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Wurzen Machbarkeitsstudie soll Zukunft des Beuchaer Kulturhauses zeigen
Region Wurzen Machbarkeitsstudie soll Zukunft des Beuchaer Kulturhauses zeigen
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00:30 25.02.2018
Seit Jahrzehnten im Dornröschenschlaf: das Kulturhaus Beucha. Quelle: Foto:
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Brandis/Beucha

Mit einer Machbarkeitsstudie sollen Möglichkeiten für die Umnutzung des ehemaligen Kulturhauses Beucha und eine kulturelle und touristische Neuausrichtung untersucht werden. Der Technische Ausschuss des Brandiser Stadtrates vergab den Auftrag dafür in seiner Sitzung am Dienstag an das Landschaftsarchitekturbüro Knoblich aus Zschepplin. Dieses hatte von drei angefragten Büros das mit 48 000 Euro günstigste Angebot unterbreitet. Wie Bauamtsleiterin Kerstin Quandt informierte, wurde der Stadt dafür über das Leaderprogramm eine 60-prozentige Förderung bewilligt. Der Kulturhausverein Beucha hatte einen entsprechenden Antrag angeregt.

Untersuchung ist ergebnisoffen

Die Studie, so wurde im Ausschuss betont, sei ergebnisoffen. Sie könne auch zeigen, dass das Haus überhaupt nicht kostendeckend erhalten und genutzt werden kann. Knut Wiesner, als sachkundiger Bürger im Ausschuss sitzend, hatte zuvor darauf hingewiesen, dass das Kulturhaus zwar mit seiner Lage vis-a-vis vom Bahnhof, an der Bahnstrecke Leipzig-Grimma und der Buslinie, „ein Superobjekt“, aber trotzdem „ein Grab“ sei. „Es ist verbaut, für eine Nutzung müsste man einen kostenintensiven Umbau vornehmen.“ Vereinsvorsitzender Detlef Anders sowie Ralph Gertler und Wolfgang Fichte vom Vorstand, die auf den Zuschauerstühlen saßen, hätten zu Fragen Auskunft geben können. Allerdings sieht das die Geschäftsordnung für den technischen Ausschuss nicht vor. Zum Beispiel zum Zuschnitt: „Das ist Ansichtssache“, meint Anders auf Nachfrage der LVZ. Auch die Substanz sei „im Grunde gut“, auch weil nach der Wende noch das Dach in Ordnung gebracht wurde.

Das Kulturhaus ist vom langen Leerstand gezeichnet. Quelle: Ines Alekowa

Das Gebäude wurde zwischen 1920 und 1930 als Gaststätte „Feldschlösschen“ erbaut, später beinhaltete es Café und Kino. Seit 20 Jahren steht das Objekt leer und ging nach etlichen Eigentümerwechseln vor zehn Jahren in Eigentum der Stadt Brandis über. „Das war der Anlass, sich Gedanken über seine Zukunft zu machen“, sagt Anders. 2015 gründete sich zu diesem Zweck schließlich der Kulturhausverein.

Bis Jahresmitte soll das Büro Knoblich die Studie vorlegen. Sie wird unter anderem eine Standortanalyse beinhalten – von vorhandenen lokalen Freizeitangeboten bis zur Verkehrsanbindung. Der Bedarf soll geprüft und zur Ideensammlung auch zu Gesprächsrunden mit Bürgern, Vereinen, Unternehmen, Stadtverwaltung und regional interessierten Veranstaltern eingeladen werden. Des Weiteren wird der Sanierungsbedarf ermittelt, ein Raumkonzept erstellt und schließlich auf die entscheidende Frage der Finanzierung baulicher Veränderungen und Unterhaltungskosten eingegangen.

Exposé mit einigen Ideen

Das Ingenieurbüro kann dabei auf ein bereits von Anders 2016 erarbeitetes und im Mai 2017 schon mit Knoblich ergänztes Exposé zurückgreifen. Darin hat der aktuell 30 Mitglieder zählende Verein bereits einige Ideen dargelegt. „Das Kulturhaus kann zum Beispiel ein Beginn für die touristische Erkundung rund um die Bergkirche mit ihrem Kirchbruch sein. Des Weiteren könnte die Einrichtung eines Besucherzentrums für den Geopark Porphyrland sowie eine Tourist-Information mit einem arbeitsfähigen Akteursnetzwerk hergestellt werden.“ Immerhin ist Beucha mit seinen 3300 Einwohnern als das Dorf der Steine bekannt, aus dem der Granitporphyr für das Völkerschlachtdenkmal stammt. Die Vereine könnten von einem Angebot an Räumen profitieren. „Der Heimatverein hat seit zehn Jahren kein Dach überm Kopf, wir haben unsere Sachen in mehreren Kellern untergestellt“, erzählt Vorsitzende Brigitte Süptitz, die den Heimatverein im Kulturhausverein vertritt. Abendveranstaltungen, Tanz, Fasching und Ähnliches stellen angesichts des großen Saales für 220 Personen ein weiteres Nutzungspotential dar.

Erinnerungen an Blütezeit

Dass kulturelle Offerten dankbar angenommen werden, hatte ein Kino-Openair vergangenen Sommer am Kulturhaus gezeigt. „Man hat das Gefühl, die Beuchaer stehen schon in den Startlöchern“, sagt Gertler. Viele der Besucher hätten sich an die Blütezeit des Hauses erinnert, manche dabei Tränen in den Augen gehabt. „Pro Jahr hatten wir 55 000 Besucher, bis 20 000 allein im Kino“, erinnert sich Süptitz, die das Kulturhaus 1981 bis 1984 geleitet hatte. „Es fanden Veranstaltungen wie Tanz für Ehepaare und Disco statt.“ „Aber wir wollen nicht die alte Geschichte aufwärmen“, sagt Anders. „Wichtig ist, das Haus zu erhalten, es mit Leben zu erfüllen und uns dabei breit aufzustellen.“ Fichte ist zuversichtlich, dass sich ein belastbares Konzept findet: „Denn es gibt in der Region eine Reihe ähnlicher Objekte, wie den Kuhstall in Großpösna.“ Süptitz jedenfalls verbindet mit der Wiederbelebung des Kulturhauses ein ganz persönliches Ziel: „In neun Jahren möchte ich hier meine Diamantene Hochzeit feiern.

Von Ines Alekowa

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