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Macherner Hirschgarten vor ungewisser Zukunft

Macherner Hirschgarten vor ungewisser Zukunft

Fordert der Sparzwang in Machern sein nächstes Opfer? Nachdem düstere Wolken über der Gemeindebibliothek aufgezogen sind, ist auch der historische Hirschgarten im Schlosspark ins Visier der Gemeindeverwaltung geraten.

"Wir sorgen uns ernsthaft um die Zukunft dieses beliebten Aushängeschildes", machte Johanna Hanspach, Vorsitzende des Fördervereins Schloss und Landschaftsgarten, ihrem Ärger Luft. "Für andere Sachen ist Geld da, ich erinnere nur an das Konflikt-Coaching der Bürgermeisterin für 20 000 Euro, und auch der zwischenzeitlich eingesetzte Beauftragte des Landrates war mit 18 000 Euro nicht billig." Den Hirschgarten hingegen wolle man wegen weitaus geringerer Beträge aufs Spiel setzen. Auf der jüngsten Ratssitzung brachten etliche Bürger auch ihr Unbehagen zum Ausdruck, dass der Schulhof für eine halbe Million Euro saniert werden soll, vieles andere aber liegen bliebe.

Der Herz der Macherner hängt vor allem an ihrem Landschaftspark. Als sich die Kommune vor Jahren wagte, über den Einsatz von Schafen als billige Rasenmäher nachzudenken, brach ein Sturm der Entrüstung los. "Von ähnlichen Protesten können Sie ausgehen, wenn der Hirschgarten geschlossen werden sollte", demonstrierte Hanspach Entschlossenheit. Der Verein war es, der das Tiergehege 1998 nach historischem Vorbild wiedereröffnete. Bereits 1795 hatte Graf Carl Heinrich August von Lindenau Rehe und Hirsche in seinem Macherner Gartenreich angesiedelt. "Es gibt nicht viele Gemeinden, die so eine Sehenswürdigkeit ihr Eigen nennen", gab die Vorsitzende zu bedenken. Jahrelange Bemühungen, das Schaugatter für Spaziergänger zu erhalten, würden nun womöglich konterkariert. Was Einsparungen anbelangt, die sich die Gemeinde offenbar erhofft, klärte Hanspach auf: "Die Hirsche kosten schon mal nichts; das Futter zahlt der Förderverein; die Gemeinde muss lediglich 1440 Euro für den Tierpfleger aufbringen." Diese Summe einzusparen, stehe in keinem Verhältnis zum Schaden, den die Schließung anrichten würde.

Offen blieb, wie bei etlichen anderen Punkten an diesem Abend, wie Bürgermeisterin Doreen Lieder (parteilos) die Lage beurteilt: "Es gab eine Person, die diesen Spar-Vorschlag gemacht hat", meinte sie nur kurz. Für die CDU ergänzte zumindest Thomas Reißaus, dass man zum Hirschgarten stehe. Auch unter etlichen Gemeinderäten hat sich Frust angestaut, was mehrfach in der zweistündigen Sitzung deutlich wurde. Vor allem belastbare Zahlen zur Finanzlage werden vermisst. "Wir leisten uns einen finanzwirtschaftlichen Blindflug", kritisierte Uwe Richter (Freie Wählergemeinschaft). Als Gemeinderat hätte er endlich die Abschlüsse der Jahre 2013 und 2014 auf dem Tisch. Gunter Bergt (Linke) klagte, dass die Kämmerei den derzeitigen Schuldenstand nicht exakt darlegen wolle, trotz nachdrücklicher Bitte. Dem schloss sich CDU-Frau Petra Puttkammer an: "Auch unsere Fraktion hat dazu schon vor Wochen angefragt. Ohne Ergebnis." Doreen Lieder konnte keine erschöpfenden Auskünfte zu den aufgeworfenen Fragen geben. Sie werde die Anliegen an die Fachämter weiterleiten.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 23.09.2015

Simone Prenzel

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