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Wurzen Landkreis: Sammelfieber greift um sich
Region Wurzen Landkreis: Sammelfieber greift um sich
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18:28 26.11.2009
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. Objekt der Begierde ist Altpapier. Das wird in Gänze längst nicht mehr dem kommunalen Entsorger in den blauen Tonnen überlassen, sondern gebündelt und sortiert zum Wertstoffhändler gebracht.

„Im nächsten Jahr peilen wir die Eröffnung der 100. Annahmestelle an. Wir sind mittlerweile in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen präsent. Wir begannen als Zwei-Mann-Unternehmen und haben heute 43 Mitarbeiter. Zudem bilden wir in diesem Jahr das erste Mal aus“, gewährt Tobias Brückner, Geschäftsführer der Beuchaer Saxero GmbH, einen kleinen Einblick in die Firmenentwicklung. Das Metier des Betriebes: Der Aufkauf von Altpapier nach dem Prinzip der einstigen DDR-Sero-Annahmestellen.

Der steigende Zuspruch belege, dass sich das System keineswegs überlebt hat. Für Brückner gibt es dafür mehrere Gründe. Sicher sei ein wenig Nostalgie dabei. Andere bündeln, weil ihnen die Cash-Zahlung des Wertstoffhändlers (Pro Kilo gibt es fünf Cent) näher ist als die Gebührenkalkulation des kommunalen Entsorgers. Zwar verkaufe der die Inhalte der blauen Tonne auch und erziele Erlöse. Doch wenn das nicht fürs Gesamtgetriebe reiche, würden die Gebühren erhöht. Und zahlen müsse auch der, der bisher immer fleißig die Papiertonne für den Landkreis füllte. „Das empfinden die Menschen als ungerecht und nehmen eine Protesthaltung ein“, weiß Tobias Brückner.

Viele, die bündeln, gehören indes zu den Idealisten, die eine Vorstellung vom Wertstoffbegriff und vom Eigentum haben. Die ließen sich von den in der Vergangenheit kursierenden Meldungen über die Pflicht, Papier in der blauen Tonne zu entsorgen, nicht verunsichern. Das Thema sei durchaus spannend und beschäftige Juristen im ganzen Land. Und selbst die sind sich nicht einig. So untersagte die Landeshauptstadt Kiel einem privaten Entsorger, Altpapier zu erfassen. Das Oberverwaltungsgericht entschied anders. Das Bundesverwaltungsgericht jedoch interpretierte im Juni das aktualisierte Kreislaufwirtschaftsgesetz derart, dass öffentlich-rechtliche Entsorger grundsätzlich für Abfälle aus privaten Haushalten zuständig sind. Ausgenommen sei nur Hausmüll, für dessen Verwertung kein Dritter beauftragt werden muss, also Kompost. Jedoch könnten nach § 13 Absatz 3 Kreislaufwirtschaftsgesetz unter engen Voraussetzungen Sammlungen erfolgen. Das Oberverwaltungsgericht prüft erneut. Eine Entscheidung steht aus.

Für Tobias Brückner ist das kein Anlass zur Unruhe. Für ihn gibt das Kreislaufwirtschaftsgesetz schon jetzt eine klare Antwort. Was in den Saxero- Annahmestellen aufgekauft wird, sei kein Abfall. „Das Papier kommt sortiert und gebündelt zu uns und ist demnach ein Wertstoff. Auch ist eine ausgelesene Zeitung nicht sofort Eigentum des kommunalen Entsorgers, sondern gehört ihm erst, wenn es in der blauen Tonne liegt. Bis dahin entscheidet der Bürger, was er damit macht“, sagt der Geschäftsführer. Dass für die Erhöhung der Abfallgebühren oftmals das fehlende Papier in den kommunalen Tonnen herhalten muss, erschließt sich Brückner nicht. „Und immer weniger Bürger lassen sich davon beeindrucken. Vielleicht auch, weil wir mit stabilen Aufkaufpreisen zeigen, dass es anders geht.“ Für ihn führe diese Begründung nur dazu, dass die Leute verstärkt bündeln und sich sozusagen ihren Gebührenausgleich bar beim Wertstoffhändler holen.

 

 

Conny Hanspach

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