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Wurzen Georg Budnik stirbt mit 89 Jahren in Wurzen
Region Wurzen Georg Budnik stirbt mit 89 Jahren in Wurzen
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12:41 06.01.2017
Georg Budnik lachend an der Seite seiner Ehefrau Helga: Er stirbt 89-jährig in Wurzen. Quelle: Foto: Andreas Röse
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Wurzen/Burkartshain

Sein Herz schlug bis zuletzt links. Und die Leute nahmen es ihm nie krumm. Die wussten, Georg Budnik lebte seine Ideale. Er war kein Apparatschik. Er war ein Mann der Tat. Statt Betonkopf und Holzhammer, Schöngeist mit spitzer Feder. Seine selbst gedichteten Vierzeiler sollten niemanden wach rütteln, sondern ursprünglich seine Enkel in den Mittagsschlaf wiegen: „Ganz nebenbei, hier sei’s bestätigt, habe ich als Versschmied mich betätigt. Es klingt nicht nach Poetenzungen, doch einiges scheint gelungen.“

Im Alter von 89 Jahren starb Budnik dieser Tage in seiner Wahlheimat Wurzen. Noch kurz vor dem Tod rezitierte er beim Hausabend in der Naunhofer Reha-Klinik eigene Gedichte. Er, der langjährige Lehrer an der Burkartshainer Schule, der neben Deutsch und Geschichte auch Staatsbürgerkunde gab. Ehefrau Helga (85) betont: „Viele Schüler von damals kamen nach der Wende auf meinen Mann zu. Sie hätten ihm früher nie geglaubt, was er über den Kapitalismus sagte. Heute wüssten sie, dass er mit manchem Recht gehabt hatte.“

In Gleiwitz aufgewachsen, erlebte der jugendliche Budnik 1939 den von den Nazis fingierten Überfall auf den gleichnamigen Sender unmittelbar. Seine Erlebnisse als Soldat im Krieg machten ihn zeitlebens zum Friedenskämpfer. Wann immer ein Stolperstein für deportierte und ermordete Juden verlegt wurde – Georg Budnik war dabei.

Bei den Wurzener Linken leitete er die Interessengemeinschaft Geschichte. Zudem ist er Mitbegründer der parteienunabhängigen und preisgekrönten Initiativgruppe Gedenkmarsch. Auf den Spuren damaliger KZ-Häftlinge zog er noch im vergangenen Jahr von Borsdorf nach Wurzen, wie immer mit seiner Helga, den Kindern und Enkeln.

Nein, er war kein Ewiggestriger. Sein Ziel war immer ein besseres Morgen. Als Neulehrer kam er 1950 an die Burkartshainer Schule. Sein langjähriger Kollege und Freund Peter Poppe (76) erinnert sich: „Ohne Georg drehte sich in Burkartshain kulturell kein Rad.

Er tanzte im Elferrat des Faschingsvereins, holte Schlagerstars wie Siegfried Uhlenbrock und Dagmar Frederic genauso zum Strandfest wie die Geschwister Weisheit, die damals besten Hochseilakrobaten.“ Budnik organisierte Rezitatorenausscheide, holte „Herzklopfen kostenlos“ mit Heinz Quermann ins Kulturhaus und übernahm die Festreden zum 1. Mai oft gleich selbst.

„Ob bei Geburtstagsrunden oder Familienfeiern – nie durften seine Vierzeiler fehlen. Die Gedichte und kleinen Erzählungen sind inzwischen sogar als Büchlein erschienen – 130 Seiten, Titel: Ganz nebenbei“, bemerkt Poppe. Zum Parkfest luden die benachbarten Sachsendorfer ihren Georg Budnik persönlich ein. Zu dessen Überraschung wurde in der Kirche eines seiner Gedichte in Liedform präsentiert. Schaufeln statt schwafeln! Als die Burkartshainer ihr Freibad aus dem Boden stampften oder die neue Schule gebaut wurde – Budnik ging bei Arbeitseinsätzen stets voran.

Kein Wunder, dass die in diesen Tagen Witwe zahlreiche Kondolenzschreiben erreichen. Der Wurzener Oberbürgermeister erinnert genauso an Budniks Verdienste wie der Bund der Antifaschisten oder der Blinden- und Sehbehindertenverband. Zuletzt, im Betreuten Wohnen in Wurzen, hatte Budnik nur noch eine Sehkraft von fünf Prozent. Nachts stürzte er, bekam ein künstliches Hüftgelenk, später Bronchitis und zuletzt eine Lungenentzündung. Seiner Helga, den drei Töchtern, sechs Enkelkindern und vier Urenkeln bleiben Verse wie dieser: „Friede auf der ganzen Erde, allen Völkern gleiches Recht, dass niemand unterdrückt mehr werde, ganz gleich, welch’ Herkunft und Geschlecht.“

Von Haig Latchinian

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