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Letzter Appell vor Stadtratssitzung – Eltern schreiben Brief an Stadträte

Wurzen Letzter Appell vor Stadtratssitzung – Eltern schreiben Brief an Stadträte

Eltern der Grundschule „An der Sternwarte“ in Wurzen haben sich mit einem Brief an die Stadträte gewandt. Darin sprechen sie sich nochmals für den Erhalt der Bildungsstätte aus, die nach Plänen der Stadtverwaltung abgerissen werden soll. Das Parlament entscheidet in einer Sondersitzung am Dienstag.

Eltern aus Wurzen protestieren gegen den angedachten Abriss der Grundschule „An der Sternwarte“.

Quelle: Kai-Uwe Brandt

Wurzen. In einem Brief an alle 26 Stadträte haben sich die Eltern der Grundschule „An der Sternwarte“ noch einmal für den Erhalt des Standortes ausgesprochen. Das Schreiben erhielten die Volksvertreter wenige Stunden vor der Sondersitzung am Dienstag, in der die Parlamentarier über die Zukunft der Wurzener Grundschullandschaft entscheiden.

Bereits Mitte voriger Woche sprach sich eine knappe Mehrheit des Kulturausschusses wie berichtet für die Fusion der beiden Bildungsstätten „Ringelnatz“ und „Sternwarte“ sowie der Kita „Knirpsenland“ zu einem sogenannten Bildungszentrum Nord aus. Sollte der Stadtrat dieses Vorab-Bekenntnis mittragen, würde der 1994 eingeweihte Containerbau in der Dr.-Rudolf-Friedrichs-Straße abgerissen und das Gelände für Wohnzwecke verkauft. Zugleich will die Verwaltung mit dem Neubau einer Drei-Felder-Turnhalle fürs Bildungszentrum Nord zwei Sportstätten schließen – darunter die GutsMuths-Halle und die Halle am Gewerkschaftshaus in der Heinrich-Heine-Straße. Letztlich blieben nach den aktuellen Plänen der Kommunalbehörde lediglich noch zwei Grundschulen – die Ringelnatz-Grundschule als Grundstock für ein Bildungszentrum Nord und die Diesterweg-Grundschule als Zentrum eines Bildungszentrums Süd.

Bislang blieben die Proteste der Eltern, Lehrer und Kinder ohne Erfolg, gleichwohl weit über 200 Personen an der extra einberufenen Bürgerversammlung teilnahmen und ihre Bedenken zum Ausdruck brachten. Als letzte Chance vor der endgültigen Entscheidung sehen die Betroffenen daher den persönlichen Brief an alle Abgeordneten. Hierin führen sie unter anderem die sächsische Bildungsministerin Brunhild Kurth (CDU) an, die im Januar von einer „deutlichen“ Zunahme der Schülerzahlen der nächsten Jahre in den Ballungs- sowie Mittel- und Oberzentren sprach. „Wurzen ist ein Mittelzentrum“, betonen die Verfasser. Insofern wäre der Abriss der Sternwarte allein schon „politisch nicht vertretbar“. Darüber hinaus belegten die derzeitigen Daten, dass in Wurzen lediglich ein Puffer von 13 Grundschülern bis zur Belastungsgrenze der Fünfzügigkeit existiere.

Ein weiteres Argument: „Ist das Grundstück der Grundschule ,An der Sternwarte’ verkauft und mit Wohnungen bebaut, wäre für den möglichen Bedarf einer dritten Grundschule kein Platz vorhanden.“ Zudem schneide die Verwaltung mit ihrer favorisierten Nord-Variante den Ortsteil Roitzsch vom Stadtgebiet ab. Doch insbesondere hier entwickele sich momentan eine „erfolgreiche Ansiedlung junger Familien“, welche nunmehr einen „herben Stoß“ erhalte. Zur Sprache bringen die Eltern ferner das drohende „Monsterexperiment“ – nämlich den 300-Kinder-Hort im Bildungszentrum Nord. Geklärt sei weder die Machbarkeit dieser Einrichtung noch die völlig offene Betriebserlaubnis, geschweige denn die Trägerschaft oder die Kosten. Auf Unverständnis trifft bei den Autoren nicht zuletzt die Tatsache, dass die Option einer Sanierung der Sternwarte unter den Tisch fällt. Schließlich betonte Oberbürgermeister Jörg Röglin (parteilos), dass es darum gehe, alle Möglichkeiten in Betracht zu ziehen.

Weitaus emotionaler endet der Schluss des Briefes: „Sie, sehr geehrte Damen und Herren Stadträte, haben mit Ihrer weitreichenden Entscheidung am 7. März die Zukunft der Kinder und des Bildungsstandortes Wurzen in Ihrer Hand. Unsere Auffassung zum Thema spiegelt sich überwiegend in der Meinung der Wurzener Bevölkerung wieder. Gerade als Schnellschüsse wahrgenommene Entscheidungen begünstigen Politikverdrossenheit. Zeigen Sie, dass dem nicht so ist, nehmen Sie die Zweifel ernst. Nehmen Sie sich Zeit, die es braucht und die es wert ist, um die beste Lösung für die Kinder zu finden. Und das sind drei Grundschulen.“

Von Kai-Uwe Brandt

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