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Wurzen Kundenfrust in Brandis
Region Wurzen Kundenfrust in Brandis
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15:55 19.05.2015
Kunden stehen in Brandis vor verschlossener Tür. Quelle: Klaus Peschel

"Wir machen Reiseträume wahr" warb die Firma noch vor kurzem. Doch etliche Kunden bleiben jetzt auf gepackten Koffern sitzen.

Nur ein Zettel klebt an der Tür, der nichts Gutes ahnen lässt: "Das Reisebüro bleibt vorübergehend geschlossen. Bitte wenden Sie sich an Ihren Reiseveranstalter", teilt Inhaber Thomas Kapst in dürren Lettern mit. Auch für LVZ ist der Chef, der viele Jahre in der Kommunalpolitik mitmischte, bis 2012 dem SPD-Kreisvorstand angehörte und 2006 sogar als Bürgermeister kandidierte, nicht zu erreichen. Die Computer sind abgebaut, die einzige Mitarbeiterin seit vorigen Donnerstag entlassen. Kunden, die bei Kapst Anzahlungen geleistet hatten, sind in heller Aufregung. "Jeder kann mal in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten", meint ein Betroffener, der seinen Namen nicht nennen möchte, "aber noch bis zuletzt Gelder kassieren und die Leute dann sitzen lassen - das ist unanständig."

Auch der Chef eines Eilenburger Reiseunternehmens ist nicht gut auf den Brandiser Geschäftsmann zu sprechen. "Etliche haben definitiv Geld verloren. Uns erreichen seit Dienstag viele besorgte Anrufe. Aus den Gesprächen spricht eine tiefe Enttäuschung der Leute, dass ihre Anzahlungen futsch sind", erzählt Paul-Tilo Geißler, Geschäftsführer des gleichnamigen Eilenburger Reiseveranstalters. Zwar habe Kapst Summen von den Kunden eingenommen, die sich auf eine Fahrt an den Rhein, nach Schottland oder in den Berliner Friedrichstadtpalast freuten. Doch bei dem Busunternehmen, das er dafür charterte, ist das Geld nicht angekommen.

Es handele sich, wie Geißler gegenüber LVZ erklärte, um eine vierstellige Summe. "Bis zuletzt deutete nichts darauf hin", berichtet der Chef des traditionsreichen Eilenburger Touristikunternehmens, "dass es größere Probleme geben könnte. Zahlungsverzögerungen - klar, die kamen schon mal vor, aber wir sind uns immer einig geworden. Um so enttäuschter bin ich jetzt, dass der Reise-Service-Chef so mit seinen Kunden umspringt und damit auch ein schlechtes Licht auf unsere Firma fällt. Deshalb kontaktieren wir die Kunden in Brandis und Umgebung auch von uns aus und versuchen, Lösungen zu finden." So habe man in Einzelfällen vereinbart, Teilnehmern, die eine Veranstaltung im Friedrichstadtpalast schon bezahlt hatten, wenigstens die Busreise nach Berlin zu sponsern: "Den Eintritt müssten sie dann aber ein zweites Mal aufbringen." In einem Schreiben, das LVZ vorliegt und das laut Briefkopf ausdrücklich "nur an die Kunden des Reiseservice Brandis - Buchungen bei Geißler Reisen" gerichtet ist, macht Kapst aus seinen Finanzsorgen kein Geheimnis: "Sie haben über unser Büro eine Urlaubsreise bei Geißler Reisen gebucht. Den Reisepreis, den Sie an uns bezahlt haben, habe ich bisher nicht an Geißler Reisen weitergeleitet und bin derzeit auch nicht in der Lage, dies zu tun", heißt es darin. Und weiter: Zur Tilgung seiner Schulden wolle er den Kunden nach Möglichkeit einen Ratenplan schriftlich zusenden.

Der Eilenburger Reiseveranstalter jedenfalls glaubt nicht, dass er noch Geld sieht. "Herr Kapst hat zwar noch wenige Tage Zeit, unsere letzte Rechnung zu bezahlen. Aber gedanklich hab' ich den Betrag schon abgeschrieben," meint der 54-Jährige.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 06.09.2013

Simone Prenzel

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