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Wurzen Landrat Graichen sieht beim Thema Jobticket noch Reserven
Region Wurzen Landrat Graichen sieht beim Thema Jobticket noch Reserven
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06:00 06.09.2017
Um alternative ÖPNV-Konzepte wie Muldental in Fahrt – hier ein Bild vom Startschuss in Grimma – ging es beim Überland-Gespräch im Borsdorfer BTZ. Quelle: Christian Modla / Westend Communication
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Landkreis Leipzig/Borsdorf

Der öffentliche Nahverkehr kann eine ernsthafte Alternative zum privaten Pkw sein, wenn das Angebot stimmt. Um angedachte Verbesserungen und laufende Pilotprojekte drehte sich die Diskussion beim jüngsten „Überland-Gespräch“ in Borsdorf unter dem Motto „Mobil im Landkreis“. Auf Einladung von Landrat Henry Graichen (CDU) diskutierten Vertreter aus Politik und Wirtschaft über innovative Ansätze wie das ÖPNV-Projekt Muldental in Fahrt, die Idee eines digitalen Rufbusses oder Verbesserungen im südlichen Leipziger Neuseenland.

Dass der öffentliche Nahverkehr weiter an Attraktivität gewinnen muss, darin waren sich die Podiumsgäste einig. „Wie wichtig gute Verbindungen sind, zeigt uns die Entwicklung entlang der S-Bahn-Trassen Richtung Borna und Wurzen“, verdeutlichte Graichen. „In den Orten, die sich entlang der Bahn befinden, verzeichnen wir eine deutliche Stabilisierung der Einwohnerzahlen.“ Diesen Effekt wolle man – unter anderem durch eine gute Abstimmung von Bus und Bahn – weiter in die Fläche tragen. Mit dem Projekt Muldental in Fahrt sei das rund um die Städte Grimma, Brandis, Colditz und Bad Lausick bereits in Angriff genommen worden. „Als nächstes wollen wir mit einer touristischen Route starten, die das südliche Leipziger Neuseenland in der Hauptsaison besser erschließt“, so Graichen. Dazu soll ein Ring rund um die vier großen Seen – Zwenkauer, Störmthaler, Markkleeberger und Hainer See – entstehen. Geplanter Start: im April 2018.

Sowohl Touristen und Tagesausflüglern, aber auch Arbeitskräften soll das neue Angebot nützen. „So hat zum Beispiel der Freizeitpark Belantis Bedarf signalisiert. Zwar kommen Besucher mit dem Bus schon ans Ziel, aber vor und nach Park-Öffnung wollen wir auch ein Angebot für die Mitarbeiter unterbreiten“, deutete Graichen an. Diese würden in vielen Fällen über kein Auto verfügen. Auch zahlreiche andere Dienstleister vor allem in der Gastronomie- und Tourismusbranche würden von der neuen Route profitieren.

Steffen Lehmann, Geschäftsführer des Mitteldeutschen Verkehrsverbundes (MDV), ermunterte Unternehmen dazu, sich zum Thema beraten zu lassen. Der MDV habe dazu ein Projekt Betriebliches Mobilitätsmanagement gestartet. Man gehe offensiv auf die Wirtschaft zu, suche das Gespräch. „Das Jobticket kann ein Weg sein, als Arbeitgeber attraktiv zu sein und so dringend benötigte Mitarbeiter oder Lehrlinge zu finden.“ Beschäftigte können auf diese Weise günstig zur Arbeit fahren, entlasten dabei noch die Umwelt und den Firmen-Parkplatz.

Beispielhaft nannte der MDV-Chef die Firma DHL, die die Tickets für ihre Mitarbeiter mit 40 Euro subventioniere. „Auch andere Unternehmen stehen in den Startlöchern und interessieren sich für das Angebot“, wusste Andreas Kultscher, Geschäftsführer der Regionalbus Leipzig, zu berichten. „Wir suchen bereits nach individuellen Lösungen, so zum Beispiel für die Colditzer Firma Anona.“ Die Zentrale des Unternehmens sei gut angebunden, aber der Produktionsstandort im Gewerbegebiet liege an keiner Buslinie. Kultscher: „Hier sind wir dran, müssen den Linienverlauf eventuell anpassen.“ Rita Fleischer, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin der Industrie- und Handelskammer Leipzig, sagte die Unterstützung seitens der Interessenvertretung zu. „Insbesondere die touristischen Unternehmen“, ergänzte sie, „haben einen großen Bedarf, ihren Mitarbeitern passende Angebote zu machen. Auch wir werden das Thema unterstützen.“ Landrat Graichen sieht auch in der Kreisbehörde noch Reserven: „Von den rund 1300 Beschäftigten des Landratsamtes nutzen nur 30 ein Jobticket. Hier haben wir Luft nach oben.“

Nach gut anderthalb Stunden Diskussion bat Moderatorin Manuela Krause um eine Vision für den Nahverkehr im Jahr 2030. Von der schmunzelnd vorgetragenen Variante von Markkleebergs SPD-Oberbürgermeister Karsten Schütze („Wir brauchen kein Auto mehr“) reichte die Palette bis zum Wunsch von Graichen nach einem „grundsoliden ÖPNV-Netz für den gesamten Landkreis“.

Von Simone Prenzel

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