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Wurzen Macherner bringen Mühlteich-Projekt zu Fall
Region Wurzen Macherner bringen Mühlteich-Projekt zu Fall
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00:34 02.03.2018
Eisvogel am Macherner Mühlteich Quelle: privat
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Machern

Paukenschlag am Montagabend in Machern: Der Gemeinderat ließ auf seiner Sitzung das Mühlteich-Projekt des örtlichen Regionalvereins platzen. Damit muss die Kommune rund 13 000 Euro Fördermittel, die bereits bewilligt wurden, zurückgeben.

Pläne, am Westufer des Gewässers einen Treffpunkt mit Sitzbänken und eine neue Wegeverbindung zu schaffen, wurden von Anwohnern in den vergangenen Tagen heftig kritisiert. Am Montag ließ sich der Unmut in Zahlen fassen: 51 Macherner sprachen sich mit ihrer Unterschrift gegen das Vorhaben aus. Gemeinderat Detlef Keller (CDU) hatte Bürgermeisterin Doreen Lieder (parteilos) eine entsprechende Liste unmittelbar vor Sitzungsbeginn übergeben.

Wegeführung in der Kritik

Die Unterzeichner beklagten darin vor allem die geplanten Baumfällungen und eine geänderte Wegeführung. „Gibt es wirklich nichts Wichtiges, als dieses Biotop zu zerstören?“, kritisierte die Machernerin Uschi Ziegler in der Bürgerfragestunde. Befürworter wie Holger Kirst sprachen sich hingegen für die Pläne aus und vermuteten eher, dass Anwohner um ihre Ruhe fürchten. „Sind es wirklich Gründe des Naturschutzes oder eher die Wegeführung, die den Bürgern bedenklich erscheint?“, fragte sich der Macherner.

Rathauschefin Doreen Lieder ging noch einmal auf die Entstehungsgeschichte des Projektes ein. Man habe die Idee gehabt, eine Aufenthaltsfläche mit Erholungsfunktion zu schaffen. Als Rittergutsbesitzer Schnetger den Mühlteich noch nicht verspielt hatte, habe er zum Park gehört – an diese historische Achse wollte man anknüpfen.

Gegenwind auf der Zielgeraden

„Sämtliche Genehmigungen, sowohl vom Denkmalschutz als auch der Unteren Naturschutzbehörde, wurden zu dem Vorhaben eingeholt.“ Lieder zeigte sich ebenso wie Vertreter des Regionalvereins überrascht, dass es trotz jahrelanger Vorbereitung auf der Zielgeraden einen solchen Gegenwind erfährt. Das Projekt sei mehrfach vorgestellt worden, erklärte sie. Anwohner monierten dennoch, sie hätten erst vor ein paar Tagen in der LVZ von den Plänen gelesen. Gemeinderat Manfred Schubert (Freie Wählervereinigung) beklagte, dass der Rat von der Verwaltung nicht über gegenteilige Meinungen ins Bild gesetzt wurde. So habe er ebenfalls nur aus der Zeitung von den Befindlichkeiten der Anlieger und befürchteten Einschnitten für seltene Arten wie den Eisvogel erfahren.

Die hitzige Diskussion gipfelte im Antrag von FWG-Mann Uwe Richter, über das Projekt geheim abzustimmen - „aus Angst vor Anfeindungen“, wie er meinte. Die dafür in der Gemeindeordnung vorgesehenen Spielregeln mussten dem Rat allerdings erst aus den Zuschauerreihen zugerufen werden. Die Frage, ob Gemeinderäte immer offen Farbe bekennen sollten – auch wenn öffentlicher Druck zu befürchten ist, wurde leidenschaftlich diskutiert. Nicht erörtert wurde dafür ein Kompromissvorschlag, der das Projekt noch hätte retten können. Manfred Lukaseder vom Regionalverein schlug vor, auf eine durchgängige Wegeverbindung zu verzichten und nur Sitzbänke aufzustellen: „Damit wäre doch allen gedient.“

Regionalverein Machern engagiert sich für Projekt

Der Mühlteich in Machern sollte auf Initiative vom Regionalverein Machern für Besucher zugängig gemacht werden. Quelle: Thomas Kube

Nachdem keiner diesen Vorschlag aufgriff, kreiste die Wahlurne. Die Auszählung der Stimmzettel brachte das Projekt schließlich kurz vor 22 Uhr zu Fall. In geheimer Abstimmung lehnten neun Räte das Vorhaben ab, sechs stimmten dafür. Zuvor hatte Jana Strehle (Vize-Bürgermeisterin von Wir sind Machern), entnervt den Saal verlassen und von „Verhältnissen wie im Kindergarten“ gesprochen. Auf die Konsequenz des Beschlusses wies Gemeinderat Michael Bachmann (SPD) hin. „Die Fördermittel müssen wir jetzt zurückgeben. Auch Pflegemaßnahmen am Baumbestand, die ohnehin früher oder später anstehen, muss die Gemeinde jetzt aus eigener Tasche zahlen.“ Lieder erklärte abschließend, es tue ihr leid um die ehrenamtliche Arbeit, die in dem Projekt stecke. Der Regionalverein hatte bereits Arbeitseinsätze absolviert und wollte sich auch finanziell beteiligen.

Von Simone Prenzel

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