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Manfred Martin stellt beim Kunstverein Panitzsch aus

Manfred Martin stellt beim Kunstverein Panitzsch aus

Er war nicht bereit, mit seiner Malerei dem sozialistischen Realismus zu huldigen. Das zeigt sich in seiner Vita bereits früh: Manfred Martin, Jahrgang 1930, ging bei Heinz Eberhard Strüning und Elisabeth Voigt in die Lehre, flog aber nach zwei Jahren von der Leipziger Akademie.

Borsdorf/Panitzsch. Der gelernte Lithograph verdiente sich seinen Lebensunterhalt in einschlägigen Betrieben und ohne den staatlichen Segen als freischaffender Künstler. Nach einer Ausstellung in Westberlin 1958 klaffen bis zur nächsten Werkschau in der Leipziger Christengemeinschaft bezeichnenderweise 27 Jahre.

Mit 26 Ölgemälden und neun Radierungen aus drei Jahrzehnten belegt der Kunstverein Panitzsch bis zum 21. März in der Schau „konstruktiv/ konkret“ eine ganz erstaunliche Entwicklung, die sich mit Konsquenz vom allgegenwärtigen Kunstbetrieb der DDR abgrenzte. Manfred Martin fand seine Inspiration im Konstruktivismus, ließ sich ganz offensichtlich von Futurismus und Kubismus oder der niederländischen De-Stijl-Bewegung anregen, der etwa ein Piet Mondrian anhing.

Martin nutzt ein geometrisches Formenvokabular, das am Beginn des 20. Jahrhunderts Kasimir Malewitsch oder Alexander Rodtschenko eingeführt hatten. Im souveränen Spiel mit Rechtecken, Dreiecken, Kreissegmenten und Diagonalen, die der Leipziger in ungebrochenem Kolorit anlegt, organisiert er mit Beharrlichkeit seine Bildgefüge der 1990er Jahre, tariert dabei meisterhaft Flächen von gegensätzlichem Charakter aus und bringt ganze Bildreihen ins Gleichgewicht.

Antropomorphen Formen begegnet der Betrachter bei einem Liebespaar von 1978, einem Bild, das in Erdfarben und Rosttönen Formen in Auflösung einzufangen scheint – als Metapher für die Vergänglichkeit starker Gefühle. Kreisschwünge, die in ihren Überschneidungen Geborgenheit assoziieren, lassen bei „Mädchen unter Bäumen“ von 1985 – im späten Rückgriff auf kubistische Stilisierung – eine tiefe Ahnung von kreatürlicher Verwurzelung und Verbundenheit mit der Natur aufkommen. Bei aller Abstraktion scheint Martin gern auch den spielerischen Umgang mit rätselhaften Bildtiteln wie „Das Geheimnis der Wüste“ zu pflegen, dem er mit geometrisch abgezirkelten Formen, Streifen und rein aufleuchtenden Farben nachspürt.

Auch in Fragen der Hängung bewiesen die Panitzscher Kunstfreunde mit dieser Schau wieder ein gutes Händchen. Dem Kunstverein gebührt vor allem aber das Verdienst, zum 80. Geburtstag des Leipziger Künstlers die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf des unbeirrt verfolgte Werk eines Mannes zu lenken, der über Jahrzehnte vom offiziellen Kunstbetrieb unbeachtet blieb.  

Ingrid Leps

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