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Krise im Macherner Rathaus: Mitarbeiter vertrauen sich Landrat an

Krise im Macherner Rathaus: Mitarbeiter vertrauen sich Landrat an

Untergangsstimmung im Macherner Rathaus: Seit Monaten steht die Amtsführung von Bürgermeisterin Doreen Lieder in der Kritik. Die parteilose Juristin war erst im Vorjahr auf den Chefsessel der 6800-Einwohner-Kommune gewählt worden.

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Rathaus am Macherner Schlossplatz: Nach Darstellung der Mitarbeiter ist an normales Arbeiten kaum noch zu denken.

Quelle: Andreas Röse

Machern. Während Landratsamt und Gemeinderäte auf den Erfolg eines Coachings der 41-Jährigen hoffen, haben die Bediensteten offenbar jeden Glauben an die Beratungsfähigkeit ihrer Chefin verloren.

Die Verwaltung sei kaum noch handlungsfähig, schlägt das Personal jetzt in einem Brief an Landrat Gerhard Gey (CDU) Alarm. Mitarbeiter würden täglich unter den Launen der Rathauschefin leiden. Die Rede ist von "physischen und psychischen Belastungen". Gegenüber Gey schütten die Mitarbeiter ihr Herz aus und bitten ihn um eine persönliche Unterredung. Der Brief, der LVZ vorliegt, ist von 20 Mitarbeitern unterzeichnet.

"Die unzähligen Gespräche zwischen der Bürgermeisterin Frau Lieder und Ihnen, der Kommunalaufsicht, dem Gemeinderat und dem Personalrat haben zu nichts geführt", schreiben die Mitarbeiter an Gey. "Im Gegenteil. Es lässt sich feststellen, dass sich die Situation in den letzten acht Monaten kontinuierlich verschlimmert hat." Auch unzählige Dienstberatungen und persönliche Gespräche zwischen Mitarbeitern, Personalrat und Bürgermeisterin seien im Sande verlaufen. Auch das derzeit stattfindende Coaching, das vom Landratsamt erst per Verwaltungsakt erzwungen werden musste, habe bisher Null gebracht. "Im Gegenteil, die Stimmung der Bürgermeisterin nach einem Tag Coaching ist aggressiv und gereizt. Ausgelassen wird das an den Mitarbeitern."

Die Angestellten, die seit Wochen auf ein entschlossenes Eingreifen der Rechtsaufsicht hoffen, vertrauen sich Gerhard Gey an. Auf mehr als zwei Seiten schildern sie die derzeitige Situation im Rathaus: "Physisch wie psychisch sind die Mitarbeiter schon seit langem an ihre Grenzen gelangt. Aus Pflichtbewusstsein gegenüber dem Bürger und den Kollegen gehen wir zur Arbeit, solange bis es gar nicht mehr geht. Der hohe Krankenstand mit langen Ausfallzeiten und drei Kündigungen verdeutlichen dies." Fachkräfte mit jahrelanger Erfahrung würden die Gemeindeverwaltung verlassen. "Dieser Wissensverlust lässt sich auch nicht durch Vereinbarungen mit der Stadt Naunhof und der Gemeinde Borsdorf auffangen. Hierbei kann es sich nur um eine vorübergehende Lösung handeln und jedem ist klar, dass mit Hilfe dieser Vereinbarungen nur das Dringlichste erledigt werden kann. Viele Anfragen und Aufträge seitens der Bürger werden unerledigt liegenblieben." Man verstehe sich, versichern die Mitarbeiter, als Dienstleister für die Bürger - dieses Ziel sei momentan aber unerreichbar.

Der frische Wind, den man sich von Lieders Amtsantritt im April vorigen Jahres versprach, hat einiges durcheinander gewirbelt - aber nach Meinung von Kritikern wenig bewirkt. "Strukturen in der Ablauf- und Aufbauorganisation existieren nicht mehr beziehungsweise werden übergangen, Zuständigkeiten sind außer Kraft gesetzt, jegliches Handeln und jegliche Kompetenz der Mitarbeiter wird in Frage gestellt. Die jahrzehntelange Erfahrung der Mitarbeiter sowie die bisher selbstständige Bearbeitung von komplexen Aufgabenstellungen wird aberkannt und nicht geschätzt." Entscheidungen würden nicht getroffen oder auf die Bediensteten abgewälzt.

Motivierendes Arbeitsklima hört sich anders an: "Täglich wird Druck auf die Mitarbeiter ausgeübt, Drohungen ausgesprochen, arbeitsrechtliche Konsequenzen angedroht, persönliche Beleidigungen ausgesprochen und Mitarbeiter vorgeführt."

Bereits im November hatte LVZ über Mobbingvorwürfe gegen Doreen Lieder berichtet. Zwei Angestellte hatten sich damals mit Dienstaufsichtsbeschwerden ans Landratsamt gewandt. Für Beobachter ist seit dem jüngsten Hilferuf vom Macherner Schlossplatz klar, dass dies offenbar nur die Spitze des Eisbergs war.

Der Vorwurf, dass es den Mitarbeitern an Willen und Einsatzbereitschaft fehle, sei nicht haltbar. In allen Fachämtern gebe es massive Probleme. Das Ordnungsamt und eine entscheidende Stelle im Bauamt seien seit längerem nicht besetzt. "Die Wahlen am 25. Mai sind gefährdet, da die Mitarbeiterin des Einwohnermeldeamtes auf Grund der psychischen Belastung gekündigt hat und die bisherige Vertretung nicht ausreichend eingearbeitet werden konnte." Versuche seitens der Angestellten, Konflikte zu lösen, würden von der Bürgermeisterin als Angriff, Beleidigung, Anmaßung und bloße Unterstellung gewertet.

Gegenüber Gey versichern die Unterzeichner des Schreibens, dass sie "qualitativ und quantitativ gute Arbeit leisten wollen", dies sei derzeit jedoch unmöglich. "Die Gemeindeverwaltung Machern ist fast nicht mehr in der Lage, ihre Pflichtaufgaben in vollem Umfang auszuführen. Wir stehen kurz vor dem Worst Case!" Weitere Gespräche hätten mit der Unfallkasse Sachsen und der Landesdirektion Leipzig, Abteilung Arbeitsschutz, stattgefunden. Dabei sei den Mitarbeitern unter anderem empfohlen worden, sich noch einmal direkt an Gerhard Gey zu wenden.

Es ist dieser eine Satz, in den die Unterzeichner ihre Hoffnung legen: "Die derzeitige Situation in der Gemeindeverwaltung Machern ist inakzeptabel und eine Änderung derer in kürzester Zeit muss angestrebt werden!"

 

 

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 22.03.2014
Simone Prenzel

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