Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Wurzen Lieder: Ich bin weiter bereit, meinen Job zu machen
Region Wurzen Lieder: Ich bin weiter bereit, meinen Job zu machen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:17 19.05.2015
Will sich erst mal ein Bild von der Situation machen: Beauftragter Andreas Dietze (stehend) leitet seit wenigen Tagen die Gemeindeverwaltung Machern. Die Kompetenzen von Bürgermeisterin Doreen Lieder werden dadurch erheblich beschnitten. Quelle: Andreas Röse

Das wurde bei der jüngsten Sitzung des Gemeinderates deutlich. Der Krankenstand sei enorm gestiegen, deshalb habe der Kreis die Entscheidung getroffen. "Um wieder handlungsfähig zu werden, brauchen wir jemanden, der mir unter die Arme greift", erklärte die 41-Jährige.

Mit dem Entschluss, den ehemaligen Brandiser Bürgermeister Andreas Dietze vorübergehend mit der Leitung der Verwaltung zu beauftragen, zog der Kreis vor Ostern die Notbremse (die LVZ berichtete). Verwaltungsmitarbeiter und Personalrat hatten zuvor immer wieder massive Beschwerden über den Führungsstil der Ortschefin vorgebracht. "Die Entscheidung des Landratsamtes ist für mich eine bittere Wahrheit und Realität", meinte Doreen Lieder am Montagabend vor vollen Rängen im Rathaussaal. "Möglicherweise ist Herr Dietze eine Chance, die Probleme zu lösen", so die in ihren Kompetenzen beschnittene Ortschefin. "Ich bin auf jeden Fall weiter bereit, meinen Job zu machen", erklärte Doreen Lieder unter dem Applaus etlicher Bürger.

Seit dem Erlass aus dem Hause Gey darf die erst im Vorjahr ins Amt gewählte Juristin nur noch politische und repräsentative Aufgaben wahrnehmen. Dazu zählt unter anderem die Leitung des Gemeinderates oder das Überbringen von Glückwünschen. In der Verwaltung selbst hat nur noch Dietze das Sagen.

"Wir haben einen zweiten Bürgermeister übergestülpt bekommen, können wir uns den überhaupt leisten?", fragte ein Macherner an. Lieder bestätigte, dass die Kosten für den Beauftragten zu Lasten der Gemeinde und damit der Macherner Bürger gehen. 20 000 Euro haben Coaching und Mediation bereits verschlungen. Der Beauftragte könnte jetzt noch einmal bis zu 30 000 Euro kosten, war zu vernehmen.

Dietze, der an einem kleinen Nebentisch Platz genommen hatte, erklärte nach einer knappen Woche im Amt, er könne natürlich keine Wunder vollbringen. "Bis 31. Oktober bin ich vorerst durch das Landratsamt als Beauftragter bestellt", berichtete der 55-Jährige. Dietze war 22 Jahre als Bürgermeister - zuerst in Beucha, zuletzt in Brandis - tätig. Nun ist die Kreisbehörde vorübergehend sein neuer Arbeitgeber. "Ich gehe ohne Emotionen an meine Aufgabe heran", versicherte der Parteilose. Noch sei es zu früh, irgendwelche Statements abzugeben. "Ich muss mir erst mal ein Bild über die Sachlage machen", bat der Beuchaer um Verständnis.

Wohin die Reise geht, sei schwierig zu sagen, hielt sich Andreas Dietze mit Prognosen zurück. "Meine Aufgabe ist erfüllt, wenn es wieder zu einer konstruktiven Arbeit innerhalb der Verwaltung kommt und Frau Lieder möglicherweise weiterarbeiten kann. Es kann aber auch sein, dass das Tischtuch zwischen ihr und den Mitarbeiter zerschnitten bleibt." Auf Dietze geht laut Bescheid die volle Handlungs- und Vertretungsbefugnis des Gemeindeorgans Bürgermeister über. Konsequenzen aus der aktuellen Situation könne er allerdings niemandem androhen: "Dazu muss sich auch der Gemeinderat äußern."

Das Unbehagen der Bürger darüber, dass sich Machern nun eine Doppelspitze leisten muss, entlud sich interessanterweise nicht an Doreen Lieder, sondern dem vom Kreis bestellten Beauftragten. "Was Sie hier vorbringen, kann mich ehrlich gesagt nicht überzeugen", zog sich Dietze unter anderem die Kritik des Macherners Gunter Bauer zu. Daraufhin sah sich unter anderem Gemeinderat Klaus Zaspel (CDU) veranlasst, Dietze sogar in Schutz zu nehmen: "Es ist für uns alle eine neue Situation. Heute hat sich der Gemeinderat das erste Mal mit dem Beauftragten ausgetauscht. Bei seiner Aufgabe möchten wir Herrn Dietze auf jeden Fall zur Seite stehen", so der Vize-Bürgermeister.

Auch Gemeinderat Florian Woitek (CDU-Fraktion) fügte sich in die Bestellung des Beauftragten. "Offenbar hat das Landratsamt nach den letzten zwölf Monaten kein milderes Mittel gesehen, um eine ordnungsgemäße Verwaltung zu sichern." Durch diese Maßnahme gelinge es hoffentlich, den Krankenstand wieder zurückzuführen. Mit knapper Mehrheit beschloss der Gemeinderat schließlich, auf Rechtsmittel gegen die Bestellung des Beauftragten zu verzichten. Auch Wilfried Pohle (CDU) sah darin eine Chance, dass man endlich wieder einen klaren Fahrplan habe - vorerst bis Ende Oktober.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 30.04.2014
Simone Prenzel

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Sie kam wegen "In aller Freundschaft". Doch sie kam auch aus alter Freundschaft. Mehr noch. Sie war wieder hier, in ihrem Revier, wie es Marius Müller-Westernhagen in einem Liedtext ausdrückt.

19.05.2015

Gegen die Absage der Gemeinderatswahl durch das Landratsamt wird die Kommune rechtliche Schritte einleiten. Damit folgt man nicht zuletzt der Empfehlung von Landrat Gerhard Gey (CDU), der zur Verblüffung aller dem Rat am Donnerstagabend persönlich empfahl, die Entscheidung seines Hauses überprüfen zu lassen.

19.05.2015

Das Landratsamt sah sich im Vorfeld der heutigen Sondersitzung noch einmal veranlasst, Beweggründe der Wahlabsage und deren Folgen darzulegen. Zunächst räumte Rechtsamtsleiter Klaus-Thomas Kirstenpfad eine offenbar entstandene Irritation aus: "Die Wahlabsage hat nicht zur Folge, dass das gesamte wahlvorbereitende Verfahren neu durchzuführen ist.

19.05.2015
Anzeige