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LVZ-Artikel über Geschehnisse am Borsdorfer Gymnasium erhitzt Gemüter

Geteiltes Lager LVZ-Artikel über Geschehnisse am Borsdorfer Gymnasium erhitzt Gemüter

Die Reaktionen auf den Ende November erschienenen LVZ-Artikel zu den Geschehnissen am Freien Gymnasium Borsdorf überschlagen sich. Weit über 50 Wortmeldungen gab es bisher – sowohl Kritiker als auch Befürworter äußerten sich zum Sachverhalt. Nur die Schule selbst bleibt nahezu stumm.

Nachdem sich Eltern über die Zustände am Freien Gymnasium Borsdorf in der LVZ zu Wort meldeten, begann eine hitzige Debatte zwischen Kritikern und Befürwortern der Schule.

Quelle: Andreas Döring

Borsdorf. Weit über 80 Wortmeldungen, sowohl anonym als auch namentlich, sind seit Erscheinen des LVZ-Artikels vom 30. November zu den Geschehnissen am Freien Gymnasium Borsdorf (FGB) eingegangen. Darunter Kommentare auf der Internetseite dieser Zeitung, Leserbriefe und Anrufe. Die Meinungen gehen dabei auseinander. Dass die Diskussion auch nach Wochen nicht abflaut, zeigt, wie wichtig eine Auseinandersetzung mit der konfliktträchtigen Situation an der Schule ist.

Elmar Sittner ist einer von denen, die sich zu Wort meldeten. Seine Tochter gehörte zum ersten Abiturjahrgang der Schule. Den Abschluss machte sie dort aber nie. „Die Probleme am Borsdorfer Gymnasium sind keine neuen“, sagt Elmar Sittner. „Wir haben schon 2012 versucht, als Eltern Einfluss zu nehmen. Das ist gescheitert“, sagt er. Grund für die Unruhe war die Besorgnis einzelner Eltern, weil sich die schulischen Leistungen ihrer Kinder seit dem Eintritt in die Sekundarstufe zwei, also Klasse elf, teilweise dramatisch verschlechterten. „Auch die Fluktuation bei den Lehrkräften war damals schon in beängstigendem Umfang zu erkennen“, weiß Sittner. Insbesondere bei Lehrkräften, die mit der Politik der Schulleitung nicht einverstanden waren.

Erste Hinweise vor drei Jahren

Im November 2014 folgte ein Gespräch zwischen Elmar Sittner und Schulleiterin Kai Hakl. Ein zweites in erweiterter Runde wurde versprochen, aber nie umgesetzt. „Daraufhin wandte ich mich mit weiteren besorgten Eltern in einem Brief an Schulleitung und Schulträger“, erklärt der Vater. „Eine Reaktion uns gegenüber hat es nicht gegeben. Sehr wohl aber gegenüber unserer Tochter.“ Für Elmar Sittner Grund genug, seine Tochter noch während der elften Klasse von der Schule zu nehmen.

Die Schulleitung meldete sich unmittelbar nach Erscheinen des LVZ-Artikels mittels eines Elternbriefes zu Wort. Dort ist auch von einem Vorfall die Rede, bei dem der LVZ-Artikel „hundertfach kopiert und rund um die Schule und am Bahnhof an Zäunen und Lichtmasten verteilt vorgefunden“ wurde. Laut Schulleitung wurden die Aushänge umgehend entfernt. Die Schulleitung rund um Direktorin Kai Hakl macht unterdessen unmissverständlich deutlich, dass Anfragen und Sorgen ernst genommen und beantwortet beziehungsweise besprochen werden. „Wir werden weiterhin an der Aufarbeitung der Geschehnisse arbeiten“, heißt es in dem Elternbrief.

Anonyme Kritiker am Pranger

Öffentlich reagierte die Schulleitung lediglich mit einer Spitze in Richtung anonymer Wortmeldungen. Auf der Internetseite der Schule wird für den anstehenden Tag der offenen Tür geworben – mit den Worten: „Schauen Sie sich um, kommen Sie mit uns ins Gespräch und stellen Sie Fragen. Die Antworten erhalten Sie nicht anonym.“

Die Kritik an all denen, die sich anonym zu Wort melden, kann Elmar Sittner nur teilweise nachvollziehen. „Gerade denjenigen, deren Kinder noch in die Schule gehen oder dort angestellten Lehrkräften, kann man das nicht verübeln.“ Auch in den Kommentaren der LVZ-Seite liest sich viel über die feige Anonymität der Kritiker, aber nur wenig Antworten auf eben solche.

Rudolf Rübsamen, dessen Tochter die zehnte Klasse besucht, warnt unterdessen: „Die Tatsache, dass die Kritik anonym vorgebracht wird, könnte nun von den oft nicht direkt angesprochenen Adressaten als Vorwand genutzt werden, die Kritik als irrelevant beiseitezuschieben oder als Rechtfertigung, nicht auf die Kritik einzugehen. Das Nichteingehen auf die Kritikpunkte schafft diese aber nicht aus der Welt.“ Er beschäftigte sich ausführlich mit den Wortmeldungen auf der LVZ-Internetseite und fasste sie in einem offenen Brief zusammen. Den wiederum adressierte er an den Träger der Schule, der Volkssolidarität Leipziger Land/Muldental.

Jeanette Grundmann und Katja Zedler distanzieren sich von den Vorwürfen, die in Richtung Gymnasium gemacht wurden. Sie fungieren als Schulelternsprecher und sagen: „Die erwähnten Ansichten der anonymen Eltern stimmen nicht mit denen der zufriedenen Mehrheit der Elternräte und der von ihnen vertretenen Elternschaft über ein.“

Schülerin schreibt von „Diktatur“

Mario Loos wandte sich mit einem Leserbrief an die LVZ: „Dass dieser Artikel ausgerechnet einen Tag nach dem Informationselternabend für neue Schüler erschien, ist sicher kein Zufall“, sagt er. Sein Sohn besucht derzeit die elfte Klasse am Gymnasium. „Es entsteht der Eindruck einer späten Rache von anonymen frustrierten Eltern und ehemaligen Lehrern.“ Seine Erfahrung ist eine andere. „Wir haben überwiegend positive Erfahrungen gemacht“, sagt er und ergänzt: „Bei allen internen Problemen, welche die Schule hat.“

Von den internen Problemen kamen in den letzten Wochen einige zur Sprache. Unter anderem äußerten sich zwei Schüler, darunter eine Schülerin, die zum Abitur-Jahrgang 2016 und damit dem ersten überhaupt gehörte, auf LVZ.de. „Ich habe das Abi und die ’Diktatur’ überlebt“, schreibt sie. Weiterhin berichtet sie von einem Lehrer, der sich kritisch zur Schule äußerte und plötzlich weg war. Auch als ein Schülervertreter ihres Jahrgangs in einer Schulkonferenz nicht für ein Vorhaben der Schulleiterin stimmte, sondern sich der Stimme enthielt, wurde dieser von ihr „vor versammelter Mannschaft lautstark rundgemacht“, erzählt die ehemalige Schülern. „Als in der elften Klasse die erhofften gute Leistungen ausblieben, wurden wir von Frau Hakl zusammengenommen und als dumm und vor allem pauschal als faul bezeichnet“, ergänzt sie.

Einseitige Personaldebatte

Während die einen mit dem Finger auf die Schule zeigen, kritisieren die anderen, dass sich hinter der Anonymität versteckt wird. Statt miteinander ins Gespräch zu kommen und den Vorwürfen beider Seiten auf den Grund zu gehen, hagelt es Beschuldigungen von beiden Seiten. Von frustrierten Eltern und ehemaligen Lehrern ist da die Rede. Und von denen, die sich rächen wollen. Auf der anderen Seite wird Elternsprechern, die sich zur Schulleitung und deren Arbeit bekennen, blinder Gehorsam vorgeworfen. Und immer wieder ist da die Rede von einer Hakl-Diktatur.

Ganz so einfach ist es dann aber doch nicht. Dass sich lediglich haltlose Kritik hinter den anonymen Äußerungen versteckt, stimmt nicht. So lautete ein namenloser Kommentar auf LVZ.de: „Wenn man an der Schule etwas ändern möchte, sollte man dies sachlich ansprechen, statt hier eine einseitige Personaldebatte über die Schulleitung zu führen. Das vernebelt nur die Diskussion und lenkt von den eigentlichen Sachthemen ab.“

Von Stephanie Helm

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