Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Wurzen Meltewitzer fühlen sich total abgehängt – Projekt „Muldental in Fahrt“ lässt Ort links liegen
Region Wurzen Meltewitzer fühlen sich total abgehängt – Projekt „Muldental in Fahrt“ lässt Ort links liegen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:34 11.03.2018
Kritische Beobachterin: Die Meltewitzerin Christina Merseburger sieht wie viele Senioren ihren Ort vom öffentlichen Personennahverkehr abgehängt.
Lossatal

Meltewitz hat einiges zu bieten. Vor allem Natur ringsum – Wälder, Wiesen und Steinbrüche. Deshalb hoffte mancher der etwas über 350 Einwohner des Lossataler Ortsteils schon vor Jahren auf den Tourismus. Schließlich liegt das Dorf am Rande des Landschaftsschutzgebietes Dahlener Heide sowie des Wermsdorfer Forstes und besitzt daher reichlich Entwicklungspotenzial. Indes geht es Meltewitz wie vielen Dörfern auf dem weiten Lande und fernab urbanen Lebens. „Wir fühlen uns hier total abgehängt“, sagt Christina Merseburger und steht nicht allein mit ihrer Meinung.

„Ich verfolge mit großem Interesse sämtliche Veröffentlichungen in der Leipziger Volkszeitung, deren Inhalt die Probleme des öffentlichen Personennahverkehrs betreffen“, beginnt die Rentnerin zu erzählen. Dabei ruhen ihre Hände auf einem Ordner, in dem sie die Artikel fein säuberlich sammelt und der sich im Laufe der Zeit allmählich füllte. „Vor Jahren wurde die Bahnstrecke Leipzig – Riesa – Dresden für den ICE ausgebaut und ebenso der Haltepunkt Dornreichenbach.“ Jedoch musste Merseburger feststellen, dass der Regionalexpress nur noch für eine kurze Zeit in Dornreichenbach hielt. Daran änderte selbst der S-Bahn-Verkehr nach Eröffnung des Leipziger Citytunnels nichts. Jetzt zeige der Haltepunkt Dornreichenbach ein trauriges Bild. „Vandalismus ist hier an der Tagesordnung“, beklagt die 71-jährige Witwe.

Doch mittlerweile sieht sie ihre Heimat Meltewitz nicht nur von der Deutschen Bahn aufs Abstellgleis geschoben, sondern gleichfalls vom Modellvorhaben „Muldental in Fahrt“ vernachlässigt. Jenes Projekt ging am 7. August 2017 an den Start, um mit neuen Verbindungen und Zusatzangeboten entfernte Orte ans Netz zu koppeln. Zum Beispiel mit der Linie 659 Falkenhain – Burkartshain. Der Bus spart allerdings Meltewitz sowie Mark Schönstädt komplett aus, so Merseburger. „Außerdem ist mir aufgefallen, dass bereits seit Jahrzehnten die Fahrzeiten in Meltewitz gleich geblieben sind. Hier sollte die Regionalbus Leipzig GmbH einmal prüfen, ob 2018 nicht Gelder für eine Veränderung der Zuständigkeit von Regionalbus und dem Busunternehmen Vetter in Falkenhain eingesetzt werden könnten.“ Vielleicht, schlägt sie im gleichen Atemzug vor, wäre wie anderswo das System eines Rufbusses auf der Strecke 661 anwendbar.

Damit trifft Merseburger den Nerv in ihrer Altersgruppe. Die Situation beschäftige nämlich immer mal wieder die Senioren der Volkssolidarität bei Zusammenkünften, berichtet sie. Zwar fahren viele von ihnen Auto, doch wie lange noch? Spätestens, wenn es irgendwann nicht mehr geht, werde der Weg zum Einkaufen oder zur Bank nach Falkenhain weitaus beschwerlicher. „Zumal Kreditinstitute gleichfalls ihren Service in der Fläche abspecken.“

Apropos Einkaufen. In dieser Sache sei Meltewitz bereits seit vielen Jahren ein weißer Fleck auf der Landkarte. „Wer ganz dringend Lebensmittel benötigt, muss sich mittlerweile auf die mobilen Läden verlassen.“ Dieser Umstand lasse sich zwar nicht mehr rückgängig machen. Dafür eventuell die derzeitige Situation mit dem öffentlichen Personennahverkehr, glaubt jedenfalls Merseburger. Und genau deshalb schildert sie das Problem in aller Öffentlichkeit, eben weil Meltewitz und auch Mark Schönstädt an der Grenze zum Landkreis Nordsachsen einiges zu bieten haben.

Von Kai-Uwe Brandt

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Altstadtsanierung in Brandis wurde 2015 beendet. Jetzt stand das Thema noch einmal auf der Tagesordnung des Stadtrates. Es ging um die sanierungsbedingten Ausgleichsbeträge, die die Grundstückseigentümer im Sanierungsgebiet zu zahlen haben, und um die Aufhebung der Sanierungssatzung von 1992.

19.02.2018

Mit dem Ende der Sanierungsarbeiten in der Friedrich-Ebert-Straße 67 – 81 können Anwohner des Umfeldes jetzt nicht mehr ihre Autos stadteinwärts parken. Das sorgt für Unmut, da die Stellflächen vor Ort rar sind. Mancher vermutet, dass der neue Gehweg breiter wurde als geplant. Die Stadtverwaltung dementiert.

21.02.2018

Der Vorstoß des Mitteldeutschen Verkehrsverbundes, als Modellregion für den kostenlosen Nahverkehr zu dienen, weckt große Erwartungshaltungen. Wurzen und Grimma sehen ein Aufschwung für die S-Bahn. Grimma befürchtet, der ländliche Raum wird abgehängt.

21.02.2018