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Wurzen Modellregion Leipzig-Halle: Der Landkreis Leipzig würde profitieren
Region Wurzen Modellregion Leipzig-Halle: Der Landkreis Leipzig würde profitieren
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13:10 21.02.2018
Bald ohne Ticket Bus und Bahn fahren: Der Vorschlag liegt auf dem Tisch. Quelle: dpa
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Landkreis Leipzig

Nach einem Vorschlag des Mitteldeutschen Verkehrsverbundes (MDV) könnten künftig Busse und Bahnen ohne Fahrschein durch den Landkreis Leipzig rollen. Der MDV hatte die Region Leipzig-Halle als Modellregion für ein Projekt des Bundes zum kostenlosen Nahverkehr vorgeschlagen. Das würde die Städte Wurzen, Grimma und Borna in dieses Vorhaben einbinden.

Das Vorhaben, das den Umstieg auf den Nahverkehr beschleunigen und die Umweltbelastung reduzieren soll, stieß bundesweit auf eine kontroverse Debatte. Auch im Landkreis ist das Echo geteilt. Grimmas Oberbürgermeister Matthias Berger (parteilos) befürchtet soziale Verwerfungen. „Ich glaube, das Geld wird im ländlichen Raum abgezwackt“, sagte er am Donnerstag. Seiner Meinung nach sei es wichtig, den öffentlichen Nahverkehr auszubauen.

Was nichts kostet, ist nichts wert

Aber der Vorschlag des Bundes würde nur eine Verbesserung in Ballungsgebieten bringen. „Wir brauchen eine bessere Anbindung des ländlichen Raumes an Mittelzentren wie Grimma“, argumentierte Berger und verwies auf das Pilotprojekt Muldental in Fahrt. Das sei ein interessanter Ansatz, auf den aufgebaut werden könnte. Der Nutzer sei bereit zu bezahlen, wenn die Qualität stimmt. „Was nichts kostet, ist nichts wert.“

Der Vorschlag der Bundesregierung an die EU-Kommission in Brüssel sieht vor, in fünf Teststädten einen kostenlosen Nahverkehr zu erproben. Ziel ist es, die Menschen zum Umstieg auf Bus und Bahn zu bewegen, um die Abgasbelastung in Innenstädten zu reduzieren. Da sich der Versuch auf Bonn, Essen, Herrenberg, Reutlingen und Mannheim und damit ausschließlich auf Städte in den alten Bundesländern erstrecken soll, hat der MDV das eigene Tarifgebiet ins Spiel gebracht. Das erstreckt sich rund um die Städte Halle und Leipzig, erfasst aber auch die Landkreise Leipzig sowie Nord- und Mittelsachsen.

Bornaer steigen auf S-Bahn um

„Die Einbeziehung des gesamten Tarifgebietes wäre ein Gewinn für Borna“, sagte Oberbürgermeisterin Simone Luedtke (Die Linke). Die S-Bahn-Linie nach Leipzig werde gut angenommen. Aber Tariferhöhungen würden die Nutzer zwingen, die Rechnung zwischen dem öffentlichen Nahverkehr und dem eigenen Auto aufzumachen. Luedtke sieht den Borna-Geithainer Raum immer besser angebunden. Mit Muldental in Fahrt und der Tourismus-Route seien wichtige Projekte auf den Weg gebracht. „Wird der Nahverkehr kostenlos, steigen viele Menschen um“, ist sie sicher.

Wurzen setzt auf höhere Taktung

Für Wurzens Oberbürgermeister Jörg Röglin (SPD) müssen Quantität und Qualität stimmen. „Von einer höheren Frequenz im Nahverkehr würden wir profitieren“, sagte er. Drei Verbindungen nach Leipzig gebe es stündlich, vier wären besser. „Es ist schon viel erreicht worden“, so Röglin. Die direkte Verbindung vom Wurzener Bahnhof auf dem Leipziger Markt sei ein Pfund, mit dem die Stadt wuchern könnte.

Auch Landrat Henry Graichen (CDU) begrüßt den Vorstoß des MDV und die Ausweitung des Tests auf das Umland – „und damit auch auf Ostdeutschland“. Denn gerade im ländlichen Raum seien Berufspendler noch stark auf den Pkw angewiesen. Einen kostenlosen Nahverkehr betrachtet er aber kritisch. Dieser sei nicht per se attraktiv. „Die Gelder könnten besser und nachhaltiger in den Ausbau des Netzes, eine gute Vertaktung der Verbindungen, Anschlüsse und Umsteigemöglichkeiten investiert werden“, so Graichen. Die Erfahrungen von „Muldental in Fahrt“ würde zeigen, dass ein gutes Angebot – auch wenn es kostet – stärker genutzt werde.

Symbolischer Banddurchschnitt anlässlich der Aktion "Muldental in Fahrt" in Grimma. Quelle: Thomas Kube

Über das Projekt, das der Freistaat Sachsen finanziell unterstützt, konnte seit der Einführung ein starker Zuwachs an Pendlern festgestellt werden. Der Landkreis Leipzig bezuschusst in diesem Jahr den öffentlichen Nahverkehr mit rund 16,7 Millionen Euro. Das sind 2,3 Millionen Euro mehr als noch 2014.

Verkehrsverbund lotet Region für Test aus

Laut MDV soll jetzt ausgelotet werden, „wie wir als gesamter Verbundraum eine weitere Modellregion im mitteldeutschen Teil der Bundesrepublik werden“ könnten. Über Verkehrsoffensiven im Rahmen der MDV-Strategie 2025 seien bereits vielfältige Angebote unterbreitet worden. Das mitteldeutsche S-Bahn-System und die neu ausgerichteten Bussysteme hätten die Mobilität in der Region positiv beeinflusst. „Entscheidend ist dabei einerseits, nicht nur über einen kostenfreien ÖPNV zu diskutieren“, sagte MDV-Geschäftsführer Steffen Lehmann. Es müssten vielmehr erweiterte Angebote in den gesamten Verkehrsräumen bestehend aus Städten und ländlichen Regionen geschaffen werden.

Von Birgit Schöppenthau

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