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Macherner Erdbeere lernt das Laufen

Macherner Erdbeere lernt das Laufen

Eine schaute zur Maskottchen-Premiere auf dem Markt besonders kritisch hin: Christiane Kirst. Die Machernerin hatte die knifflige Aufgabe, das Erdbeerkostüm zu schneidern.

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Von Macherner Kindern umringt: Das Festmaskottchen meisterte seinen ersten öffentlichen Auftritt mit Bravour.

Quelle: Thomas Kube

"Vor allem kam es darauf an, die typische Erdbeerform zu gestalten, ohne dass alles schlapp herunterhängt." Auf Erfahrungen konnte Christiane Kirst zurückgreifen. "Für eine Schulklasse hab' ich schon einmal Theaterkostüme genäht." Aber den Hingucker zur 1000-Jahr-Feier in Form zu bringen, das war schon noch einmal etwas Besonderes. Ein Schnittmuster gab es nicht, auch keine Bastelanleitung. Dass die Erdbeere für ihr Schaulaufen aber glatt Haltungsnoten von 6,0 bekommen hätte, dafür sorgte ein Trick: "Um die Schultern habe ich eine Gummimatte und zur Verstärkung noch Stahlstangen verklebt", berichtete die Schöpferin. So sei eine stabile Grundform entstanden. Für das leuchtende Erdbeer-Rot wurden rund fünf Meter Pannesamt vernäht. Weil der Träger auch noch Luft bekommen muss und es zur Festwoche vom 15. bis 21. Juni vermutlich warm wird, sollte das Kostüm auch sommerlich leicht sein. Lob gab es zum ersten Schaulaufen ebenso für die Macherner Pyramide, die die rote Erdbeere krönt. Die Kopfbedeckung wurde aus gelbem Filz gefertigt und wird von innen durch eine zusätzliche Konstruktion gehalten. "Schließlich darf der Hut nicht wackeln", erklärt Christiane Kirst. Auch ein Schlitz für den besseren Durchblick wurde gelassen. Die wenigste Mühe machten die grünen Blätter, die nur in Form geschnitten wurden. Zum Gemeinschaftswerk wurde das Macherner Früchtchen durch Dutzende kleine Erdbeerpunkte. "Sie wurden alle von den Macherner Strickfrauen in liebevoller Kleinarbeit gehäkelt", weist Christiane Kirst auf die fleißigen Helfer hin.

Wie viele Arbeitsstunden sie an dem Macherner Werbebotschafter gesessen hat, kann die Schneiderin nicht sagen. "Auf jeden Fall haben meine Kinder regen Anteil genommen, denn sie mussten immer wieder für die Anproben herhalten." Der schönste Moment war, den lachenden Mund und die lustigen Augen aufzukleben. "Da war ich selbst ganz hin und weg", gesteht die Hobby-Schneiderin, die beruflich als Kundenberaterin bei einer Bank arbeitet. Kulinarisch wurde die Premiere vom Tresenwald flankiert. "Wir kredenzen heute Erdbeer-Tiramisu und leckere Milchshakes", verrieten Kathrin Fuchs und Ghita Strehle. Auch Heinz-Jürgen Schönherr, Ideengeber für das Maskottchen, war ganz angetan. "Der Einfall, an die Macherner Erdbeertradition zu erinnern, kam mir beim Frühschoppen", berichtete der 71-Jährige. Sein Schwiegervater habe schon zu DDR-Zeiten Erdbeeren in Machern in der Nähe des heutigen Schlossblicks angebaut, die bis nach Leipzig verkauft wurden. "Ein Funktionär hat zu DDR-Zeiten mal ewig nach Erdbeeren angestanden. Danach kam plötzlich die Anweisung, überall riesige Erdbeerplantagen anzulegen", erinnert sich der Senior. Er freue sich sehr, dass sein Entwurf nun auf so charmante Weise umgesetzt wurde. 2000 Stück der Erdbeer-Maskottchen wollen die Macherner zur 1000-Jahr-Feier unters Volk bringen. Knut Lesser gehörte zu den ersten Käufern. Für Tochter Finja (7) und Sohnemann Iven (2) griff der Vater gern zur Geldbörse und erstand die Kuscheltiere.

Unterm Kostüm steckt übrigens Max Helmschmidt. Der 14-Jährige meisterte sein erstes Fotoshooting mit Bravour und trug auch ganz tapfer eine rote Strumpfhose. In der Jubiläumswoche und zum Festumzug am 21. Juni dürfte der Schüler eine wahrlich tragende Rolle spielen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 04.06.2015
Simone Prenzel

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