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Wurzen Machern: Rathausmitarbeiter wehren sich gegen Vorwürfe
Region Wurzen Machern: Rathausmitarbeiter wehren sich gegen Vorwürfe
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14:24 19.05.2015

Zu Unrecht, wie die 41-Jährige immer wieder betont. Zuletzt heizte ein Flugblatt von SPD-Gemeinderat Michael Bachmann die Diskussion an. Den Rathausmitarbeitern wird darin "kollektive Arbeitsverweigerung" vorgeworfen. Bachmann hatte die These aufgestellt, dass eine Handvoll Mitarbeiter auf ihre Art versuche, das Ergebnis der Bürgermeisterwahl zu korrigieren.

Die pauschale Kritik an der Verwaltung trifft den Nerv etlicher Macherner. Doch ist sie gerechtfertigt, fragen sich Beobachter. Wird zu recht auf Mitarbeiter mit dem Finger gezeigt und ihnen unterstellt, sie würden eine vom Volk gewählte Bürgermeisterin loswerden wollen?

Die Mehrheit der Angestellten setzt sich jetzt gegen die erhobenen Vorwürfe zur Wehr. 19 von 23 Mitarbeitern schildern in persönlichen Briefen ihre Sicht der Dinge. Adressaten: alle 16 Gemeinderäte. Kopien der Schreiben gingen auch an den Landrat. Teilweise sehr ausführlich wird über Erfahrungen seit dem Amtsantritt von Doreen Lieder berichtet.

Tenor: Der hohe Krankenstand und der Personalschwund seien von der Bürgermeisterin selbst provoziert worden. Ihre "unstrukturierte Arbeitsweise", gepaart mit einem "grenzenlosen Misstrauen" gegenüber den Beschäftigten, hätten die Verwaltung gelähmt. Frau Lieder habe die Mitarbeiter mit stundenlangen Gesprächen von der Arbeit abgehalten. Die Rede ist auch von Demütigungen, denen sich einzelne Angestellte ausgesetzt sahen. Einige Kollegen seien regelrecht zusammengebrochen.

Frau Lieder habe in dieser Ausnahmesituation keine zusätzlichen Aufgaben übernommen. Stattdessen sei von ihr die Aufforderung an Einzelne gekommen, in Ungnade gefallene Kollegen zu diskreditieren. Begriffe wie "gestörte Wahrnehmung" und "Selbstverliebtheit" fallen im Zusammenhang mit der Ortschefin. Doreen Lieder werde ihren eigenen ethischen Ansprüchen nicht gerecht, heißt es an anderer Stelle. Betont wird, dass die Verwaltung nach der Wahl motiviert und bereit gewesen sei, mit Frau Lieder neue Wege zu gehen. Doch der Umgang der Ortschefin mit den Mitarbeitern sei zunehmend von persönlichen Anschuldigungen, fachlich nicht gerechtfertigten Vorwürfen und Unterstellungen geprägt gewesen. Der Vorwurf der "kollektiven Arbeitsverweigerung" wird von den Mitarbeitern als boshaft und anmaßend zurückgewiesen. Fassungslos macht die Bediensteten, dass über sie geurteilt werde, ohne die Details zu kennen.

Seit der vom Landrat eingesetzte Beauftragte Andreas Dietze an der Spitze stehe, habe sich das Klima im Rathaus deutlich verbessert. "Man kommt wieder ohne Angst auf Arbeit", erklärt eine Angestellte. Klare Ansagen, keine ellenlangen Vorträge, Kollegen, die sich ernst genommen fühlen und auch mal wieder lächeln können - so wird die Situation beschrieben.

Der Gemeinderat reagiert auf die 19 Briefe mit der üblichen Herangehensweise an die Rathaus-Krise: Er schweigt. Von den im Ortsparlament vertretenen Parteien und Gruppierungen gibt es keinerlei Statements. Die Orts-CDU ist mit sich selbst und ihrem Wiedereinzug in den Gemeinderat beschäftigt. Die SPD - klein an Mitgliedern, dafür aber groß an Meinungsverschiedenheiten - hüllt sich ebenso in Schweigen. Die Freie Wählergemeinschaft hat keine Lust, als erste vorzupreschen. Die Macherner Linkspartei? Brachte bei der jüngsten Ratssitzung kein Wort über die Lippen. Und die FDP? Sagt ohnehin nie etwas. - Die Devise bei allen lautet: Wegducken, das Rathaus-Dilemma ja nicht zum Wahlkampf-Thema werden lassen. Und der Presse möglichst keinen Anlass für weitere Berichte bieten.

Dabei stellen die Erklärungen fast der kompletten Rathaus-Belegschaft in den Augen von Beobachtern eine neue Qualität dar. Der Landkreis hatte bereits im April die Notbremse gezogen und der Gemeindechefin mit dem ehemaligen Brandiser Bürgermeister Andreas Dietze (parteilos) einen Beauftragten vor die Nase gesetzt. Damit wurde der 41-Jährigen, die erst seit einem Jahr im Amt ist, die Verwaltung entzogen. Lieder, die derzeit krank ist, darf nur noch den Gemeinderat führen und repräsentative Aufgaben erledigen. Wenigstens einen Erfolg glaubt die Ortschefin in jüngster Zeit für sich zu verbuchen: Ihr Büro hat sie vorerst nicht geräumt.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 14.06.2014
Simone Prenzel

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