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Wurzen Leipzig ist Hauptziel der Pendler
Region Wurzen Leipzig ist Hauptziel der Pendler
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05:00 01.12.2009

. Mit rund 6700 Personen waren im Vorjahr die meisten innerhalb Ostdeutschlands unterwegsren. Für etwa 30 000 hieß das Ziel Leipzig.

Sachsen-Anhalt ist derzeit mit 3621 Personen Ziel Nummer 1 derjenigen, die über die Landesgrenze von Sachsen pendeln, gefolgt von Thüringen (1777) und Bayern (1632).

Sieht man sich die Entwicklung im Gebiet des Landkreises von Mitte der 90er Jahre bis 2005 an, wuchs die Zahl der Pendler, während die der Beschäftigten abnahm. Ein bundesweiter Trend. Auffallend dabei war, dass die Zahl der von Ost nach West Fahrenden eher stagnierte, meint Soziologe Per Kropp aus Halle, der im regionalen Forschungsnetz des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) tätig ist. Typische Pendler seien junge, flexible und gut ausgebildete Fachkräfte. Nach der Familiengründung nehme meist die Bereitschaft, lange Arbeitswege auf sich zu nehmen, schlagartig ab.

Nach einer IAB-Studie waren deutschlandweit im Jahr 1995 Wohn- und Arbeitsort bei 31 Prozent der Beschäftigten in sozialversicherungspflichtigen Jobs nicht identisch. Zehn Jahre später waren es bereits 39 Prozent, Tendenz steigend. Das verdeutlicht eine weitere Zahl für den hiesigen Landkreis: Etwa 30 000 Einwohner – das ist fast ein Drittel aller Beschäftigten – fahren laut Kropp derzeit zur Arbeit in die Stadt Leipzig.

Logischerweise pendeln im ländlichen Raum weit mehr Leute als in den großen Städten. Der Soziologe bemerkt aber auch eine Gegenbewegung, die zwar noch schwach, aber erkennbar sei: Unternehmen, die mehr Grund und Boden brauchen, ziehe es aus der Stadt aufs Land, was auch die Richtung der Arbeitswege beeinflusse.

Pendler sind typisch für die moderne und spezialisierte Arbeitswelt. „Weil heute keiner mehr sicher sein kann, ob er 15 oder 20 Jahre im gleichen Unternehmen arbeitet, zieht er auch nicht mehr so schnell um“, sagt Kropp. Einwohner des Landkreises Leipzig mit Eigenheim oder schöner Wohnung würden dies nicht so schnell aufgeben, wenn sie vielleicht nur zwei oder drei Jahre ihren Job auswärts sicher haben. Der Soziologe will das nicht kritiklos hinstellen, immerhin verursache Pendeln enorme Kosten – zum Beispiel in der Umwelt und im Sozialen. Millionen von Autos auf den Straßen; Tausende Kinder, die einen Elternteil nur am Wochenende sehen.

Was den vielbesprochenen Fachkräftemangel betrifft, spielt die demographische Entwicklung für den Wissenschaftler eine viel größere Rolle als die Pendler. Der Geburtenknick der frühen 90er Jahre ist jetzt bei den Schulabgängern angekommen: Ihre Zahl hat sich seit der Wende nahezu halbiert. „Der entscheidende Punkt ist jetzt, wie es gelingt, die Jugendlichen, die da sind, gut auszubilden und ihnen eine berufliche Zukunft zu geben“, so Kropp. Sicher gehe es aber auch darum, Pendler perspektivisch wieder in der Region zu beschäftigen. Diejenigen, die bereits weggezogen sind, könne man kaum zurückholen. Claudia Carell-Domröse

Claudia Carell-Domröse

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