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Lichtwer-Nachfahre macht wertvolle Handschriften und Bücher zum Geschenk

Museum Wurzen Lichtwer-Nachfahre macht wertvolle Handschriften und Bücher zum Geschenk

Die zwei Pakete aus Ahrensburg bei Hamburg erhielt das Kulturhistorische Museum in Wurzen zwischen den Feiertagen Ende 2015. Inhalt: Mehrere wertvolle Artefakte aus dem Besitz eines Nachfahren von Fabeldichter Magnus Gottfried Lichtwer, der 1719 in der Muldestadt geboren wurde..

Stadtansicht Wurzens: Der Merian-Stich gehört neben zahlreichen Handschriften, wie Brief und Urkunden, zum Inhalt der beiden Pakete aus Ahrensburg bei Hamburg.

Quelle: Kai-Uwe Brandt

Wurzen. Einen „Glücksfall“ nennt Museumsleiterin Sabine Jung die zwei gelben Pakete, die randvoll mit Artefakten gefüllt sind. Adressat des außergewöhnlichen Geschenkes an die städtische Einrichtung in der Domgasse 2 ist Peter Zimmermann aus Ahrensburg bei Hamburg – ein Nachfahre der weit verzweigten Familie von Magnus Gottfried Lichtwer. Der allseits bekannte Fabeldichter und Jurist wurde am 30. Januar 1719 im Haus Domplatz 4, in der Alte Kustodie an der Westseite des Domes, als Sohn des damaligen Rektors der Lateinschule geboren und starb im Alter von 64 Jahren am 7. Juli 1783 in Halberstadt (Sachsen-Anhalt). Noch heute tragen eine Straße und das Gymnasium in Wurzen seinen Namen.

„Das wertvolle Konvolut kam zwischen den Feiertagen Ende 2015 in unseren Besitz“, erzählt Jung und freut sich riesig über das Vertrauen des Spenders. Die Inventarliste über neun Seiten beschreibt allein 73 Exponate, darunter Drucke wie zwei Stadtansichten von Wurzen (Merian-Stiche), Handschriften, Urkunden sowie Bücher, zum Beispiel Fabeln in vier Bänden, 1775 von Lichtwer selbst herausgegeben, und nicht zuletzt diverse Münzen aus Riga von Stadtpfeifer Johann Lichtwer (um circa 1600).

„Wir werden nunmehr den Schatz sukzessive aufarbeiten und ihn dann erstmals zum Tag des offenen Museums der Öffentlichkeit präsentieren“, kündigt die promovierte Kunsthistorikerin an. Ein Glückfall sei die Post schon deshalb, fügt sie an, weil derlei Gaben keineswegs oft vorkommen. „Insofern ist das wie Ostern und Weihnachten zusammen.“ Zimmermann hatte nämlich verschiedene Stücke für das Museum in Torgau vorbereitet und stieß dabei auf Wurzen. Also klingelte er bei Jung an. „Ich kenne Herrn Zimmermann lediglich über Telefon und durch unseren E-Mail-Verkehr.“ Um sich aber bei ihm persönlich zu bedanken, lud ihn die Museumsleiterin persönlich in die Muldestadt ein. Auf eine Zusage wartet sie indes noch.

Doch warum trennte sich Zimmermann, dessen Ururur-Großmutter in die Lichtwer-Familie einheiratete, von den Zeitzeugnissen? „Der Dichter ist durchaus interessant, mein Schwerpunkt liegt hier aber eher in der Genealogie“, teilt der Ahnenforscher mit. Daher interessiere er sich mehr fürs Umfeld und die Vor-
geschichten, „die so viele Kreative und Künstler in unserer Familie erzeugt hat“. Demnach befasste sich der Ahrensburger intensiver mit der Zeit in Belzig (Landkreis Potsdam-Mittelmark), heute Bad Belzig, „da dort zwei Generationen
meiner Ahnen lebten, unter anderem die Fugmanns, die sich als Wiederaufbauer im 17. Jahrhundert hervorgetan haben“. Was Zimmermann bislang recherchierte, komprimierte er in einer umfangreichen Familienchronik, die er zugleich als Abschrift dem Kulturhistorischen Museum in Wurzen übersandte. Mehrere Seiten darin sind dem Vater (1680  – 1721) von Lichtwer gewidmet, der ebenfalls Magnus Gottfried hieß und im Juli 1704 nach Wurzen zog. Zunächst wohnte er in der Liegenbank 2 und bezog dann seine Dienstwohnung am Domplatz 4, wo seine sieben Kinder geboren wurden – als sechstes der spätere Fabeldichter.

Von Kai-Uwe Brandt

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