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Wurzen Lautstärke an Magistralen des Landkreises kann Gesundheit schädigen
Region Wurzen Lautstärke an Magistralen des Landkreises kann Gesundheit schädigen
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13:50 27.03.2017
91 Dezibel an Bornas Sachsenallee – gesundheitlich bedenklich.
Borna

Die EU-Richtlinie über die Bewertung und Bekämpfung von Umgebungslärm dient dem langfristigen Ziel, Anwohner vor schädlichem Krach zu schützen. Dazu sollen die Geräusche aus der Umwelt kartiert, also erfasst und in einer Landkarte verzeichnet werden. Neben Ballungsgebieten in großen Städten, den Lagen in der Nähe von Flughäfen und an hochfrequentierten Eisenbahnstrecken stehen vor allem viel befahrene Straßen im Mittelpunkt der Richtlinie. Wenn im Schnitt drei Millionen Fahrzeuge pro Jahr diese nutzen, müssen sie in der Karte vermerkt werden. Die erste Erfassung wurde 2012 veröffentlicht. Die nächste Kartierung steht zum 30. Juni dieses Jahres an.

Im direkten Stadtgebiet von Borna sind aktuell die Leipziger Straße (B 93) sowie die Sachsenallee (B 95) derart stark befahren, dass sie für die Kartierung relevant sind. Eine Messung an der Kreuzung Sachsenallee und Am Hochhaus mit der Handy-App Decibel 10 zeigt, dass der Lärmpegel sich dort zwischen 75 und über 90 Dezibel bewegt. Die Weltgesundheitsorganisation rechnet ab 55 Dezibel mit Risiken für die Gesundheit.

Und diese sind nicht zu unterschätzen. Abgase und Feinstaub sind ein Thema, sorgen Studien zufolge für Herzkreislauf- und Atemwegserkrankungen. HNO-Ärzte warnen vor den Gefahren von Tinnitus, der durch den dauerhaften Lärmpegel verursacht werden könne. Doch nicht nur physische Probleme sind ein Risiko. Laut einer Studie der Universität Duisburg-Essen kann sich dauerhafter Straßenlärm auch negativ auf die Psyche auswirken. Wissenschaftler gehen davon aus, dass das Risiko, an Depressionen oder gar Schizophrenie zu erkranken, steigt.

„Das hängt auch vom Individuum ab“, beruhigt Julien Tjombe. Der 52-Jährige arbeitet in Borna als Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Der Lärm habe durchaus Einfluss auf den gesamten Tagesablauf, könne den Schlaf beeinträchtigen und so Krankheiten auslösen. „Aber es muss eben nicht sein“, sagt der Experte. „Ich denke, hier spielen weitere Einflüsse eine Rolle. Und es stellt sich die Frage nach der Akzeptanz.“ Wenn ein Anwohner um den Lärm wisse, sich daran gewöhnt und damit arrangiert, sei das etwas ganz anderes, als wenn eine Person sich dauerhaft gestresst fühlt. „Dann muss man Konsequenzen ziehen“, so der Mediziner.

Zwar sind die Kommunen laut EU-Richtlinie dazu angehalten, ihrerseits Maßnahmen zu ergreifen, um den Lärm einzudämmen. Doch ist die Lage im Landkreis vielerorts eine andere. „Die lauten Straßen sind meist Bundesstraßen, für die sind die vergleichsweise einwohnerschwachen Kommunen, auch die Stadt Borna, gar nicht zuständig“, erklärt Stadtrat Oliver Urban (SPD). Der 50-Jährige wohnt selbst in unmittelbarer Nähe zur Sachsenallee und weiß genau, was das Leben mit dem Lärm mit sich bringt. „Selbst wenn wir bei den übergeordneten Instanzen einen anderen Straßenbelag durchbekommen würden, das Verkehrsaufkommen und die Motorengeräusche bleiben“, sagt er. Die einzige Hoffnung sei, dass die neue Autobahnauffahrt und der geplante Anschluss von Frohburg an die A 72 für eine Entlastung sorgen.

Geschwindigkeitsbegrenzungen einzurichten, die zumindest etwas Lärm vermeiden könnten, sei nicht so einfach, erklärt Brigitte Laux, Sprecherin des Landkreises. In Deutschland gelten innerorts 50 Kilometer pro Stunde. „Es muss also gesondert nachgewiesen sein, dass eine solche Anordnung dem Schutz der Bevölkerung vor Lärm dient und mit der Verkehrssituation vereinbar ist.“ Dazu sei die Kartierung nicht ausreichend. Gutachten müssten erstellt werden, Verkehrsbehörde, Straßenbaulastträger, Kommune und Polizei einbezogen werden.

Von Nathalie Helene Rippich

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