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Keine Kuscheltiere

Keine Kuscheltiere


Bennewitz/Bach. Rudi lässt sich elegant nieder, hebt wie bei einem Sitztanz immer wieder die Flügel.

. Damit will er Beate und Uschi beeindrucken. „Er balzt", erklärt Monika Müller das seltsame Gebaren ihres Schützlings, der sie um Kopfeslänge überragt und 100 Kilo Lebendgewicht auf die Waage bringt. Bei ihr gehören nicht nur Kaninchen, Nymphensittiche, Enten und Hühner zur Familie: Auch sechs erwachsene Blauhalsstrauße sind ihr ganzer Stolz. Seit 2004 Jahren reitet die Familie im Bennewitzer Ortsteil Bach dieses ungewöhnliche Steckenpferd.

„Wenn der Bürzel oben steht, muss man aufpassen", macht Lisa Roßberg auf Rudis Eigenheiten aufmerksam. Momentan hat das männliche Prachtexemplar einen korallenroten Schnabel – untrügliches Zeichen dafür, dass er sexuell in Hochform ist. Ohrringe hat sich die Schülerin längst abgewöhnt. „Da sind die wie die Elstern", lacht die 15-Jährige. „Sind jedenfalls keine Kuscheltiere. Wenn sie noch in der Balz sind, dann ist wirklich Vorsicht geboten. Manchmal rennen die schon rum wie angestochen", ergänzt Monika Müller, die abends gerne mal für eine halbe Stunde alle Fünfe gerade sein lässt und nur den schönen Tieren zuschaut.

Auf die größten lebenden Vögel der Erde kann man sich aber auch als gelernte Zootechnikerin nicht aus dem Stand einlassen. Einen Lehrgang – mit Zertifikat – war Müllers dieses Abenteuer wert. Für ein Wochenende setzte sich auch Ehemann Peter Müller irgendwo kurz vor Frankreich mit auf die Schulbank, um die Genehmigung für die Straußenhaltung zu erlangen.

„Es gibt bei der Aufzucht viele Besonderheiten. Man zahlt da viel Lehrgeld", erzählt die 49-Jährige. Gerade wenn die Laufvögel klein sind, dürften sie keine Nässe abbekommen. Wenn es einem Tier sichtlich schlecht gehe, sei oft schon zu spät. In diesem Jahr haben sich die Mühen erstmals ausgezahlt: Fünf Straußenkücken rennen putzmunter hinter dem Haus durchs Gehege. Ende Februar, Anfang März haben die vier Straußendamen begonnen, Eier zu legen. Bis heute haben sie es auf die stolze Zahl von nahezu 160 gebracht. Das erste Kücken hat sich am 10. Juni aus der zwei bis drei Millimeter dicken Schale gequält. Vorher lag das porzellanartige Ei 42 Tage im Brut- später im Schlupfautomaten. Nachwuchs bei Familie Strauß – das ist immer mit Überraschungen verbunden.

25 Kilogramm Fleisch gibt ein Vogel her. Sollte in Bach doch mal eines der Tiere geschlachtet werden, bliebt das Fleisch in der Familie. Bei den Eiern ist das schwieriger: Für einen Drei-Personen-Haushalt ist ein Straußenei, das etwa 25 bis 30 Exemplaren aus dem Hühnerstall entspricht, doch ganz schön üppig. Mit Vorliebe zaubert Monika Müller deshalb Eierlikör. „Viel aromatischer als gekaufter", schwört sie auf die Gaumenfreude aus der eigenen Küche. Doch auch auf den anderen Schwergewichten bleibt sie nicht sitzen. Mitunter findet der eine oder andere den Weg in die Teichstraße, um Eier in XXL zu kaufen. Sie stehen als ausgefallenes Geburtstagsgeschenk oder Mitbringsel zu einer Fete hoch im Kurs. Man kann aus ausgeblasenen Maxi-Eiern oder halben Schalen auch allerlei Dekoratives kreieren. Den Beweis dafür bleiben die beiden Frauen Besuchern nicht schuldig...

Ingrid Leps

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