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Wurzen Mit der Völkerschlacht kam die Rinderpest
Region Wurzen Mit der Völkerschlacht kam die Rinderpest
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10:38 08.11.2018
An Rinderpest verendete Tiere in Afrika im 1965.Repro: Josef Liedke
Borsdorf/Beucha

Als beständige Folge großer Feldzüge ist es seit Menschengedenken zum Ausbruch verheerender Seuchen bei Menschen und Tieren gekommen. Die gefährlichste und verlustreichste Tierseuche war die Rinderpest – eine virusbedingte Infektionskrankheit, die weltweit seit Anfang dieses Jahrhunderts getilgt ist.

Die Gefährlichkeit dieser Seuche liegt in ihrer leichten Übertragbarkeit und hohen Sterblichkeit erkrankter Tiere (90 Prozent). Im 18. Jahrhundert allein verendeten in Europa 200 Millionen Rinder durch diese Infektion. Aus diesem Grunde wurden im gleichen Zeitraum die ersten Tierarzneischulen gegründet (Lyon 1762, Wien 1766, Dresden 1780).

Diese furchtbare Tierseuche, seit dem Altertum bekannt, trat als Folge der Völkerwanderung und des Hunneneinfalls auf. Während der Regierung Karls des Großen, nach dem Mongoleneinfall und während des 30-jährigen Krieges kam es zu großflächigen Seuchenzügen in Europa.

Ebenso folgte das aus Asien stammende Virus mit den als Lebendproviant mitgeführten Schaf- und Rinderherden auch den napoleonischen Feldzügen. Auf diesen Zusammenhang mit dem Ausmaß der Verbreitung in Europa zu Beginn des 19. Jahrhunderts wird in der Literatur ausdrücklich hingewiesen. Auch die an der Völkerschlacht beteiligten Truppen führten marschfähiges Lebendvieh im Tross als Proviant mit.

Lebendvieh verbreitet während der Völkerschlacht gefährliche Seuche

Der Beuchaer Pfarrer und Chronist Stephani berichtet zum 17. Oktober 1813 von „großen Herden Rindvieh und Schafen …“ (Uhlig, LVZ 2013), mit denen die Platowschen Kosaken auf den Feldern um Beucha biwakierten. Ein Großteil des Kosakenheeres bewegte sich am 18. Oktober zwischen Althen und Borsdorf zur Dresdener Chaussee und weiter in Richtung Taucha, zum Anschluss an die Nordarmee der Verbündeten (Franz Sommer, 1847).

Krankhafte Veränderung der Maulschleimhaut bei der Rinderpest. Quelle: Repro Josef Liedke

Nach der Schlacht kam zum unermesslichen Leid der Menschen noch der Ausbruch der Rinderpest, auch Löserdürre, Rindviehstaupe oder Hornviehseuche genannt, mit ihren schrecklichen Folgen für den verbliebenen Viehbestand in Leipzig und der weiteren Umgebung. In einem Erlass des Rates der Stadt vom 20. November 1813 wird das Auftreten der Löserdürre in „mehreren Gegenden des In- und Auslandes, aber auch in einigen hiesigen Ställen bemerklich geworden“ benannt. Es werden umfangreiche Maßnahmen angeordnet, „um die weitere Ausbreitung der Krankheit“ zu verhüten. Die Untersuchung allen Viehs, die Kontrolle und Durchsetzung der angeordneten Maßnahmen wurden dem städtischen Nachrichter (Scharfrichter, Henker und Abdecker) Gebhard übertragen. Trotzdem breitete sich die Seuche weiter rasant aus.

In kurzer Folge kamen aus den Kreisämtern die Meldungen von Erstausbrü- chen in den benannten Dörfern: 23. Oktober Bitterfeld, Zöckritz (devastiert); 25. Oktober: Delitzsch; 15. November: Borna, Altmörbitz; 17. November: Leisnig, Zollschwitz und Altenhof; 17. November: Colditz, Ebersbach; 19. November: Pegau, Lübschütz; 20. November: Altenburg, einige Dörfer gleichzeitig; 29. November: Rochlitz, Oberpickenhain; 10. Dezember: Rittergut Hainichen, Ende Dezember: Eger und Asch.

Die Maßnahmen, von denen letztendlich Unterbindung jeglichen Viehverkehrs, die Tötung kranker und ansteckungsverdächtiger Tiere und die nachfolgende Stallreinigung die sinnvollsten waren, wurden im Kreis Leipzig vom Kreishauptmann und einem berufenen Commisariat geleitet. Diese beriefen und beauftragten „erfahrene Thierärzte“ mit der Seuchenbekämpfung.

Impfmaßnahmen führen zur Tilgung der Rinderpest auf der ganzen Welt

Ende des 19 Jahrhunderts gelang es, die Rinderpest wirkungsvoll zu bekämpfen. Der letzte Ausbruch in Deutschland fand 1870 statt.

Ein Seuchengeschehen 1920 in Belgien führte zur Gründung der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE), unter deren Leitung ab 1994 koordinierte Tilgungs- und Impfmaßnahmen in Asien und Afrika zum Erfolg führten. Am 25. Mai 2011 wurde offiziell die Tilgung der Rinderpest in der Welt erklärt.

Quellen: Sächsisches Staatsarchiv Leipzig; Pfarrarchiv Beucha (E. Uhlig); Franz Sommer: Die Völkerschlacht zu Leipzig, 1847; Driesch – Geschichte der Tiermedizin

Bildmaterial: Veterinärmedizinische Sammlung. Universität Leipzig/Repro Josef Liedke; Archiv Lorenz Uhlmann

Von Lorenz Uhlmann

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