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Krise als Entwicklungschance

Krise als Entwicklungschance


Falkenhain/Thammenhain. „Ich kann nur mich selbst ändern, dann ändert sich auch mein Umfeld", weiß Helga Wiesner inzwischen.

. Auch diese Erkenntnis hat ihr geholfen, vor sechs Jahren in ihrem Leben einen schmerzhaften Bruch zu vollziehen und zu einer neuen Position zu finden.

Damals brach für die Thammenhainerin alles zusammen – zu einem Zeitpunkt als sie Ehe und Kindererziehung, sie zog „drei tolle Söhne" groß, lange hinter sich hatte. Burn-out-Syndrom und Depressionen brachten den Wendepunkt in ihrem Leben. Als Führungskraft im Handel sah Helga Wiesner in ihrem Leben nur noch Baustellen. Anweisungen, die sie als kurios und unsinnig empfand, entwerteten ihren Alltag. Hinzu kam die schreckliche Angst um einen der Söhne im Afghanistan-Einsatz. „Es war eine Horrorzeit, ich habe nicht gewagt, den Fernseher anzustellen", erzählt sie. „Die zermürbende Sorge um das Kind, der Druck auf der Arbeitsstelle – ich weiß nicht wie ich damals den Alltag gemeistert habe", bekennt die Thammenhainerin. „Es ist gut gewesen, sonst würde ich heute noch in dieser Schlaufe hängen. Von mir aus hätte ich den Mut zur Veränderung nie aufgebracht", ist sie heute froh über die gesundheitliche Zuspitzung der Krise. Nach acht Wochen Krankheit kam die Entlassung.

Die Arbeitslosigkeit nutzte Helga Wiese zu einem Fernstudium als psychologische Beraterin, das sie nach zwei Jahren mit einem Durchschnitt von 1,67 abschloss. „Ich schrieb plötzlich Einsen, höchstens mal eine Zwei, hatte Noten wie nie", blickt sie zurück. „Doch ich habe begriffen, dass es mir nichts nützt, andere beraten zu wollen, ohne den eigenen seelischen Müll wegzukehren." Das Studium sei für sie ein großer Meilenstein gewesen, der sie vorangebracht habe – auch mit Wut, Ratlosigkeit und Traurigkeit. „Es war eine harte Lektion, sich selbst den Spiegel vorzuhalten, aber es hat sich gelohnt", schätzt sie heute ein. Das Studium habe sie eigentlich nur für sich selbst gemacht.

Vom Arbeitsamt kam schließlich der Vorschlag, sich als Lebensberaterin selbstständig zu machen. Damit hatte sie zwar schon selbst kokettiert, aber der Anstoß kam von außen. „Das lief gut an", erzählt die 53-Jährige und ist glücklich, dass sie Menschen bei Konfliktlösungen und Entscheidungsfindungen helfen konnte. Wenig später wird in der Leipziger Richard-Lehmann-Straße ein kleines Geschäft ihr berufliches Zentrum. „Helgas kleiner Wohlfühl-Laden" führte Tee, Seifen, Kerzen, Heilsteine, Keramik und Räucherstäbchen, „alles, was der Seele gut tut". Ihr Lädchen zog Menschen an, war für viele eine Energietankstelle. Gerechnet hat es sich nicht.

Momentan erlebt die Thammenhainerin nach einer halbjährigen Ausbildung als Geistheilerin eine Phase der Neuorientierung, erarbeitet unter anderem Konzepte für Vorträge zur Lebenshilfe. Sie möchte Menschen Beistand leisten, die in Situationen geraten sind, die ihnen ausweglos erscheinen. Die Thammenhainerin kann sie dabei unterstützen, Lösungen zu finden und den Mut zu Veränderungen aufzubringen. Dass es immer möglich ist, aus einem bedrückenden Kreislauf auszubrechen, wenn man bereit ist, seine Lektionen zu lernen, hat sie selbst mit allen Höhen und Tiefen erlebt. „Früher hatte ich ein ganz normales Leben, heute lebe ich immer mehr mein Leben", zieht sie die Bilanz der sechs Jahre nach ihrer ganz persönlichen Wende.

Ingrid Leps

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