Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -5 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Laqua: "Müssen uns der demografischen Entwicklung immer wieder stellen"

Bennewitzer Bürgermeister zieht Bilanz Laqua: "Müssen uns der demografischen Entwicklung immer wieder stellen"

Der Bennewitzer Bürgermeister Bernd Laqua (parteilos) zieht im LVZ-Interview Bilanz über das 2015 Erreichte und blickt auf Vorhaben in diesem Jahr. Hochwasserschutz und Straßenbau sind zwei der vorrangigsten Themen.

Bundesstraße 6 in Deuben: Gegenüber dem Gewerbegebiet wurde mit ersten Vorarbeiten für die verbesserte Anbindung des Firmenareals – eines der Bauvorhaben der Gemeinde in diesem Jahr – begonnen. Die Bauarbeiten sollen im April starten.
 

Quelle: Foto Thomas Kube

Bennewitz.  Der Bennewitzer Bürgermeister Bernd Laqua (parteilos) zieht im LVZ-Interview Bilanz über das 2015 Erreichte und blickt auf Vorhaben in diesem Jahr. Hochwasserschutz und Straßenbau sind zwei der vorrangigsten Themen.

2014 haben Sie das Jahr der Konzepte genannt, war 2015 das Jahr der Taten?

Wir haben für eine kleine Kommune eine ganze Menge erreicht, worauf wir stolz sein können. Zum Beispiel auf den Friedwald im Planitzwald. Das Vorhaben wurde in neun Monaten umgesetzt – für den ersten Friedwald in Sachsen eine sehr kurze Bearbeitungszeit. Andere Dinge sind weniger bemerkt worden, aber nicht weniger wichtig, weil wegweisend: So haben wir auf Anregung von Gemeinderat Zur 100 Leuchtkörper auf LED umgestellt und damit übers Jahr 26 061 Kilowattstunden gespart, das sind 4691 Euro. Ansonsten haben wir auch wieder viel konzeptionell gearbeitet, so dass der Rückblick auf 2015 zugleich ein Ausblick ist.

Das heißt, Sie sind mit dem 2015 Erreichten durchaus zufrieden?

Nein. Es gab auch Rückschläge und Verzögerungen. Das betreute Wohnen auf dem Altenbacher Wiesenberg haben wir in den Sand gesetzt wegen verwaltungstechnischer Fehler und damit eine Chance vergeben. Ein zweites Beispiel ist der Ausbau der Anbindung des Gewerbegebietes Deuben an die Bundesstraße 6. Die Bürokratie in Verbindung mit einer Amphibienleiteinrichtung hat uns um ein Jahr zurückgeworfen. Wir können nun erst im Mai 2016 beginnen. Das hat Auswirkungen auf das ansässige Gewerbe.

Zurück zum betreuten Wohnen. Im Gegensatz zum Wiesenberg scheint das Vorhaben im ehemaligen Gasthof Bennewitz zu klappen – der Vertrag mit dem DRK ist unterschrieben. Wie wichtig ist Ihnen das Thema?

Sehr wichtig. Die demografische Entwicklung ist eines der Themen, denen wir uns als Kommune im ländlichen Raum immer wieder stellen müssen. Das heißt einerseits, dafür zu sorgen, dass sich Familien bei uns wohlfühlen. In zwei Kitas und dem Hort stellen wir insgesamt 396 Plätze zur Verfügung, um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu erleichtern. Andererseits wird die Bevölkerung älter. Kaum eine Entwicklung wird Deutschland in den kommenden Jahren so prägen. Den Grundstein, auch dieser Generation ein besseres Wohngefühl in unserer Gemeinde zu bieten, haben wir 2015 mit dem Verkauf des alten Gasthofes gelegt, auch wenn es nicht leicht fiel, sich von ihm zu verabschieden.

Stichwort Bauvorhaben. Welche weiteren rückt die Gemeinde 2016 in den Fokus?

Bei den Einfamilienhäusern auf dem Altenbacher Wiesenberg geht die Bautätigkeit endlich voran. Es sind nur noch zwölf Grundstücke frei, so dass wir als nächstes mit Altenbach-West unsere Wohngebiete erweitern können. Hier sollen 19 Grundstücke entstehen. An der Achse von Eisenbahn und Bundesstraße 6 gelegen, sehe ich dafür gute Bedingungen. Der Gemeinderat hat bereits einen Bebauungsplan-Entwurf beschlossen. Für weiteren Wohnungsbau bieten sich später der Fabrikweg in Deuben und die Altenhainer Straße in Schmölen an.

Und wie sieht es – neben dem in Deuben – beim Straßenbau aus?

Den Ausbau von Altenbacher Straße und Teeplantage haben wir zwar Mitte 2015 angeschoben, werden ihn aber erst Mitte 2017 in die Bauphase überführen. Wir benötigen die Teeplantage während der Bauarbeiten in Deuben als Entlastungsstrecke, wollen aber die Zeit nutzen, zum Beispiel für Grunderwerb, um 2017 sofort beginnen zu können.

All das sind Puzzlesteine zur Gemeindeentwicklung. 2014 wurde ein Gemeindeentwicklungskonzept „Bennewitz – leben und wohlfühlen zwischen Mulde und Planitzwald“ angeschoben. Wie kommen Sie mit Konzept und Umsetzung voran?

Nach knapp zwei Jahren intensiver Arbeit in den Arbeitsgemeinschaften Tourismus, Lebensqualität, Wirtschaft gab der Lenkungsausschuss im August ein erstes Fazit ab. Denkbare Landschaftsgestaltung, Wirtschaftsentwicklung und Wohnungsbau bekamen skizzenhafte Grundzüge. Und Einwohnerversammlungen haben uns gezeigt, dass die Bennewitzer ihre Orte gern mitgestalten wollen. Das freut mich sehr. Unterstrichen wurden diese Ergebnisse durch die Begehung aller zwölf Ortsteile an vier Samstagen mit den Gemeinderäten. Orts-, Gewerbe- und Brachenentwicklung, Straßenbau und weitere Details wurden zusammengetragen und erörtert. Und ich lobe ausdrücklich die offene Kritik. Der Ausschuss hat alle Ideen zusammengefasst. Das Gesamtkonzept ist damit noch nicht fertig. Die Herausforderung liegt darin, alle Ideen in ein Stadt-und-Umland-Konzept des Wurzener Landes einfließen zu lassen. Damit könnten wir in naher Zukunft auf ein Papier zurückgreifen, das Landschafts- und Ortschaftsplanung, Stärken und Schwächen unserer Orte berücksichtigt, um sie im Sinne unserer Gemeinde wie des Umlandes zu gestalten.

Die Zusammenarbeit im Wurzener Land ist, so scheint es, aus der Lösung von Problemen inzwischen nicht mehr wegzudenken?

 Die anfängliche Skepsis vieler Einwohner, dass dies der erste Schritt zur Eingemeindung nach Wurzen ist, kann ich gut verstehen. Aber inzwischen bin ich überzeugt, dass dies der beste und momentan auch effizienteste Weg ist, interkommunal zusammenzuarbeiten, um weiterhin als Kommune eigenständig zu bleiben. Viele Projekte lassen sich aus dieser Zusammenarbeit ableiten: Entwicklungskonzepte, multiple Häuser und Digitalisierung der Verwaltung. Schwerpunkt ist jedoch momentan die Bildung eines „Landwerkes“ zum effizienten Umgang mit Energie, für alle Einwohner. Den Weg dahin werden wir mit einem Beirat, besetzt mit Stadt- und Gemeinderäten aus Wurzen, Thallwitz, Lossatal und Bennewitz, meistern.

Das erste gemeinsame Projekt war die Breitbandentwicklung. Sind auch bald erste Ergebnisse zu erwarten?

Dieses Jahr wird Nepperwitz als erster Ortsteil mit Glasfaserkabel angebunden. Das Land unterstützt uns, wenn wir ein passives Netz bauen und dann in die Verpachtung an Provider gehen. Allerdings muss ich feststellen, dass unsere Einwohner nicht so ganz von der Bedeutung des schnellen Internets überzeugt sind. Die Beteiligung an der Haushaltumfrage betrug lediglich 23 Prozent.

Der Anschluss in Nepperwitz erfolgt ja im Zuge von Kanalarbeiten, nachdem der Deichbau hier vergangenes Jahr abgeschlossen wurde. Sind Sie mit dem Stand des Hochwasserschutzes zufrieden?

Nach den Muldehochwassern 2002 und 2013 wird das Thema Schutz immer groß geschrieben bleiben. Auch wenn sich die Gemeinde seit Mitte 2015 von Schmölen bis Nepperwitz mit einem Deich zum Wert HQ 100 sicher wähnen darf, kann uns dies nicht zufriedenstellen. Damit sind fünf von acht Orten unmittelbar an der Mulde mit einem Schutz bedacht. Umso mehr gilt es nun, den Deich, der nordwestlich von Nepperwitz endet, schnellstmöglich weiter über Dögnitz, Püchau und Kossen voranzutreiben und abzuschließen. Dies bedeutet eine enge Zusammenarbeit mit Machern. Dass dies funktioniert, sieht man bei der Erstellung des Hochwasserschutzkonzeptes für den 27,4 Kilometer langen Saubach, das erstens auf mehr Sicherheit für Bennewitz und zweitens auf ein besseres Zusammenwirken der Gewässer erster und zweiter Ordnung abzielt. Mit Steinbach Consult wurden unsere Geländedaten analysiert, und mit daraus abgeleiteten70 Maßnahmen unterschiedlichster Form haben wir das Zwischenziel erreicht. Über eine Kosten-Nutzen-Aufstellung gilt es nun, die effizientesten auszu-wählen. Ich gehe davon aus, dass das vor der Haushaltdiskussion im Mai/Juni gelingt.

Hat der Hochwasserschutz noch weitere Schwachstellen?

Als erstes sehe ich die in Rothersdorf, Bach und Pausitz, wo auch mit der Stadt Trebsen zwingend eine Zusammenarbeit nötig ist. Als zweites die Bahnbrücke in Bennewitz. Ich möchte auch für diesen neuralgischen Punkt eine Lösung erarbeiten, die zur Entspannung der Hochwassersituation für Bennewitz wie für Wurzen führt.

 Interview: Ines Alekowa

Von Ines Alekowa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Wurzen
  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • Angestupst
    Mikrologo Angestust

    Die aktuelle Förderrunde der Aktion „Angestupst“ von LVZ und Sparkasse Leipzig ist beendet. So haben Sie abgestimmt! mehr

  • LVZ-Fahrradfest
    Logo LVZ-Fahrradfest

    LVZ-Fahrradfest 2016: Sehen Sie hier einen Rückblick mit vielen Fotos von allen Starts, Videos und mehr. mehr

Gemäß des packenden „Drei in einer Reihe“-Prinzips müssen Reihen aus mindestens 3 Steinen gebildet und aufgelöst werden. Hier kostenlos im Spieleportal von LVZ.de spielen! mehr

  • 24 Stunden in der Region

    Firmen und Unternehmen in der Region Leipzig stellen sich vor. mehr

  • TAW - Technische Akademie Wuppertal
    TAW  - Technische Akademie Wuppertal

    Ein Werbespecial der LVZ für die Technische Akademie Wuppertal mit Infos zum breitgefächerten Angebot. mehr

  • Zoo Leipzig
    Zoo Leipzig

    Infos und Events aus dem Zoo Leipzig sowie zahlreiche Bilder aller Vierbeiner und der geflügelten Zoobewohner. mehr

  • Asisi - Welt der Panoramen
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Great Barrier Reef" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zum Great Barrier Reef im Panometer Leipzig und den asisi-Panoramen in Dresden. mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die LVZ in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten LVZ das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr

  • Onlineabo

    "LVZ-Online Extra" heißt das Online-Premiumangebot der Leipziger Volkszeitung, das Sie überall auf der Welt und rund um die Uhr nutzen kö... mehr