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Kunstwettbewerb um Gefallenendenkmal spaltet Wurzener Bürgerschaft

Kunstwettbewerb um Gefallenendenkmal spaltet Wurzener Bürgerschaft

Und es passierte genau das, was viele ahnten, die wenigsten aber wünschten: Die Diskussion um das Gefallenendenkmal auf dem Alten Friedhof endete am Mittwochabend in einem Desaster.

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Das Podium: Helmut und Johanna Kandl, Oberbürgermeister Jörg Röglin, Moderator Horst Schulze, Michaela Melián, Barbara Steiner und Via Lewandowsky (von links).

Quelle: Andreas Röse

Wurzen. Zwei Stunden lang prallten die kontroversen Meinungen aufeinander – teils sachlich, jederzeit hochemotional, ab und an im beleidigenden Unterton. Auseinander gingen Bürger, Künstler und das Bündnis für Demokratie gegen Neonazismus letztlich, ohne einen gemeinsamen Nenner gefunden zu haben.

Es ist kurz nach 18 Uhr. Moderator Horst Schulze, Superintendent im Ruhestand, beugt sich vor ans Mikrofon und begrüßt die Gäste. Etwa 80 Wurzener aller Coleur haben den Weg ins Stadthaus gefunden, um ihre Ansichten zum Denkmalprojekt kundzutun. Am Podium sitzen Oberbürgermeister Jörg Röglin (parteilos), die Künstler Via Lewandowsky, Michaela Melián, das Ehepaar Helmut und Johanna Kandl sowie Barbara Steiner, ehemalige Direktorin der  Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig und Begleiterin der Wurzener Aktion. Lediglich Judith Siegmund fehlt im Reigen derer, die mit ihren Vorschlägen dem Standort des Gefallenendenkmals eine neue Aura verleihen wollen – quasi einen Perspektivwechsel und auf Bitten des Bündnisses. Doch zunächst einmal erläutern die Künstler das Ansinnen ihrer Arbeiten, die derzeit im Stadthaus zu sehen sind.

Obwohl Moderator Schulze stets den Abend und die Streitparteien souverän lenkt und leitet, kann er hässliche Zwischenrufe nicht verhindern. So bei der Rede der Wienerin Johanna Kandl, die lautstark von den Besucherplätzen her zurechtgewiesen wird, hochdeutsch zu reden. Kurz darauf geht es in die eigentliche Debatte, Fragen werden gestellt wie: Warum sich Künstler an Künstlern vergreifen, was der Denkmalschutz dazu sagt? Andere machen einfach ihrem Frust Luft. „Wir lassen an unserem Denkmal nicht rumpfuschen." Immer wieder betonen Steiner und die Künstler, dass es keine Veränderung des Mahnmals geben wird, dass alles in Abstimmung mit dem Denkmalschutz geschieht. Indes die Fronten sind verhärtet. Denn eines spielt anfangs so gar keine Rolle. Weswegen das Gefallenendenkmal in den Blickpunkt der Öffentlichkeit rückt. Weil das Bündnis in Zukunft verhindern will, dass Neonazis zum Volkstrauertag die Wurzener Stätte mit krudem Tamtam in Beschlag nehmen.

Der Ton wird von Minute zu Minute rüder, NPD-Stadtrat Wolfgang Schroth inmitten einer handverlesenen Schar von Claqueuren brüllt von der hinteren Reihe, lässt sich durch Schulze kaum bändigen. Die Veranstaltung droht zu kippen. Ortschronist Wolfgang Ebert, Mitglied des Wurzener Altstadt- und Geschichtsvereins, steuert dagegen und mahnt: „Wir alle müssen uns verändern." Steiner stellt nach anderthalb Stunden fest: „Jetzt sind wir am Kern angekommen."

Dann folgen noch Bekenntnisse. Zum Beispiel von Matthias Rieder, Fraktionsvorsitzender der CDU im Stadtrat, der dem Podium berichtet, dass seine Partei zum Frischemarkt am Mittwoch 150 Unterschriften sammelte – gegen eine Veränderung des Denkmals. Und dass er, wie viele auch, ein Problem damit hätte, durch das Bündnis vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden.

Vom Ende der Debatte bekommt einer nichts mehr mit – Gastgeber und Einlader Oberbürgermeister Röglin. Er verlässt den Saal bereits eine halbe Stunde vor 20 Uhr, weil ein „wichtiger Termin" drängt, wie Moderator Schulze verkündet. – Die Vereidigung von Uwe Weigel, Bürgermeister der Gemeinde Lossatal, im Kulturhaus „Zur Hohburger Schweiz".

Kai-Uwe Brandt

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