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Wurzen „Machern braucht einen Neuanfang“
Region Wurzen „Machern braucht einen Neuanfang“
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21:07 03.12.2018
Andreas Dietze hat derzeit im Macherner Rathaus das Sagen. Quelle: Simone Prenzel
Machern

 Landrat Henry Graichen (CDU) hat die Reißleine gezogen und in Machern einen Beauftragten eingesetzt. Die Verwaltung könne in verschiedenen Bereichen ihre Pflichtaufgaben nicht mehr erfüllen, so der Kreischef. Wie bereits 2014 wurde der ehemalige Brandiser Bürgermeister Andreas Dietze eingesetzt, um die Verwaltung wieder auf Vordermann zu bringen.

Buergermeisterin Doreen Lieder ist seit Mai erkrankt. Quelle: Thomas Kube

Dietze führt die Geschäfte von Doreen Lieder

Frage: Herr Dietze, können Sie Ihre Aufgabe noch einmal umreißen?

Andreas Dietze: Laut Bescheid des Landratsamtes bin ich für alle der Bürgermeisterin obliegenden Aufgaben zuständig, die in Paragraph 53 der Sächsischen Gemeindeordnung geregelt sind. Dies beinhaltet die sachgemäße Erledigung der Aufgaben der Gemeinde Machern und die Regelung der inneren Organisation. Mir obliegen alle Geschäfte der laufenden Verwaltung und die einem Gemeindeoberhaupt sonst zufallenden Aufgaben.

Karsten Frosch fungiert als erster Stellvertreter der Bürgermeisterin. Welche Aufgaben fallen in sein Ressort?

Er leitet zum Beispiel die Gemeinderats- und Ausschusssitzungen. Wir stimmen uns sehr eng ab. Die Zusammenarbeit klappt gut.

Machern hat einen gravierenden Personalnotstand

Für Sie ist das
Macherner Rathaus kein Neuland
, schon 2014 durften Sie auf Anordnung des damaligen Landrates Gerhard Gey Feuerwehr spielen, weil die Verwaltung unter Führung von Bürgermeisterin Doreen Lieder am Boden lag. Wie schlimm ist es diesmal?

Die personellen Probleme sind gravierend. Auf Grund von Kündigung und Vorruhestand sind etliche Stellen vakant, so dass viel Arbeit liegengeblieben ist. Hinzu kommt, dass es bei meinem Eintreffen keine klare Aufgabenzuteilung gab, so dass es oft zu Reibungsverlusten innerhalb der Verwaltung kam.

Was ist anders als 2014?

Diesmal sind gleich am ersten Tag alle mit ihren Problemen auf mich eingestürmt. Vor vier Jahren gab es noch ein erstes Abtasten. Das konnten wir uns jetzt schenken. Schließlich besteht bei dem Thema eine gewisse Routine.

Dietze war Wunschkandidat für Machern

Was hat Sie bewogen, ein zweites Mal den Retter in der Not zu spielen?

Ich habe mich nicht beworben, wenn Sie das meinen. Macherner Gemeinderäte sind auf mich zugekommen – ich war quasi ihr Wunschkandidat. Auch die Mitarbeiter haben wohl nicht die schlechtesten Erinnerungen an meinen Einsatz 2014. Und auch Landrat Henry Graichen sah keine andere Lösung, als Machern jemanden mit Verwaltungserfahrung zur Seite zu stellen.

Was ist anders als 2014, als Ihnen nicht unbedingt die Sympathien der Macherner Bürger und insbesondere der damaligen Unterstützer von Bürgermeisterin Doreen Lieder zuflogen?

Irgendwelche Vorbehalte kann ich aktuell nicht erkennen. Auch die Gemeinderäte – und zwar Vertreter aller Fraktionen und Gruppierungen – haben zur Einsetzung eines Beauftragten keine Alternative gesehen und dem Schritt zugestimmt.

Bürgeramt ist große Baustelle in Machern

Landrat Henry Graichen spricht von erheblichen strukturellen und personellen Missständen in der Gemeindeverwaltung, die ihn zum Handeln gezwungen haben. Was hat man sich darunter konkret vorzustellen?

Wie gesagt, personell liegt einiges im Argen, was in meinen Augen Ergebnis einer jahrelangen unstrukturierten Arbeitsweise ist. Eine große Baustelle ist das Bürgeramt, das seit 2013 nicht kontinuierlich geführt wird, vier Amtsleiter hat Machern hier kommen und gehen sehen.

Vier?

Ja, die letzte Mitarbeiterin hat das Rathaus ebenfalls wieder verlassen. Wir haben die Stelle bereits ausgeschrieben. Auch drei weitere Stellen sind derzeit noch vakant. Im Moment müssen wir personell improvisieren, was natürlich bedeutet, dass man wieder neue Löcher reißt.

Defizit bei Kitaplätzen

In welchen Bereichen sind die Defizite am größten?

Aktuell brennt uns das Thema Kita-Plätze auf den Nägeln. Dass Machern hier auf entsprechende Aufforderungen des Kreises nicht reagiert hat, war einer der wesentlichen Gründe, warum ich heute hier sitze. Zweite Baustelle ist der Sportpark Tresenwald. Hier hatte ich bereits 2014 angeregt, das Thema grundlegend anzupacken. Inzwischen ist die Situation so verfahren, dass die Einrichtung führungslos ist und nur im Notbetrieb läuft. Hier muss dringend etwas passieren, aber das wissen die Gemeinderäte selbst zur Genüge.

Sie haben inzwischen sowohl mit den Rathaus-Mitarbeitern als auch den Abgeordneten getrennte Workshops veranstaltet. Mit welchem Ergebnis?

Erstaunlicher Weise sehen alle die gleichen Probleme und Aufgaben, ohne dass diese in der Vergangenheit angepackt wurden. Das Thema Kita brennt allen auf den Nägeln, dazu muss es zeitnah eine Entscheidung geben. Allerdings ist auch klar, dass man die geforderten reichlich 30 Plätze nicht so einfach aus dem Ärmel schütteln kann. Außerdem hegen Rat und Mitarbeiter teilweise ein gegenseitiges Misstrauen, das man wieder überwinden muss. Alle eint außerdem die Erkenntnis, dass es in der Zusammenarbeit einen Neuanfang braucht.

Machern zahlt Reichensteuer

Pleite scheint Machern aber nicht zu sein.

Kameralistisch steht die Gemeinde gut da und muss sogar Reichensteuer zahlen. In der Doppik sind aber Abschreibungen zu erwirtschaften. Das Problem: Seit Jahren fährt Machern quasi ohne Rückspiegel, seit 2013 gibt es keine Jahresabschlüsse mehr. Die können wir nicht im Pilgerschritt nachholen, da müssen notfalls Externe her, auch wenn das eine Stange Geld kostet.

Vorerst sind Sie bis 31. März 2019 vom Landrat eingesetzt. Kann sich an dieser Zeitspanne noch etwas ändern?

Das müssen Sie den Landrat fragen. Er allein entscheidet, ob es mit dieser Frist getan ist.

Haben Sie selbst weitere politische Ambitionen in Machern?

Um Gottes Willen, nein. Ich will meine Zeit hier auch so kurz wie möglich halten.

Von Simone Prenzel

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