder Alptraum jeder Ortsentwicklung? Zwischen diesen Polen bewegen sich die Ansichten zur geplanten Privatklinik für Psychiatrie in Machern.

. Auf Einladung des Bürgervereins Zukunft Mache(r)n, moderiert von Jürgen Laube und Ralf Wollrab, stellten sich die Investoren aus Bad Säckingen am Donnerstagabend in der Gaststätte Zollhaus erstmals einer öffentlichen Diskussion.

Warum ausgerechnet Machern? Sigma-Geschäftsführer Christoph Bielitz begründete die Wahl mit den hervorragenden Bedingungen, die die Kommune bietet. „Nicht nur die Verkehrsanbindung stimmt, am Schlossplatz finden wir auch ein gewachsenes, beschauliches Gebiet vor. Der Sportpark spielt in unseren Überlegungen ebenfalls eine Rolle."

Während das Sigma-Zentrum in der Nähe der Schweizer Grenze aktuell auf Expansionskurs ist, habe man auch den Markt in Ostdeutschland gezielt unter die Lupe genommen. „Erstaunt mussten wir feststellen, dass es in den gesamten neuen Bundesländern noch keine Privatklinik dieser Art gibt." Ein Jahr lang sei Sigma rund um Leipzig auf der Suche gewesen, habe 20 Standorte geprüft. „Bei anderen Schlössern", so der gebürtige Leipziger, „sind wir auf Grund der Sanierungskosten gleich wieder auf dem Absatz umgekehrt." Sämtliche Recherchen hätten dazu geführt, „dass andere Lagen mit einem erheblich höheren wirtschaftlichen Risiko verbunden sind", meinte der Mediziner. Da es keine öffentlichen Zuschüsse gebe, dürfe man sich finanziell auch nicht verheben.

Johannes Hansmann, Stadtrat aus Bad Säckingen, versuchte Befürchtungen der Macherner zu zerstreuen: „Sie haben mit Schloss und Park ein Juwel, um das Sie bangen. Ich kann Sie aber beruhigen." In Bad Säckingen seien mehrere Kliniken gut integriert, würden sich in der Nachbarschaft von Schulen und Kitas befinden und zudem für zusätzliche Steuer- und Kaufkraft sorgen. „Sie sollten froh sein, wenn einer Ihrer Landsleute so eine Investition hier in Machern in Angriff nimmt."

Die meisten Anwesenden taten sich schwer, den Traum der Klinikbetreiber mit zu träumen. Etliche Bürger äußerten ihr Unbehagen, was die Lage am Schlossplatz betrifft. Die Klinik sei in Machern durchaus willkommen, so die Botschaft, in den Augen vieler aber nicht im Ortskern.

Zu spüren war das Bemühen der Sigma-Vertreter, die Macherner Sorgen ernst zu nehmen. „Uns ist daran gelegen", so Bielitz, „nicht zu stören. Gemeinde und Bürger wollen wir mit ins Boot holen, um das Projekt gemeinsam zu entwickeln." Wäre es nach Sigma gegangen, ließ Projektleiter Jürgen Wellisch durchblicken, hätte man auch schon viel früher die Öffentlichkeit gesucht. So seien viele unnötige Irritationen entstanden. Zur Klientel der Klinik erklärte Bielitz, dass es vorrangig um die Behandlung von Depressionen gehe. „Die Aufnahme von Alkohol- oder Drogenkranken würde unser Konzept torpedieren." Der Bedarf für die Klinik sei auf Grund der ständig steigenden Zahl psychischer Erkrankungen auf jeden Fall gegeben. In Baden-Württemberg würde Sigma viele Lehrer, aber auch Selbstständige, Manager und Ärzte therapieren. „Sollten wir unsere Klinik im Kavalierhaus starten, wären die Patienten von Hotelgästen nicht zu unterscheiden", beteuerte Bielitz. „Da kommen keine Junkies, die ihre Spritze im Park liegen lassen."

Zum aktuellen Stand erklärte Bürgermeister Frank Lange (CDU), dass die Kommune im Rahmen der laufenden Bauvoranfragen städtebauliche Argumente ins Feld führen könne. Über die Stellungnahme entscheidet der Gemeinderat am 30. Januar. Eine Probeabstimmung hatte bereits gezeigt, dass die Mehrheit den Standort im Ortskern ablehnt. Da das Konsum-Areal für das Vorhaben nicht mehr zur Verfügung steht, musste Sigma seine ursprünglichen Pläne korrigieren. „80 Patienten können wir jetzt nicht mehr anstreben, sondern voraussichtlich nur noch 50 bis 60", so Bielitz. Geplant sei, im Kavalierhaus mit 20 Patientenzimmern zu starten und dann langsam zu erweitern. Angedacht sei ein Anbau auf dem angrenzenden Parkplatz. Flächen, die dort noch der Gemeinde gehören, dürften Sigma indes kaum in den Schoß fallen. „Ich kann mir vorstellen, dass bei der derzeitigen Stimmungslage keine Bereitschaft besteht, die Grundstücke zu veräußern", sagte Frank Lange.

„Die Bauvoranfrage zum Konsum-Grundstück haben wir inzwischen zurückgezogen", ließ Christoph Bielitz auf LVZ-Nachfrage wissen. Bürger hegen die leise Hoffnung, dass sich hier wieder ein Nahversorger ansiedelt. Gerüchte, Edeka oder der Konsum Leipzig würden Interesse zeigen, ließen sich bislang laut Macherns Ortschef aber nicht überprüfen.

Simone Prenzel

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