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Wurzen "Kommt nach Wurzen allesamt,heut' werd'n Kalorien verbrannt"
Region Wurzen "Kommt nach Wurzen allesamt,heut' werd'n Kalorien verbrannt"
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00:29 12.08.2015
Sie geben alles: Die Kinder laufen wahlweise über 1,2 sowie 2,4 oder 3,6 Kilometer. Entsprechend farblich unterlegt sind die Startnummern. Quelle: Andreas Doering
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Wurzen

Kati Lange "importierte" ihn nach einem Lanzarote-Urlaub, das Paar hat inzwischen drei Kinder - Klaus, Francisco, Silvia. Beim 5. Ringelnatzlauf treten alle fünf an.

Der veranstaltende Verschönerungsverein "Stadtwandler" mit 50 Helfern machte Wurzen einmal mehr Beine - und das am Sonntag, in aller Herrgottsfrühe. Absperrgitter wurden gestellt, Wimpelketten gehängt, Müslistangen gebacken. 350 Läufer gingen an den Start: von den Kleinen über 200 Meter bis zu den Großen über 5000 Meter.

Beim Zehn-Kilometer-Hauptlauf vorbei an Mühlentürmen, Posttor und Ringelnatzhaus wurde der Nerchauer Tobias Reis (20) Dritter, mit etwas über 37 Minuten der beste Muldentaler. Er ist meist etwas schneller, hatte schon im Bauch der Mutter die Nase vorn, erblickte fünf Minuten vor Zwillingsbruder Daniel - ebenfalls in Wurzen dabei - das Licht der Welt.

Im Ziel übergaben Steffi Basmer und Jenny Müller Urkunden und Medaillen. Ob mit Seepferdchen- oder Ringelnatzmotiv - die Trophäen waren heiß begehrt. Der 1. Volleyball- und Sportverein Wurzener Land brachte mit 19 Mitgliedern die meisten Sportler ins Ziel - er durfte sich deshalb über 250 Euro freuen. Der Präsentkorb für den besten Reim ging an Stefan Slamka. In Ringelnatz-Manier dichtete er: "Kommt nach Wurzen allesamt, heut' werd'n Kalorien verbrannt." Um diese gleich wieder aufzufüllen: Kuriose Sachpreise waren diesmal Kartoffeln, Zwiebeln, Brot und Ringelnatz-Bier - die Region lässt grüßen.

Gerd Bretschneider von der Privilegierten Bürgerschützengilde Wurzen gab mit seinem Karabiner den Startschuss. Moderator und Marathonläufer Roman Knoblauch, der sich bei dem Knall eben noch die Ohren zuhielt, glaubte, sich verhört zu haben: "Wie bitte, die Schützengilde gibt es schon seit 1470? Donnerwetter!" Gleich danach kam der Mann von Radio Leipzig erneut ins Staunen: Erst startete der 79-jährige Ernst Petter und schließlich als Allerälteste die 85-jährige Lilli Richter. Die drahtige Wurzenerin versprach, auch noch mit 100 dabei zu sein.

Thomas Zittier, Chef des Verschönerungsvereins, sorgte für den familiären Rahmen - mit Maskottchen Rila, riesigen Seifenblasen, mundgerechten Apfelstücken. Maria Leipner bediente die Starterklappe, gestaltet als Laubsägearbeit mit Charakterkopf und Gottschalk-Nase - Ringelnatz, wer sonst?

Zum Publikumsliebling avancierte Peter Kasper (74) als Luis-Trenker-Verschnitt. Vor den Schaulustigen eilte er in Bergwanderstiefeln übers historische Kopfsteinpflaster: "Ich habe eine Fußheberschwäche, würde in Turnschuhen stolpern und stürzen", sagte der Sportler, der wegen Thrombose zudem Gummistrümpfe trägt. Und auch die 61-jährige Beate Henkel zeigte sich leidenschaftlich: Sie landete nach überstandener Krebserkrankung und Fuß-OP (Hammerzehen) fast auf dem Treppchen. Noch einmal international wurde es mit Günther Weiner (77). Er spendierte Läufer Jens Hesselbarth am Start etwas Schatten mit einem Spezialschirm: "Den habe ich mal auf Mauritius gekauft. Er hat mehr Streben als andere Schirme, weil es auf der Insel im Indischen Ozean immer so heftig stürmt", so der Schirmherr. © Kommentar

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 10.08.2015
Haig Latchinian

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