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Machern: Rathaus-Krise belastet ganze Familien

Machern: Rathaus-Krise belastet ganze Familien

Wie sehr Mitarbeiter im Macherner Rathaus unter den Launen ihrer Chefin leiden, haben die Bediensteten in einem persönlichen Brief an Landrat Gerhard Gey (CDU) bereits geschildert (LVZ berichtete).

Machern. Jetzt suchen erstmals Angehörige der Betroffenen die Öffentlichkeit und fordern die Verantwortlichen auf, zu handeln.

Dass sich 20 Rathaus-Mitarbeiter dem Chef der Kreisverwaltung anvertrauen, war schon ein außergewöhnlicher Vorgang. Jetzt melden sich auch noch betroffene Familienangehörige zu Wort und erhöhen damit den Druck auf die Aufsichtsbehörden. "Als betroffene Angehörige haben wir nicht nur das Recht, sondern auch die moralische Pflicht, uns nach der Darstellung von Frau Lieder in der LVZ vom Mittwoch, 26. März, zu äußern." Die Macherner Bürgermeisterin, die wegen ihrer Amtsführung zunehmend in der Kritik steht, hatte die Schilderungen von Bediensteten als "Unterstellungen" bezeichnet. Die Mitarbeiter hatten gegenüber Gey berichtet, dass täglich Druck auf sie ausgeübt, Drohungen und persönliche Beleidigungen ausgesprochen und Angestellte vorgeführt würden. Nach einem Tag Coaching sei die Rathauschefin besonders aggressiv. Lieder hatte es auf LVZ-Nachfrage abgelehnt, konkret zu den angesprochenen Fakten Stellung zu nehmen. Aus datenschutzrechtlichen Gründen, so die 41-Jährige, werde sie sich nicht öffentlich äußern. Als Parteilose hatte die Machernerin im Vorjahr für die CDU das Rathaus erobert.

Das Bekanntwerden des Schreibens an den Landrat, so die Angehörigen gegenüber LVZ, sei indes "nur die Spitze des Eisbergs". Vizebürgermeister Robert Steinbauer (CDU) habe Recht, wenn er von einem "Klima der Angst und Enttäuschung" spreche, das derzeit im Macherner Rathaus herrsche. Die täglichen Probleme am Arbeitsplatz würden sich auch massiv in den Familien widerspiegeln. "Wesensveränderungen wie totale Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit und Angstzustände prägen in vielen betroffenen Familien das Zusammenleben. Wie sich die Angstzustände niederschlagen, zeigt sich unter anderem darin, dass einige Mitarbeiter Bedenken haben, dass wir uns in dieser Form zu dem Artikel äußern." Hinter dem Wir stehen 14 Angehörige, von denen sich allerdings keiner zitieren lassen will - aus Angst vor Konsequenzen.

Die Ehepartner nehmen kein Blatt mehr vor den Mund: "Kurz nach dem Amtsantritt der Bürgermeisterin waren Bemerkungen wie ,Ich weiß, wer Ihnen zu dieser Stelle verholfen hat' oder ,Wer nicht für mich ist, mit dem weiß ich umzugehen' an der Tagesordnung. Auch der Begriff Eliminierung soll dabei gefallen sein." Gemäß Duden bedeute dieser Begriff "Beseitigen". Nach Meinung der Angehörigen sei nur diese eine Bemerkung Aufhänger genug, "um diese Person in diesem Amt in Frage zu stellen. Wie muss man sich eine Eliminierung unter der Führung von Frau Lieder vorstellen? Wenn der Betroffene Glück hat, wird er nur so lange gemobbt, bis er psychisch krank aufgibt oder kommt, wenn das nicht funktioniert, die endgültige Beseitigung? Der bereits sehr hohe und vermutlich weiter steigende Krankenstand lassen Schlimmes vermuten." Als einen Grund sehen die Verwandten den persönlichen Umgang der Bürgermeisterin mit den Beschäftigten. Ursache seien wohl weniger, wie von Doreen Lieder dargestellt, Strukturprobleme, sondern vielmehr der Umgang mit dem Personal.

Wie verzweifelt die Angehörigen sein müssen, lässt ihr Statement erahnen: "Für uns entsteht der Eindruck, dass noch mehr Angestellte körperlich und seelisch vor die Hunde gehen müssen, um Reaktionen gegen die Bürgermeisterin erwarten zu können. Die Schmerzfähigkeit der Gemeindeangestellten scheint so hoch zu sein, dass man sie öffentlich denunzieren sowie beleidigen kann, und die teilweise über 20 Jahre erworbenen Fach- und Sachkenntnisse nicht anerkannt werden. Das Schreiben an den Landrat ist die besagte Spitze des Eisbergs. Wie oft und wie umfangreich müssen die Bediensteten die Tatsachen noch auf den Tisch legen, um Gehör zu finden?" Die Angst bei den Mitarbeitern, heißt es weiter, sei teilweise so groß, dass sie eher weitere Repressalien in Kauf nehmen als ihre Rechte einzuklagen.

Auf Nachfrage erklärte das Landratsamt, dass sich Gerhard Gey zu einem persönlichen Gespräch mit der Belegschaft treffen werde, so Sprecherin Brigitte Laux. "Die Bitte des Landrates war, mit dem Gespräch bis Ende April zu warten, da gerade solche Maßnahmen wie Coaching und neue Ämterstruktur etwas Zeit brauchen, um zu wirken."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 03.04.2014
Simone Prenzel

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