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Letterbox und App: Musterschüler Brandis besteht Test als moderne Verwaltung

Verwaltung Letterbox und App: Musterschüler Brandis besteht Test als moderne Verwaltung

Die Stadt Brandis gewann 2014 den Wettbewerb „Innovationskommune Sachsen“. Mit einem Budget von einer Million Euro, die das Land zur Verfügung stellte, wurden seitdem moderne Verwaltungsverfahren und Formen der Bürgerbeteiligung etabliert.

Einen Ausblick auf die Zeit nach dem Projekt Innovationskommune wagten unter anderem Martin Antonow, Bürgermeister der Stadt Brand-Erbisdorf, Gesche Joost, Digitale Botschafterin der Bundesrepublik Deutschland, der Brandiser Stadtchef Arno Jesse und Kabarettist Meigl Hofmann (v.l.n.r.).

Quelle: Simone Prenzel

Brandis. „Zur Nachahmung empfohlen“ steht in dicken Lettern auf der Abschluss-Broschüre, die die Ergebnisse von drei Jahren sächsischer Innovationskommune zusammenfasst. Die 10 000-Einwohner-Stadt Brandis war aus einem Wettbewerb des Freistaats als Sieger hervorgegangen und hatte den Auftrag, von 2014 bis 2016 als Musterkommune ihre Verwaltung zu modernisieren und neue Formen der Bürgerbeteiligung zu testen. „Wir wussten nicht so recht, worauf wir uns einlassen“, gestand Bürgermeister Arno Jesse (SPD) beim Projektfinale am Mittwoch im Forum der örtlichen Oberschule. Vor allem bestand die Aufgabe darin, Prozesse stellvertretend für alle sächsischen Kommunen auszuprobieren. Eine Herausforderung, der sich die Stadt nach übereinstimmender Einschätzung aller Beteiligten erfolgreich stellte.

Als interessierter Trittbrettfahrer outete sich unter anderem Martin Antonow, Oberbürgermeister der mittelsächsischen Stadt Brand-Erbisdorf und als solcher einer der Projektpartner. Die Bergstadt gehörte neben Wurzen, Thallwitz und Markranstädt zum Kreis derer, die im Rahmen eines Netzwerks ihre Erfahrungen einbrachten. „Die Idee der digitalen Stadtführung werden wir uns sicher abschauen“, meinte Antonow bei der Abschlussdiskussion mit Blick auf das Online-Stadtspiel. Auch die Letterbox sei eine feine Sache. Äußerlich kommt die Box als Briefkasten mit hölzernem Corpus daher. In den Kasten können Bürger eine Postkarte werfen, auf der sie notieren, was sie an ihrer Stadt toll finden oder was verbessert werden müsste. Beim Einwerfen wird die Karte fotografiert und dann digitalisiert. Die handgeschriebene Nachricht wird automatisch an das Beteiligungsportal der Stadt übertragen, das auf der Rathaus-Homepage verankert ist. Der Brandiser Prototyp wurde bereits auf der Computermesse Cebit vorgestellt und gehört nun zum Rathaus-Inventar.

 

Für die europäische Dimension des Projekt-Finales sorgte Gesche Joost, Professorin für Designforschung an der Berliner Universität der Künste. Die Norddeutsche ist offizielle Internetbotschafterin der Bundesregierung bei der Europäischen Kommission in Brüssel. Die Forscherin setzt sich unter anderem dafür ein, dass Programmieren möglichst schon an der Grundschule erlernt wird. „In Brandis ging es darum, Rahmenbedingungen für mehr Bürgerbeteiligung zu schaffen, und das auf möglichst vielen Kanälen“, machte Joost deutlich. So seien im Rahmen des Teilprojektes der Mit-mach-Stadt zahlreiche Ideen entstanden, wie Bürger sich einbringen können. „Konkretes Ergebnis ist ein Handbuch zur Selbstorganisation und Bürgerbeteiligung, das ganz praktische Tipps enthält“, betonte Joost. Die Vorschläge reichen von der Eröffnung eines Repair-Cafés bis zu Open Gardening (Gärtnern auf öffentlichen Flächen) oder einem Stadtpicknick.

Dass selbst Stadthistorie dem digitalen Wandel unterliegt, macht das Beispiel der neu entwickelten Geschichts-App deutlich. „Diese App kann jeder installieren. Damit werden Aussagen von Zeitzeugen, Geschichten der Eltern oder Großeltern aufgezeichnet und als Audiodatei der Geschichtsplattform hinzugefügt“, so die Professorin. Dadurch entsteht ein lebendiges Archiv von Brandis, das Wissen für die nächsten Generationen bewahrt und zugleich durch persönliche Erzählungen sehr authentisch wirkt. Zudem kann jede Geschichte mit einem lokalen Marker versehen und so im Stadtgebiet verortet werden. Bestenfalls ein Weg, bei weiteren Brandisern Neugier für ihre Stadt zu wecken. Landrat Henry Graichen (CDU) wünschte sich abschließend, dass vor allem weitere Landkreis-Kommunen von den Brandiser Erfahrungen profitieren. „So gibt es jetzt zur Behördennummer 115 belastbare Zahlen, die andere Orte zu Rate ziehen können.“

Auf der www. stadt-brandis. de sowie mit-mach-stadt.de finden sich weitere Beispiele für Bürger- und Beteiligungsprojekte.

Von Simone Prenzel

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