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Wurzen Kretschmer diskutiert in Thallwitz über Zukunft des ländlichen Raumes
Region Wurzen Kretschmer diskutiert in Thallwitz über Zukunft des ländlichen Raumes
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08:39 31.05.2018
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) weilte im Rahmen seiner Landlust-Regionalkonferenz am Dienstag im Kulturgut Thallwitz. Quelle: Thomas Kube
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Thallwitz

Komplizierte Förderverfahren, zu viel Bürokratie, schlechte Verdienstmöglichkeiten, unsichere Aussichten für die Landwirtschaft – diese und weitere Themen kamen bei der CDU-Regionalkonferenz am Dienstagabend in Thallwitz zur Sprache. Ihr Adressat: Sachsens Ministerpräsident und CDU-Landeschef Michael Kretschmer. Im örtlichen Kulturgut stand der neue Hoffnungsträger der Sachsen-CDU den Bürgern zwei Stunden lang Rede und Antwort.

Kretschmer: „Im Wurzener Land wird angepackt.“

Kretschmer, gewohnt eloquent, wurde schnell mit dem Publikum warm. „Wir brauchen in Sachsen eine Haltung, einen Willen, das Land nach vorne zu bringen. Und dazu gehören die Metropolen, aber vor allem auch die ländlichen Regionen“, warb der Landeschef. Thallwitz und die anderen Kommunen des Wurzener Landes seien dafür ein gutes Beispiel. „Hier wird angepackt. Das“, so Kretschmer aufmunternd und zugleich anerkennend, „brauchen wir überall.“

Was bewegt die Menschen vor Ort? Wie können wir gemeinsam unsere Heimat weiter gestalten? Dazu müssen wir mehr...

Gepostet von Ministerpräsident Michael Kretschmer am Montag, 21. Mai 2018

Der Thallwitz-Termin reiht sich ein in die neue Dialogkultur der Regierungspartei: Nicht nur am Kabinettstisch in Dresden wird mehr diskutiert als zu Zeiten von Vorgänger Stanislaw Tillich. Auch Bürgergesprächen stellt sich die sächsische Union regelmäßig. Der MP selbst tingelt durchs Land, will nachholen, was an politischen Diskussionen jahrelang verschlafen wurde. Kretschmer will ein Mann sein, dem man sein Herz ausschütten kann.

Breitbandausbau: „Wir lassen die Region nicht allein.“

Nach anfänglicher Scheu macht auch die Thallwitzer Runde rege davon Gebrauch. „Es wohnt sich hier sehr schön. Wir sind erst kürzlich von Leipzig nach Lossa gezogen“, schildert ein Neu-Muldentaler. Das Internet, beschwert er sich, sei allerdings eine Katastrophe. Kretschmer betont, dass man vor allem die kleinen Kommunen, die mit dem Thema überfordert seien oder vielleicht nicht so flink waren, nicht allein lassen werde. „Seien Sie sicher: Am fehlenden Eigenanteil der Gemeinden wird der Glasfaserausbau nicht scheitern“, versichert er. Insbesondere das Wurzener Land sei hier sehr aktiv und könne bald einen millionenschweren Förderbescheid erwarten. „Digitalisierung“, zeigt sich Kretschmer überzeugt, „wird in Zukunft immer wichtiger. Auch was medizinische Anwendungen oder die Nachsorge nach einem Klinik-Aufenthalt betrifft.“ Hier werde Tele-Medizin immer mehr zum Schlagwort und die Politik müsse helfen, dafür die Voraussetzungen zu schaffen.

Bei der Regionalkonferenz in Thallwitz. Quelle: CDU

Löhne: „Das wird der Markt regeln.“

Dass auch intakte Schulen, aktive Vereine, erfolgreiche Betriebe oder vitale Ortskerne das Landleben ausmachen, kommt ebenfalls zur Sprache. Um die Standortbedingungen zu verbessern, wollen einige Redner die Politik gern mehr in die Pflicht nehmen. Nicht überall freilich sei es sinnvoll, Dinge zu reglementieren, erklärt CDU-Landwirtschafts- und Umweltminister Thomas Schmidt, ebenfalls nach Thallwitz angereist. So muss Schmidt einen Landwirt aus Schkeuditz enttäuschen, der sich wünscht, Dresden möge doch die zu hohen Industriearbeitslöhne in Leipzig zugunsten ländlicher Firmen irgendwie stutzen. „Ich bin mir sicher, das wird der Markt regeln“, entgegnet der Minister. Die gute Entwicklung der sächsischen Leuchttürme Leipzig, Dresden und Chemnitz werde seiner Ansicht nach dazu führen, dass auch die ländlichen Räume profitieren. Das Wachstum werde nicht an den Grenzen der Metropolen Halt machen.

Bildung: „Wir müssen die Uni-Absolventen in Sachsen halten.“

Emotional wird es beim Thema Bildung. Kretschmer, früher selbst als Gegner der Lehrerverbeamtung durchs Land gereist, muss genau diese Maßnahme jetzt gegenüber einer aufgebrachten Lehrerschaft verteidigen. Allerorten gehen ältere Pädagogen auf die Barrikaden, weil sie sich ungerecht behandelt fühlen. Um die Situation einigermaßen zu beherrschen, lockt Sachsen junge Lehrer mit dem Beamtenstatus. Für viele Ältere, die noch dazu ein Heer von Seiteneinsteigern unterweisen müssen, ein Schlag ins Gesicht. „Wie würden denn die Landtagsabgeordneten reagieren, wenn die älteren unter ihnen ein Fünftel weniger Diäten erhalten würden“, spitzt Ina Starke, Lehrerin am Wurzener Gymnasium, bewusst zu. „Wir wissen, dass es zur Verbeamtung nicht nur Zustimmung gibt“, räumt Kretschmer ein. „Aber wir müssen die Absolventen, die von der Uni kommen, kriegen und in Sachsen halten.“ Sonst sei die Bildung nicht mehr abzusichern. Den Ärger der älteren Kollegen könne er nachvollziehen. „Hier werden wir versuchen, mit Leistungszulagen und Prämien gegenzusteuern.“ Unterm Strich verbreitet Kretschmer große Zuversicht, dass die Weichen für ein Aufblühen der ländlichen Regionen richtig gestellt sind. Dazu gehöre mehr Verantwortung für die Kommunen, weniger Bürokratie und auch die Überlegung, vielleicht eine weitere große Behörde in den ländlichen Raum zu verlegen. Und, streichelt Kretschmer abschließend noch die Sachsen-Seele: „Wir sind schließlich nicht das traurige Brandenburg.“

Von Simone Prenzel

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