Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Wurzen Landwirte in Kleinbardau: „Vielen Betrieben geht es an die Substanz“
Region Wurzen Landwirte in Kleinbardau: „Vielen Betrieben geht es an die Substanz“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:00 11.03.2016
Staatsminister Thomas Schmidt (Mitte) im Gespräch mit den KÖG-Geschäftsführern Gerald Sinkwitz (l.) und Achim Altner. Quelle: Konstanze Morgenroth
Anzeige
Grimma/Kleinbardau

Niedlich: Thomas Schmidt, Sachsens Staatsminister für Umwelt und Landwirtschaft, streichelt für die Fotografen in der KÖG Kleinbardau Landwirtschafts GmbH eine Kuh. Doch bevor die Geschäftsführer Achim Altner und Gerald Sinkwitz dem Minister und Landrat Henry Graichen (CDU) den Betrieb zeigten, der rund 2600 Hektar landwirtschaftliche Fläche bewirtschaftet und einen Tierbestand von 320 Rindern umfasst, wurde in der Kantine des Betriebes zwei Stunden lang Tacheles geredet. Rund 30 Landwirte aus der Region waren am Mittwoch der Einladung des Staatsministers, der am Vormittag im Landratsamt Borna die Regionalveranstaltung zur Beschäftigung von Asylsuchenden im ländlichen Raum eröffnet hatte, zu einer Gesprächsrunde gefolgt und packten ein ganzes Bündel an Sorgen, von Milchpreis über Flächenfraß bis Arbeitszeitgesetz, auf den Tisch. „Vielen Betrieben geht es inzwischen an die Substanz“, eröffnete Jürgen Wick, Geschäftsführer der Agrarproduktion Leipnitz GmbH, die Diskussion. „In Frankreich würden sie dafür pfeifend auf die Straße gehen“, kam es aus der Runde. Aber diese blieb ausgesprochen sachlich, obwohl Schmidt vieles nur aufnehmen und lediglich zusichern konnte, sich der Sache anzunehmen.

Auch in der Agrargesellschaft Bad Lausick – 18 Arbeitskräfte, 1200 Hektar, 250 Milchkühe – sei die Lage „wirklich bedrohlich“, sagte Geschäftsführer Arnd Mothes. Man wolle in diesem Jahr 1,5 Millionen Euro in den Stallumbau investieren, „aber bei einem Milchpreis von 24 Cent halten sich alle Banken bedeckt“, zumal angesichts derzeitiger Getreidepreise kaum noch eine Gewähr über den Ackerbau möglich sei. „Die Weichen sind gestellt, dass die Tierproduktion kaputt geht“, konstatierte Mothes und forderte: „Der Staat muss etwas tun.“ – „Wenn es einfache Lösungen gäbe, würde sie sofort umgesetzt“, sagte Schmidt, doch „normale Programme wie Liquiditätshilfen bringen nichts“, weiß auch er und sprach statt dessen höhere Milchpreise an. „Die Bevölkerung in Deutschland ist dazu durchaus bereit“, glaubt der Politiker. Und dafür bedürfe es noch nicht einmal der Hilfe des Staates, meinte ein Landwirt: „67 Prozent der Molkereien sind in Genossenschaftshand, und wir kriegen es nicht fertig, mit Preis zum Einzelhandel zu gehen. Hier müssen wir unsere Hausaufgaben machen“, mahnte er.

Den Flächenfraß durch Straßenbau prangerte Wolfram Rühle von der Agrargenossenschaft Pötzschau in Rötha an. Beim aktuellen Autobahnbau „wird auf unseren besten Böden ein Parkplatz platziert, obwohl es keine fünf Kilometer weiter eine Rekultivierungsfläche gibt. Es wird null Rücksicht genommen.“ Und die Entschädigung, die man für die abgegebenen Flächen erhalte, sei zu gering, um bei Pachtausschreibungen der Bodenverwertungs- und -verwaltungsgesellschaft (BVVG) eine Chance zu haben, ergänzte eine Landwirtin.

Der Röthaer Landwirt übergab dem Minister außerdem einen Brief von Landwirten, die von der neuen Gewässerunterhaltungsabgabe des ZV Parthenaue – von Taucha, Borsdorf und Großpösna mit der Unterhaltung Gewässer II. Ordnung beauftragt – betroffen sind. 1,25 Euro pro laufenden Meter sollen Bachanlieger, „nachdem die Gemeinden in der Vergangenheit ihrer Verantwortung nicht nachgekommen sind“, in 2016 zahlen. „In die Datensammlung sind 200 000 Euro Fördergelder geflossen“, kritisierte er auch den Freistaat, „dafür hätte man viele Meter Gewässer unterhalten können.“ – Schmidt räumte zwar ein, dass der Freistaat das Pilotprojekt unterstützt habe, „aber die Entscheidung ist vor Ort gefallen“, betonte er und fügte hinzu: „Es ist deshalb wichtig, dass Sie sich in Gemeinderäten und Kreistagen engagieren, um Einfluss zu nehmen.“ Landrat Graichen nahm den Ball auf und zeigte sich überzeugt, dass es sinnvollere Wege gebe, die Lasten zu verteilen. „Es ist egal, wo sich ein Grundstück befindet – der Regen landet immer im Vorfluter. Deshalb könnte man zum Beispiel über die Grundsteuer jeden Grundstückseigentümer beteiligen und nicht nur die Anlieger.“ Aber, so Graichen weiter, darüber entscheide weder Freistaat noch Landkreis: „Die Gemeinden als Aufgabenträger müssen sich überlegen, wie sie die Gewässerunterhaltung organisieren und finanzieren.“

Ein weiterer Kritikpunkt war schließlich das Arbeitszeitgesetz – „eine tickende Zeitbombe“, so die Landwirte. Eine Arbeitszeit von maximal zehn Stunden sei gerade während der Ernte kaum planbar. Eine Kritik, in die Schmidt einstimmte: Es sei sicherlich gut gemeint, aber es gebe einfach Bereiche, in denen der Ansatz „praxisfremd“ sei, so der studierte Agraringenieur. „Hier müssen wir auf Bundesebene noch einmal Druck machen, um eine Lockerung zu erreichen“, versprach er.

Von Ines Alekowa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Was sich bei der Top-Genetik-Rinderauktion im niedersächsischen Verden abgespielt hat, kann der Geschäftsführer der Agrar GmbH Auligk aus Groitzsch, Bernd Barfuß, noch heute kaum glauben. Kauflustige Bieter hievten ein rotbuntes Kuhkind aus dem Betrieb auf die Spitzenposition des Abends. Der Hammer für Sunbird fiel bei sage und schreibe 35.000 Euro.

10.03.2016

Die Zahl der Wohngeldempfänger im Landkreis Leipzig steigt. Seit Jahresbeginn wurden im Sozialamt 533 Fälle mehr aktenkundig. Grund dafür ist in erster Linie eine Gesetzesänderung, die zu Jahresbeginn in Kraft getreten ist. Die Kosten sind dieses Jahr auf drei Millionen Euro gestiegen.

11.03.2016

Im Lossataler Ortsteil Zschorna hat es am Dienstag gekracht: 80-jähriger Autofahrer wollte an der Kreuzung nach Lüpitz links abbiegen und übersah dabei den Gegenverkehr. Der entstandene Sachschaden wird auf 1000 Euro geschätzt.

10.03.2016
Anzeige