Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Wurzen Kunstraub im Göschenhaus - Grimma will Sicherheit verschärfen
Region Wurzen Kunstraub im Göschenhaus - Grimma will Sicherheit verschärfen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:14 10.01.2013
Grimma

Im Rahmen der Sanierung des Museums sollen möglicherweise Kameras angebracht werden.

Fassungslosigkeit herrscht auch zwei Wochen nach dem Einbruch in das Wohnhaus von Grimmas berühmten Verleger. „Die Aura des Hauses ist zerstört", beklagt Annett Höhne. Das Göschenhaus sei bislang zwar ein Museum, in weiterem Sinne aber vielmehr ein offenes Haus für die Grimmaer und alle an der Geschichte interessierten Menschen gewesen. „Wir hatten hier das Gefühl, der Göschen kommt die Treppe hinunter und füllt die Räume", so Höhne. Durch die brachiale Gewalt der Täter sei dieses Fluidum nun gestört.

Die Chefin des Grimmaer Kulturbetriebes und Vorsitzende des Seume-Vereins Arethusa war die Erste nach dem nächtlichen Raubzug von Unbekannten durch das Haus. Ein Bild der Verwüstung habe sich ihr geboten. Wie sie bemerken konnte, waren die Diebe durch ein Fenster eingestiegen. Mit historischen Werkzeugen aus der Bauernstube hätten sie alte Türzargen aus der Wand gerissen und Schränke aufgehebelt. Im Kaminzimmer musste sie feststellen, dass die Mehrzahl der damals gezeigten Teddybären einer Sonderausstellung fehlte. Auch die Puppensammlung verschwand aus einem Schrank der letzten Besitzerin des Hauses, Renate Sturm-Franke. „Die Diebe wussten, was wertvoll war und was nicht", wirft Thorsten Bolte, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Göschenhaus, ein. Nicht alle Stücke aus der Puppensammlung seien verschwunden.

Außerdem stellten Höhne und Bolte später fest, dass hauptsächlich Spielzeug entwendet worden war. So ließen die Diebe unter anderem historische Zinngegenstände stehen. Dagegen muss eine Sammlung von Zinnfiguren in einem Schrank des Kaminzimmers ihr Interesse geweckt haben. Die Miniatursoldaten, die Szenen der Völkerschlacht und einer Freiberger Bergparade darstellten, sind verschwunden. Angst macht den Mitarbeitern, dass die Diebe Kisten vom Boden holten, um ihre Trophäen abzutransportieren.

Inzwischen sind die Räume weitgehend wieder geordnet. Unikate der Sammlung wie die sogenannte Schillertasse, die Schnupftabakdose mit dem Seume-Porträt, der letzte Spazierstock des Literaten und ein russischer Degen aus seinem Besitz sowie Erstausgaben von Seume sind sichergestellt im Tresor der Stadt. „Das Biedermeierzimmer ist unberührt geblieben", so Bolte. Dennoch sind die Mitarbeiter auf der Hut. Denn nach Angaben der Polizei sei damit zu rechnen, dass die Täter wiederkommen.

Obwohl Höhne und Bolte die Bilder des Einbruchs noch nicht aus ihrem Kopf verbannen können, versuchen sie, zum Tagesgeschäft überzugehen. Noch bis Ende Januar bleibt das Göschenhaus geschlossen. Angemeldete Führungen werden jedoch durchgeführt. Auf Hochtouren laufen derzeit die Vorbereitungen zur großen Seume-Ehrung Ende Januar. Mit Sonderausstellungen, Veranstaltungen und literarischen Neuerscheinungen soll das Seumejahr – 2013 jährt sich der Geburtstag von Göschens Korrektor zum 250. Mal – in die Geschichte eingehen.

Für die Stadt ist das Jubiläum Anlass, das Wohnhaus von Göschen umzubauen und zu modernisieren. Wie der Stadtrat kürzlich beschloss, sollen einst als Wohnung genutzte Räume in den Bestand des Museums übergehen. Nachdem Regenwasser die Bausubstanz zu zerstören droht, müssen Dach und Fenster dringend erneuert werden. Zur Sicherung der Bestände erhalten Brandschutz und nach dem jüngsten Raub auch die Sicherheit eine neue Dimension. 250 000 Euro will die Stadt in die Sanierung investieren.

Birgit Schöppenthau

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Wer zeitiger zahlt, spart Geld: Noch bis 31. Dezember haben Eigentümer die Möglichkeit, den höchsten Rabatt auf Ausgleichsbeiträge im Rahmen der Stadtsanierung zu erhalten.

28.12.2012

Auf renommierte Künstler im stilvollen Ambiente des barocken Festsaales des Jagdhauses Kössern können sich Kulturinteressierte auch im Jahr 2013 freuen. Darüber informieren der Vorsitzende des Vereins Jagdhaus Kössern, Bernd Wagner, und die ehrenamtliche Geschäftsführerin Angelika Reißmann.

27.12.2012

„Die Justiz in Wurzen bleibt schon deshalb vor Ort, weil die Hauptstelle im Grimmaer Schloss aus allen Nähten platzt." Amtsgerichtsdirektor Günter Laudahn, der mit seinen Worten zur Einweihung der rekonstruierten Zweigstelle am 5. Februar 1999 einen Blick in die Zukunft wagte, wurde 2001 von Hans-Joachim Diener abgelöst.

21.12.2012