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Landwirte in Kleinbardau: „Vielen Betrieben geht es an die Substanz“

Gesprächsrunde Landwirte in Kleinbardau: „Vielen Betrieben geht es an die Substanz“

Rund 30 Landwirte aus der Region folgten am Mittwoch der Einladung des Staatsministers für Umwelt und Landwirtschaft, Thomas Schmidt, nach Kleinbardau. In einer Gesprächsrunde packten sie ein ganzes Bündel an Sorgen, von Milchpreis über Flächenfraß bis Arbeitszeitgesetz, auf den Tisch.

Limousin – eine der drei Rinderrassen, die in Kleinbardau gehalten werden.

Quelle: Ines Alekowa

Grimma/Kleinbardau. Niedlich: Thomas Schmidt, Sachsens Staatsminister für Umwelt und Landwirtschaft, streichelt für die Fotografen in der KÖG Kleinbardau Landwirtschafts GmbH eine Kuh. Doch bevor die Geschäftsführer Achim Altner und Gerald Sinkwitz dem Minister und Landrat Henry Graichen (CDU) den Betrieb zeigten, der rund 2600 Hektar landwirtschaftliche Fläche bewirtschaftet und einen Tierbestand von 320 Rindern umfasst, wurde in der Kantine des Betriebes zwei Stunden lang Tacheles geredet. Rund 30 Landwirte aus der Region waren am Mittwoch der Einladung des Staatsministers, der am Vormittag im Landratsamt Borna die Regionalveranstaltung zur Beschäftigung von Asylsuchenden im ländlichen Raum eröffnet hatte, zu einer Gesprächsrunde gefolgt und packten ein ganzes Bündel an Sorgen, von Milchpreis über Flächenfraß bis Arbeitszeitgesetz, auf den Tisch. „Vielen Betrieben geht es inzwischen an die Substanz“, eröffnete Jürgen Wick, Geschäftsführer der Agrarproduktion Leipnitz GmbH, die Diskussion. „In Frankreich würden sie dafür pfeifend auf die Straße gehen“, kam es aus der Runde. Aber diese blieb ausgesprochen sachlich, obwohl Schmidt vieles nur aufnehmen und lediglich zusichern konnte, sich der Sache anzunehmen.

Auch in der Agrargesellschaft Bad Lausick – 18 Arbeitskräfte, 1200 Hektar, 250 Milchkühe – sei die Lage „wirklich bedrohlich“, sagte Geschäftsführer Arnd Mothes. Man wolle in diesem Jahr 1,5 Millionen Euro in den Stallumbau investieren, „aber bei einem Milchpreis von 24 Cent halten sich alle Banken bedeckt“, zumal angesichts derzeitiger Getreidepreise kaum noch eine Gewähr über den Ackerbau möglich sei. „Die Weichen sind gestellt, dass die Tierproduktion kaputt geht“, konstatierte Mothes und forderte: „Der Staat muss etwas tun.“ – „Wenn es einfache Lösungen gäbe, würde sie sofort umgesetzt“, sagte Schmidt, doch „normale Programme wie Liquiditätshilfen bringen nichts“, weiß auch er und sprach statt dessen höhere Milchpreise an. „Die Bevölkerung in Deutschland ist dazu durchaus bereit“, glaubt der Politiker. Und dafür bedürfe es noch nicht einmal der Hilfe des Staates, meinte ein Landwirt: „67 Prozent der Molkereien sind in Genossenschaftshand, und wir kriegen es nicht fertig, mit Preis zum Einzelhandel zu gehen. Hier müssen wir unsere Hausaufgaben machen“, mahnte er.

Den Flächenfraß durch Straßenbau prangerte Wolfram Rühle von der Agrargenossenschaft Pötzschau in Rötha an. Beim aktuellen Autobahnbau „wird auf unseren besten Böden ein Parkplatz platziert, obwohl es keine fünf Kilometer weiter eine Rekultivierungsfläche gibt. Es wird null Rücksicht genommen.“ Und die Entschädigung, die man für die abgegebenen Flächen erhalte, sei zu gering, um bei Pachtausschreibungen der Bodenverwertungs- und -verwaltungsgesellschaft (BVVG) eine Chance zu haben, ergänzte eine Landwirtin.

Der Röthaer Landwirt übergab dem Minister außerdem einen Brief von Landwirten, die von der neuen Gewässerunterhaltungsabgabe des ZV Parthenaue – von Taucha, Borsdorf und Großpösna mit der Unterhaltung Gewässer II. Ordnung beauftragt – betroffen sind. 1,25 Euro pro laufenden Meter sollen Bachanlieger, „nachdem die Gemeinden in der Vergangenheit ihrer Verantwortung nicht nachgekommen sind“, in 2016 zahlen. „In die Datensammlung sind 200 000 Euro Fördergelder geflossen“, kritisierte er auch den Freistaat, „dafür hätte man viele Meter Gewässer unterhalten können.“ – Schmidt räumte zwar ein, dass der Freistaat das Pilotprojekt unterstützt habe, „aber die Entscheidung ist vor Ort gefallen“, betonte er und fügte hinzu: „Es ist deshalb wichtig, dass Sie sich in Gemeinderäten und Kreistagen engagieren, um Einfluss zu nehmen.“ Landrat Graichen nahm den Ball auf und zeigte sich überzeugt, dass es sinnvollere Wege gebe, die Lasten zu verteilen. „Es ist egal, wo sich ein Grundstück befindet – der Regen landet immer im Vorfluter. Deshalb könnte man zum Beispiel über die Grundsteuer jeden Grundstückseigentümer beteiligen und nicht nur die Anlieger.“ Aber, so Graichen weiter, darüber entscheide weder Freistaat noch Landkreis: „Die Gemeinden als Aufgabenträger müssen sich überlegen, wie sie die Gewässerunterhaltung organisieren und finanzieren.“

Ein weiterer Kritikpunkt war schließlich das Arbeitszeitgesetz – „eine tickende Zeitbombe“, so die Landwirte. Eine Arbeitszeit von maximal zehn Stunden sei gerade während der Ernte kaum planbar. Eine Kritik, in die Schmidt einstimmte: Es sei sicherlich gut gemeint, aber es gebe einfach Bereiche, in denen der Ansatz „praxisfremd“ sei, so der studierte Agraringenieur. „Hier müssen wir auf Bundesebene noch einmal Druck machen, um eine Lockerung zu erreichen“, versprach er.

Von Ines Alekowa

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