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Macherner Schlossherrin Eveline Heigel nimmt ihren Hut

Abschied Macherner Schlossherrin Eveline Heigel nimmt ihren Hut

Auf ihre Anfänge als Kulturhausleiterin blickt Eveline Heigel in diesen Tagen zurück. Die Unternehmerin war 27 Jahre lang Schlossherrin in Machern. Das barocke Anwesen habe sich vor allem einen Ruf als Hochzeitsschloss und Tagungsstätte erworben, erklärt die 66-Jährige. Von der Gemeinde hätte sie sich zuletzt mehr Engagement gewünscht.

Eveline Heigel nimmt nach 27 Jahren Abschied vom Macherner Schloss, in dem sie 1990 als Kulturhausleiterin anfing.

Quelle: Andreas Döring

Machern. Nach 27 Jahren heißt es für Eveline Heigel Abschied nehmen. Die Machernerin hatte bereits vor längerer Zeit angekündigt, ihr unternehmerisches Engagement im Schloss Machern zu beenden. „Ende Oktober ist es nun soweit“, berichtet die 66-Jährige. Dann endet ihr Vertragsverhältnis mit der Gemeinde. „Ich weiß noch genau, wie alles anfing“, blickt die Schlossherrin zurück. „Meine erste Amtshandlung war, den Weihnachtsbaum abzuschmücken und auszufegen.“ Am 1. Januar 1990 habe sie ihr Amt als „Kulturhausleiterin“ angetreten.

Im Jahr 1987 war die Familie nach Machern gezogen. „Und das Schloss“, bekennt Heigel, „hat mich bereits damals begeistert.“ Schon zu DDR-Zeiten habe sie den Restauratoren in der Ritterstube über die Schulter geschaut. „Die Wandmalereien hatte man nach dem Krieg überstrichen, sie sollten die Neulehrer, die hier ihr Rüstzeug erhielten, nicht ablenken. Denkmalpfleger Wolfgang Hocquél war es, der in den 1980er Jahren an der Wand kratzte und die wiederentdeckte gotisierende Ausmalung freilegte. Die Ritterstube gilt seitdem als Perle des Schlosses, in der sich jährlich rund 200 Paare das Ja-Wort geben.

Machernerin hat ein Faible fürs Schloss

Dass der Barockbau überhaupt noch steht, sei Macherner Bürgern und Freunden des prächtigen Ensembles zu verdanken gewesen. Unmittelbar nach dem Krieg gab es Pläne, aus dem Schloss ein Kulturhaus im Stil der damaligen Zeit zu machen. Zum Glück fehlte das Geld, das Anwesen blieb barock. Heigel erkannte frühzeitig die Strahlkraft des Aushängeschildes. „Was ich zu Verflechtungen von Kultur, Sport und Ökonomie geforscht hatte, wollte ich hier in der Praxis umsetzen.“ Bis zur Wende hatte Eveline Heigel an der Leipziger Sporthochschule als Dozentin gelehrt. Bildungsangebote waren es dann auch, die sie in Machern als erstes zum Laufen brachte. „In den Jahren 1990/1991 hatten wir volles Haus. Weil im Schloss die Restauratoren am Werk waren, mieteten wir jedes Wochenende die örtliche Schule an.“ In Machern seien alle Ärzte, die sich damals in Sachsen niederließen, fortgebildet worden. „Wegen uns musste die Gemeinde noch vor der Währungsunion ein Valuta-Konto einrichten, weil die Kurse in D-Mark bezahlt wurden.“ Auch Horst Kretzschmar, Macherner Nachwende-Bürgermeister, habe ebenso wie die damaligen Gemeinderäte hinter dem Schloss gestanden und sie unterstützt. „Unser aller Ziel war, das Schloss als kulturelles Zentrum zu erhalten, Veranstaltungen anzubieten, dabei aber die Wirtschaftlichkeit nicht aus den Augen zu verlieren.“

Die Initiativen der 90er Jahre machten es möglich, Schloss und Park wach zu küssen. Überregional trumpft Machern seitdem als Hochzeitsschloss auf. Tagungen,

Eveline Heigel (l) bei der Eröffnung der Internationalen Highland Games, die bis 2011 jährlich mit Tausenden Besuchern in Machern stattfanden

Eveline Heigel (l.) bei der Eröffnung der Internationalen Highland Games, die bis 2011 jährlich mit Tausenden Besuchern in Machern stattfanden.

Quelle: Klaus Peschel (Archiv)

Bälle, romantische Feiern sorgen für Begängnis. Anfangs zogen die jährlichen Schloss- und Parkfeste, später die Internationalen Highland Games Tausende Besucher an. Gern erinnert sich Eveline Heigel auch an Dreharbeiten für zwei „Tatorte“ und mehrere Folgen der beliebten Serie „In aller Freundschaft“.

Schloss Machern als Hochzeitsschloss und Tagungsstätte geschätzt

Die Entscheidung, sich zurückzuziehen, sei ihr nicht leicht gefallen, bekennt die 66-Jährige. Doch sie ist sich sicher, ihrem designierten Nachfolger Konrad Obermüller - Schlossherr von Hohenprießnitz - eine überregional geschätzte Seminar- und Tagungsstätte zu hinterlassen. Der Gemeinde wünscht Heigel, dass man sich wieder mehr zum Schloss bekennt. „Was nach der Wende mit viel Mühe aufgebaut wurde, droht allmählich Schaden zu nehmen“, warnt sie eindrücklich, spricht von kaputten Regenrinnen, Problemen mit dem Brandschutz und einem großen Loch in der Schlossmauer. Die Geringschätzung, die seitens der Verantwortlichen mitunter zu spüren sei, schmerze sie. „Schloss und Park“, erlaubt sich Heigel Kritik, „weisen große Instandhaltungsdefizite auf, die nur noch bei akuten Problemen Gegenstand einer Betrachtung sind.“ Dabei liege es doch im Interesse der Kommune als Eigentümer, diesen Besuchermagneten zu hegen und zu pflegen.

Von Simone Prenzel

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