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Macherner Maschinenbauer will Brandiser Krause-Duo als e-Mobil salonfähig machen

Elektromobilität Macherner Maschinenbauer will Brandiser Krause-Duo als e-Mobil salonfähig machen

Am 1. April scherzte die LVZ, dass das legendäre Krause-Duo aus Brandis als Elektromobil eine Neuauflage erfahren soll. Ein paar Tage später meldete sich Matthias Schmitz, der den Scherz bierernst nimmt: Der Macherner plant ein Krause-Duo 2.0 tatsächlich.

Matthias Schmitz in einem in China produzierten Prototypen des neuen Krause-Duos als Elektromobil.

Quelle: Nathalie Helene Rippich

Machern/Brandis. Anfang April war eine Neuauflage des kultigen Krause-Duo, das zu DDR-Zeit in Brandis gebaut wurde, für Ingo Graupner nur ein Aprilscherz. Doch kurz nachdem der Artikel dazu in der LVZ erschienen war, klingelte bei ihm das Telefon. Am anderen Ende: Ein sehr verwunderter Matthias Schmitz. Der hatte sich im Januar den Namen patentieren lassen und stand am 1. April kurz davor, seine große Neuigkeit zu veröffentlichen. Graupner brachte ihn mit seinem Scherzchen in Zugzwang – denn Schmitz plante tatsächlich eine Neuauflage des Versehrtenfahrzeugs. Genau wie von Graupner scherzhaft beschrieben als Elektromobil in modernen Farben und mit einer gehobenen Ausstattung. Für den Autohausbesitzer ist es Ehrensache, Schmitz seine Unterstützung anzubieten. Doch ganz so weit ist es noch nicht. Das Geschäft mit der Neuauflage kommt gerade erst ins Rollen.

 

Aber von vorn: Durch einen Zufall ist der Sondermaschinenbauer aus Machern auf das Duo gekommen. „Ich habe einen kleinen Sohn. Er begeistert sich für Fahrzeuge. Ich habe im Internet nach einem Buggy für ihn gesucht und bin dabei auf dieses Fahrzeug aus China gestoßen“, erzählt der 40-Jährige. Dieses Fahrzeug steht während er spricht direkt vor dem Schaufenster des Büros. Es sieht futuristisch aus. Wie das echte Krause-Duo hat es zwei Sitze – die, im Gegensatz zum Original hintereinander angelegt sind – und drei Räder. Allerdings ist die Karosserie komplett aus Metall und geschlossen. Im Grunde sieht das Ganze aus wie die Mischung aus einem Moped und einem winzigen Auto. Und das soll es auch sein. „Das Auto ersetzen wollen wir damit nicht. Es ist eine Ergänzung“, erklärt der Unternehmer. Mit wir meint er sich und seinen Geschäftspartner Tino Böttner. Die beiden kennen sich schon seit vielen Jahren und wollen nun das Krause-Duo 2.0 an den Mann oder an die Frau bringen. „Wir haben überlegt, was ein zukunftsfähiges Fahrzeug für kurze Strecken ist – auch mit Blick auf die zunehmende Verkehrsdichte und den Trend zu E-Mobilität. Und dabei fiel immer wieder der Vergleich ,wie das Krause-Duo...’. So kamen wir dazu“, erinnert sich Schmitz.

Der Import des spacigen Fahrzeugs aus China soll aber erst der Anfang sein. „Wir wollen schon gern ein Krause-Duo konstruieren, das dem Original näher kommt“, lässt er durchblicken. Dafür habe er zwar noch keinen festen Zeitplan, aber sein Ziel sei das definitiv. „Wir wollen zunächst einen Konstruktionsplan für das neue alte Duo entwickeln. Elektro ist wichtig und ein bisschen fancy soll es natürlich auch aussehen“, witzelt Schmitz. Dann gelte es, die Komponenten festzulegen und eine geeignete Produktionsstätte zu finden. „Das zu einem günstigen Preis anzubieten und es in Deutschland herstellen zu lassen, wie Herr Graupner es beim Aprilscherz noch augenzwinkernd behauptet hat, ist unrealistisch“, gibt er zu bedenken. Er würde mit der Produktion in Europa bleiben, Polen wäre eine Option. Aber noch ist das Zukunftsmusik.

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Matthias Schmitz aus Machern will das Krause-Duo 2.0 auf den deutschen Markt bringen. Ein Prototyp aus China soll als Beispiel für eigene Konstruktionspläne dienen. Wir haben reingeschaut.

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Jetzt gehe es erstmal darum, die Marke bekannt zu machen und auf die Option des mopedähnlichen Kleinfahrzeugs aufmerksam zu machen. Und das klappt ganz gut. Denn wo Schmitz und Böttner mit ihrem roten Flitzer auftauchen, erregen sie Aufmerksamkeit. Ein Anwohner entdeckt das moderne Duo im Hof, beobachtet kurz das Treiben und spricht dann die beiden Unternehmer an. Ein paar neugierige Blicke und ein kurzes Informationsgespräch später zieht er mit Infomaterial in der Hand weiter.

Unterdessen lädt Schmitz zur Probefahrt. Einmal im Kreis um den engen Hof. „Geben sie ruhig ein bisschen Gas“, ruft er. Gesagt, getan. Das Duo fährt sich wie ein Moped, nur ohne kalte Zugluft und mit etwas mehr Knautschzone. Das Sicherheitsempfinden steigt. „Auf der Straße beobachte ich auch, dass man ernster geworden wird als mit einem Moped. Werde ich überholt, wird viel mehr Platz gelassen“, so der 47-Jährige Böttner.

Er ist überzeugt von dem Produkt. „Besonders hier auf dem Land, ist das einfach praktisch. Man muss nicht das große Auto nehmen, wenn man nur kurz etwas einkaufen fahren will oder zum Bahnhof pendelt, um von dort den Zug zu nehmen.“ Schmitz ergänzt, dass es nicht nur um die Platzersparnis ginge, sondern auch finanzielle Aspekte eine Rolle spielen würden. „Das alles läuft über Strom. Momentan haben wir eine Reichweite von etwa 70 Kilometer. Für kurze Strecken ist das okay. Man kann es über die normale Steckdose aufladen. Das Ganze kostet auf 100 Kilometer gerechnet ungefähr 1,50 Euro. Auch die Versicherungs- und Anmeldungskosten sind ähnlich der eines Mopeds.“ Dazu habe man aber den Komfort eines kleinen Autos – Heizung, Sitzgurte und Ablageflächen.

Für Schmitz und Böttner ist das chinesische Duo ein Stück Zukunft in der Gegenwart. Die Neuauflage des Originalduos als e-Mobil eine Herzenssache.

Geschichte des Krause-Duos

Die Firma Louis Krause aus Leipzig stellte schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts Fahrzeuge für Menschen mit eingeschränkter Mobilität her. Zunächst waren das Rollstühle, die in der weiteren Entwicklung mit Motoren versehen und um Karosserieteile erweitert wurden. In den 1960er-Jahren entstand der erste Zweisitzer, der nun auch das Duo im Namen trug. In den 1970er-Jahren wurde der Leipziger Betrieb komplett verstaatlicht und die Produktion geteilt. Von nun an wurden die Duos unter der Firmenbezeichnung VEB Fahrzeugbau und Ausrüstungen Brandis ebendort produziert. „Das Lustige ist, dass es bis dato keine richtigen Konstruktionspläne gab. Das Ding wurde bei Louis Krause einfach in der Werkstatt zusammen gewerkelt“, erzählt Duo-Experte Taubert von einer Anekdote. „Also mussten die erstmal aus dem bestehenden Fahrzeug einen Bauplan ableiten.“ Ziel war es sieben Versehrtenfahrzeuge am Tag zu produzieren. Es seien zwar keine offiziellen Zahlen zur Gesamtzahl der in Brandis gebauten Duos bekannt, aber Taubert schließt aus den Zielvorgaben, dass in den rund 20 Jahren etwa 30 000 Fahrzeuge vom Band gegangen sein müssten. Nach der Wende wurde die Firma in ein eigenständiges Treuhandunternehmen ausgegliedert – laut Taubert ging das letzte Duo Anfang der 1990er-Jahre vom Band. Das Fahrzeug ist heute noch im Besitz der Stadt Brandis.

 

Dafür wünscht ihnen Günter Taubert alles Gute. Er hat Anfang April gemeinsam mit Ingo Graupner den Aprilscherz ausgeheckt. Der Fahrschullehrer und Unternehmer besitzt eins der letzten intakten Original-Duos aus Brandis. Er hat selbst sogar einige Jahre als Sicherheitsinspekteur bei der VEB Fahrzeug und Ausrüstungsbau Brandis gearbeitet. Er schiebt sein orangenes Kultduo, mit dem er eine sachsenweite Berühmtheit geworden ist, aus der Garage seines Firmengeländes in Brandis. „Lust auf eine Spritztour“, fragt er. Logisch! Bei zehn Grad und Nieselregen wünscht man sich kurzzeitig in das China-Duo mit geschlossener Karosserie und Heizung. Aber mit der Lederplane über den Beinen und dem Fahrtwind im Gesicht, wird auch diese Fahrt zu einem Vergnügen. Fast in Ekstase freut sich Taubert: „Das ist ein echtes Duo! Wenn es laut ist und wenn es nach Benzin riecht.“ Die Idee mit dem neuen Duo findet er nicht schlecht, aber ein echtes Krause-Duo kommt für ihn weder aus China noch aus Polen. „Echte Duos kommen aus Brandis. Und sind schwer zu haben.“

Von Nathalie Helene Rippich

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