Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Wurzen Landwirte schlagen Alarm: Im Kampf gegen die Schweinepest passiert zu wenig
Region Wurzen Landwirte schlagen Alarm: Im Kampf gegen die Schweinepest passiert zu wenig
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:03 07.03.2018
Landwirte fordern mehr Aktivitäten gegen die Bedrohung durch die Afrikanische Schweinepest. Quelle: dpa
Anzeige
Landkreis Leipzig

Unter Schweinehaltern geht die Angst um, Wildschweine könnten die Afrikanische Schweinepest nach Deutschland einschleppen. Auch die regionalen Kreisbauernverbände schlagen jetzt Alarm. „Wir fordern den Landkreis dringend auf, seine Aktivitäten im Kampf gegen die gefährliche Tierseuche zu verstärken“, erklärt Elke Zehrfeld, Geschäftsführerin des Regionalbauernverbandes Muldental. Mit einem Brief wandte sich die Interessenvertretung der Landwirte inzwischen an Landrat Henry Graichen (CDU) persönlich. „Wir haben durch unseren Austausch mit Berufskollegen den Eindruck, dass in anderen Regionen entschiedener gehandelt wird.“ Dabei geht der Blick zum Beispiel nach Mecklenburg-Vorpommern. „Hier hat die Politik die Gefahr erkannt, die von der Afrikanischen Schweinepest ausgeht“, so Zehrfelds Eindruck. Seit Anfang Dezember lässt die Landesregierung für jedes erlegte Wildschwein 25 Euro Abschussprämie springen. „Solche deutlichen Signale würden wir uns auch für die hiesige Jägerschaft wünschen.“

Die ASP ist eine gefährliche Tierseuche, die durch Tierkontakt oder Fleisch und Wurst infizierter Tiere übertragen wird. „Wenn die Krankheit vor unserer Haustür ausbrechen sollte, würde das auf lange Zeit den Todesstoß für alle Schweinehalter bedeuten“, warnt Zehrfeld eindringlich. Der Forderung nach entschiedeneren Maßnahmen schließt sich auch der Kreisbauernverband Borna/Geithain/Leipzig an. „Auch unsere Mitglieder sind extrem besorgt, was die drohende Einschleppung der Krankheit betrifft“, gibt dessen Geschäftsführerin Yvonne Kern zu Protokoll.

Afrikanische Schweinepest: Prämie von mindestens 25 Euro gefordert

Die Kreisbauernverbände verweisen auf einen Entschluss des Sächsischen Landesbauernverbandes (SLB), der nach den angekündigten Lockerungen im Sächsischen Jagdgesetz weitergehende Maßnahmen für dringend erforderlich hält. Der SLB fordert, mindestens 25 Euro für erlegte Frischlinge oder Bachen zu zahlen. „Auch wir halten diesen finanziellen Anreiz für dringend geboten, um die Schwarzwildbestände zu reduzieren“, unterstreicht Zehrfeld. Wenn Sachsen diese Entscheidung nicht treffe, müsse der Aufwand eben aus Kreismitteln finanziert werden. „Der Schaden, wenn wir nichts unternehmen, wäre ungleich höher“, warnt die Geschäftsführerin. Derzeit würden die Schwarzkittel vor allem im Colditzer Forst, im Thümmlitzwald und Glastener Forst massive Schäden anrichten. Auch in den Tagebaugebieten hätten sich die Tiere formiert.

Preise für Wildbret sind im Keller

Eine Entwicklung, die den Jägern zusätzlich das Leben schwer macht: Normalerweise kommt zur Weihnachtszeit Wildbret auf den Tisch. Doch die Preise für Wildschwein sind im Keller. In manchen Regionen gibt es nicht mal mehr einen Euro fürs Kilo. Um so wichtiger sei es, der Jägerschaft durch unkonventionelle Regelungen die Arbeit zu erleichtern, finden die Bauernverbände. So hätten sächsische Landkreise bereits auf Gebühren für Verkehrseinschränkungen verzichtet, um revierübergreifende Drückjagden zu ermöglichen. Im benachbarten Nordsachsen habe die Kreisbehörde ebenfalls reagiert. „Hier sind seit 1. Dezember die Gebühren für Trichinenproben ausgesetzt. Jäger müssen also nichts mehr zahlen, wenn sie der Pflicht zur Trichinenuntersuchung nachkommen.“ Auch diesem Beispiel sollte der Landkreis Leipzig folgen, fordert der Verband mit Sitz in Grimma.

Im Planitzwald 93 Sauen zur Strecke gebracht

Frank Freiberg, langjähriger Chef der Muldentaler Landwirte und selbst passionierter Jäger, sitzt in der Arbeitsgruppe des Freistaates, die an Maßnahmen zur Bekämpfung der Schweinepest arbeitet. Er hält Prämien für den besten Weg, den Kampf gegen die Seuche aufzunehmen. Große zusammenhängende Felder mit Raps, Getreide und Mais würden den Tieren ideale Bedingungen für die Vermehrung bieten. „Die Bestände erhöhen sich seit Jahren.“ Erst bei der jüngsten Jagd im Planitzwald seien 93 Sauen zur Strecke gebracht worden. An derlei Zahlen könne er sich aus der Vergangenheit nicht erinnern. Freiberg plädiert allerdings auch dafür, nicht in Panik zu verfallen. Schon eher solle man dem Beispiel von Tschechien folgen. „Dort wird für jedes tot aufgefundene Tier eine dreistellige Summe gezahlt.“ Dies, so Freiberg, sei ein wirklicher Anreiz, die Ausbreitung des Virus zu verhindern.

Von Simone Prenzel

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Das Interesse von Kindern am runden Leder will der Deutsche Fußballbund (DFB) wecken. In Trebsen, wo er diese Woche mit seinem Mobil Halt machte, rannte er damit offene Tore ein. Aus einem speziellen Grund.

11.12.2017

Budenzauber in der Kita Rüsselchen in Kühren. Kinder, Eltern und Großeltern kamen zusammen, um gemeinsam in Adventstimmung zu kommen - mit Liedern und einem Märchen.

14.12.2017

Kaum einer kennt die Abgründe der Gesellschaft so gut wie Simone Bohne. Die Hohnbacherin springt als ehrenamtliche Pflegemutter ein, wenn Kleinkinder in Notlagen geraten und in Sicherheit gebracht werden müssen. Seit 19 Jahren ist Mandy bei ihr. Sie ist Lehrling in Leipzig und kommt an Wochenenden immer gern nach Hause.

12.12.2017
Anzeige