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Made in Nischwitz: Plastik für die Metro in Paris oder Rolls Royce in England

Made in Nischwitz: Plastik für die Metro in Paris oder Rolls Royce in England

Die Firma Polycasa im Nischwitzer Gewerbegebiet ist weiter auf Wachstumskurs. "Innerhalb der Unternehmensgruppe ist die Wertschätzung für den Standort Nischwitz deutlich gestiegen", verwies Werkleiter Harry Bernhardt auf die gewachsene Bedeutung innerhalb des Konzerns.

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Stippvisite bei Polycasa in Nischwitz: Werkleiter Harry Bernhardt (M.) zeigt Landrat Gerhard Gey und Bürgermeister Thomas Pöge (r.) einen der Verkaufsschlager des Unternehmens, transparente Hohlkammerplatten. Die Kunststofferzeugnisse halten jede Menge aus, sie dienen unter anderem auch als Verkleidung für Trainerbänke in Stadien.

Quelle: Thomas Kube

Thallwitz/nischwitz. Polycasa ist einer der größten Hersteller von transparenten Kunststoffplatten in Europa. Die Firmenzentrale befindet sich im belgischen Geel, Nischwitz ist eine von fünf Produktionsstätten in Europa. "Die Rolle des Werkes zeigt sich in der Inbetriebnahme von zwei neuen Produktionslinien", berichtete Bernhardt anlässlich eines Firmenbesuchs von Landrat Gerhard Gey (CDU).

Der Kreischef vernahm mit Wohlwollen, dass der Betrieb über steigende Beschäftigtenzahlen und weiteren Platzbedarf berichten konnte. In Frankreich habe Polycasa Kapazitäten abgebaut. "Die Verlagerung der Produktion erfolgte nach Nischwitz. Das stellt uns aktuell vor das Problem, dass wir unbedingt weitere Lagerfläche brauchen", berichtete der 67-Jährige. Die Zahl der Mitarbeiter habe sich von 72 im Vorjahr auf derzeit 89 erhöht.

In der riesigen Werkhalle wird Granulat zu Kunststofftafeln verarbeitet. Nach einer Erwärmung auf rund 300 Grad wird der Grundsubstanz auf Spezialmaschinen über hochveredelte Rollen geschickt. Nach dem Pressen verlassen die Produkte das Werk in den unterschiedlichsten Strukturen, Beschichtungen und Lichtdurchlässigkeiten. "Zum absoluten Verkaufsschlager haben sich unsere Hohlkammerplatten entwickelt", so Bernhardt. Die transparenten, aber dennoch stabilen Segmente werden für Überdachungen oder den Bau von Gewächshäusern verwendet. Selbst Auswechselbänke in Fußballstadien sind made in Nischwitz. Auch vor fliegenden Pucks schützt die Plaste - als Bande im Eishockeystadion. Vor Jahren wurden sogar Millionen von Nummernschildern nach England geliefert. An Mini-Rover und Rolls Royce war Nischwitzer Plastik angesagt. "Das lag daran, dass die Teile aus Acrylglas bestehen mussten, das wir damals hier produziert haben."

Aber auch aktuell sorgen Produkte von Polycasa für sicheres Fortkommen. "Um den Autofahrern nicht die Sicht auf die schönen Berge zu nehmen, stehen unsere Produkte auch als Lärmschutzwände an Schweizer Autobahnen." Eine völlig neue Technologie von Windabweisern kommt an der Forth Road Bridge, einer legendären Brücke in Schottland, zum Einsatz. Selbst in die Pariser Metro haben es die Erzeugnisse geschafft. Im Untergrund der Seine-Metropole besteht das komplette Info-System aus Nischwitzer Kunststoffplatten. Und Autohersteller Audi vertraute sich bei der Neuausstattung seiner Autohäuser den Muldentalern ebenso an. "Gemeinsam wurden die Tafeln entwickelt, die Sie weltweit vor jedem Audi-Salon sehen."

Längst wird nicht mehr nur innerhalb Europas geliefert. "Kunden haben wir auch in Marokko, Indonesien, Rio de Janeiro." Erst kürzlich wurden Sichtschutzwände für eine Bahnstrecke in Singapur hergestellt. Hier sorgen die transparenten Platten dafür, dass die Reisenden noch etwas von der City sehen, wenn sie in der südostasiatischen Mega-City die Strecke vom Flughafen zum Bahnhof zurücklegen.

Zur Unternehmensphilosophie gehört nicht nur das Denken im europäischen und globalen Maßstab - man bemüht sich genau so intensiv um ein gutes nachbarschaftliches Verhältnis zur Region. Auch dafür gibt es äußere Anzeichen. "Als der Thallwitzer Kirchturm erneuert wurde, kam von uns das Zifferblatt, das lichtdurchlässig sein sollte." Und für die Eilenburger Sprungschanze fertigte das Werk transparente Abschirmwände. "Die Sprungrichter wollen schließlich etwas sehen, wenn die Sportler über den Schanzentisch gehen." Oftmals wissen die Mitarbeiter auch nicht, was aus ihren Platten alles hergestellt wird. "Sie rollen", erzählt der Werk-Chef, "oft als Zwischenprodukt vom Hof, können dann je nach Bedarf in Industrie, Werbung und Kommunikation zum Einsatz kommen."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 31.03.2015
Simone Prenzel

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