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Wurzen Komfortable Sardinendose
Region Wurzen Komfortable Sardinendose
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05:00 16.12.2009
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Muldental/Wurzen

Der erste Eindruck ist der beste, heißt es im Volksmund. Der erste Eindruck von dem Zug, den die Mitteldeutsche Regiobahn am Montag um 15.20 Uhr von Wurzen gen Leipzig rollen lässt, ist ein ausgezeichneter. Da fährt nicht der kleine Regio-Sprinter, den das Unternehmen sonst überwiegend einsetzt, sondern der größere, schönere „Desiro“ mit rund 120 Plätzen – ein Zug, wie ihn auch die Deutsche Bahn auf die Strecke über Grimma und Großbothen schickt. Gut geformte Sitze in frischem blauen Bezug, gläserne Gepäckablagen, große Fenster, alles blitzsauber. Über einigen Plätzen hängt eine Speisekarte. Man kann im Zug sogar etwas zu essen kaufen. Unter den Passagieren sind viele Berufsschüler. Alle haben einen Sitzplatz, als der Triebwagen losrauscht. Kaum Fahrgeräusche, eine gute Federung – tadellos. Die Zugbegleiterin marschiert durchs Terrain und erklärt der Kundschaft die wichtigste Neuerung im Vergleich zu bislang gewohnten S-Bahn: Das MRB-Personal kontrolliert nicht nur die Tickets, die vorher gekauft und entwertet worden sind; man kann auch erst im Zug die Fahrkarte kaufen, sogar einen Sammelfahrschein, oder das vorher gekaufte Ticket noch entwerten lassen. Da könne er es ja in Zukunft drauf ankommen lassen und schwarz fahren, falls er nicht im Zug angesprochen wird, scherzt ein junger Mann. „Ich merk mir Ihre Mütze und komme dann immer gleich zu Ihnen“, gibt die MRB-Angestellte gut gelaunt zurück. In der tief liegenden Zugmitte hat sie Mühe, durchzukommen. Sechs Radfahrer waren schon in Wurzen eingestiegen; das Fahrradabteil, in das kreisförmig die Toilette hineinragt, ist damit übervoll. Später pressen sich auf die Klappsitze noch zwei Mütter mit ihren Zwergen, den Kinderwagen in Reichweite. Zusammen mit den Fahrrädern ein nahezu unüberwindliches Hindernis. Neu hinzu kommende Mitreisende aus Bennewitz, Machern oder Gerichshain wenden sich deshalb von den beiden Einstiegen gleich zur Spitze oder zum Hinterteil des Zuges ab, steigen ein paar Stufen hinauf und sitzen dann auf einer höheren Ebene als die Radler. Ganz vorn können Interessierte ins Cockpit des Zugführers und durch sein großes Panoramafenster schauen. Bis Borsdorf läuft alles noch friedlich. Dort drängen Dutzende in den Wagen hinein. Viele kommen aus dem Ausbildungszentrum der Handwerkskammer, wollen nach Hause, müssen nun stehen. Für die kurze Strecke – noch 13 Minuten bis Leipzig – und für junge Menschen ist das an sich nicht schlimm, aber sie sind es von den alten Doppelstockwagen der S-Bahn nicht gewöhnt. Wer jetzt nicht sitzt, fühlt sich wie in einer Sardinendose, vor allem in der Umgebung der Türen. Bis Leipzig entspannt sich die Lage trotz der drei Zwischenhaltepunkte nicht mehr. Beim Aussteigen verteilt die Zugbegleiterin Fahrplanheftchen. Wer kritische Bemerkungen hinterlassen will, könne ein Servicekärtchen ausfüllen, sagt sie. Alles werde sich einspielen. Wenn sich ein größerer Bedarf herausstelle, werde man auch mehr Wagen einsetzen. Insider vermuten allerdings, dass der Wagenpark der MRB, die am 13. Dezember sechs Linien in der Leipziger Region übernommen hat, dafür nicht ausreichen könnte. Der Gegenzug 16.08 Uhr ab Leipzig ist nicht derselbe, aber vom gleichen Typ. Schon bei Abfahrt sind fast alle Sitzplätze belegt. Die Ansage „Bitte beachten Sie, dass wir an Bord ein kleines Angebot an Snacks und Getränken haben“ wird von manchen Fahrgästen mit ungläubigem Lächeln quittiert – aber nicht genutzt. Die Begleiter, diesmal sogar zu zweit, haben es erneut schwer, von einem Ende des Zuges zum anderen zu gelangen. Denn jetzt ist nicht nur das kleine Abteil für die Räder von Beginn an überfüllt. Zwei weitere Radfahrer, die dort keinen Platz mehr finden, stellen sich mit ihren Maschinen im zweiten Durchgang quer, blockieren ihn und erschweren das Aus- und Einsteigen. In Gerichshain und Machern leert sich der Zug deutlich. Auch der Weg in die Mitte zur behindertengerechten Toilette ist wieder frei. Das pieksaubere Etablissenment unterstreicht den Eindruck, dass der neue Streckenbetreiber in Sachen Komfort eine echte Verbesserung bietet. Doch beim Platzangebot muss die MRB noch nachlegen.

Thomas Müller

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