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Wurzen Kunstverein Panitzsch versteigert seine Sammlung
Region Wurzen Kunstverein Panitzsch versteigert seine Sammlung
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16:14 19.10.2016
Gudrun Mayer leitete über die Jahre den Kunstverein Panitzsch. Quelle: Foto: Armin Kühne
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Borsdorf/Panitzsch


Bei einer Vorbesichtigung der Auswahl fallen Gemälde ins Auge, von denen die Vielfalt Leipziger Handschriften unterstrichen wird. Während Angelika Rochhausen romantische Stimmungen aufnimmt, umreißt Christl Maria Göthner lebendig den grauen Tag in städtischer Szenerie, spürt Joachim Scholz dem Vorfrühling in einer Gartensiedlung nach, und Wolfram Ebersbach lässt sich auf das spröde Hell-Dunkel eines Steinbruchs ein. Von Gerald Müller-Simon stammt ein Interieur, das in malerischen Grau-Nuancen der Panitzscher Galerie Bestechendes abgewinnt. Reichtum kennzeichnet auch die grafischen Offerten: Da gibt es ein ganz von zeichenhafter Klarheit lebendes Blatt Gil Schlesingers, in silbrigen Tönen changierende Lithographien Werner Tübkes, den vitalen Strich der Radierung von Reinhard Minkewitz. Michael Triegel thematisiert mit Finesse den Raub der Persephone. Madeleine Heublein geht kokonhafter Verstrickung nach. Doris Ziegler reflektiert in einem berührenden Blatt Eingesperrtsein, gefangen auch in der eigenen Lethargie. Unter den Hammer kommen aus der Reihe Muldentaler Künstler eine stille weite Landschaft, schöner farbiger Holzschnitt von Christine Ebersbach, eine poetische Fotografie von Gerhard Weber sowie eine gut beobachtete Radierung von Dietrich Burger, der mit sicherer Linie eine dörfliche Situation skizziert.

Seit 1997 Jahren stellte der sechsköpfige Vorstand um Gudrun Mayer ohne große personelle Veränderungen in Panitzsch allein in der Vereinsgalerie 77 Ausstellungen auf die Beine. Doch inzwischen hat sich die Leipziger Kunstlandschaft grundlegend gewandelt, viele kommerzielle Galerien konnten sich etablieren. In der jungen Szene will der Verein nicht mitmischen, nach nahezu 20 Jahren aber auch auf dem eingeschlagenen Weg einen Schlusspunkt setzen, zumal keine Nachfolger vor der Tür stehen.

Als profunder Kenner der Materie bedauert Zschäckel diesen Ausgang. Der Kunstverein habe eine wichtige Arbeit geleistet und sich Künstlern der älteren und mittleren Generation angenommen, ohne die jüngeren zu vergessen. Er habe der Vätergeneration der sogenannten Leipziger Schule eine Plattform gegeben, die sie in der Stadt sonst nicht gefunden hätten. Die Exponate werden am Sonntag zu höchst moderaten Preisen aufgerufen. „Es geht ja nicht in erster Linie darum, viel Geld zu erzielen. Eher nutzt der Verein die Gelegenheit, in guter Erinnerung zu bleiben und der treuen Besucherschaft günstig Kunst aus dem Fundus anzubieten“, macht Zschäckel auf die Auktion neugierig. Der Erlös ist mit Zustimmung der Künstler für das soziokulturelle Zentrum in der Leipziger Steinstraße gedacht. Die Besichtigung der Sammlung in der Alten Schule ist am Sonntag ab 14 Uhr möglich.

Für die Gemeinde stellt sich mit dem Abschied des Kunstvereins die Frage nach der weiteren Zukunft der ehemaligen Panitzscher Dorfschule. Es gebe Gespräche mit einem Galeristen, die noch abzuwarten seien, so der Borsdorfer Bürgermeister Ludwig Martin. Sollten diese zu keinem Ergebnis führen, wäre das Haus nur noch zur Hälfte ausgelastet. Während der Kunstverein bisher das Obergeschoss nutzte, sind im Erdgeschoss ein Seniorentreff und der christliche Jugendclub beheimatet. „Eventuell werden wir dann über einen Verkauf der Hauptstraße 10 nachdenken müssen, weil wir selbst als Kommune keinen Bedarf an dem Objekt haben“, so Martin. Dies habe aber der Gemeinderat zu gegebener Zeit zu entscheiden.

Von Ingrid Leps

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