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Wurzen Muldentaler Filmemacher trifft den Schneider der US-Präsidenten
Region Wurzen Muldentaler Filmemacher trifft den Schneider der US-Präsidenten
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10:56 06.11.2018
Martin Greenfield (l.) und Peter-Hugo Scholz bei den Interview-Vorbereitungen in der Schneiderei „Martin Greenfield Clothiers“ Quelle: privat
Wurzen/New York

Hollywood ist nicht seins. Und das, obwohl ihm der Spielberg lange sehr am Herzen lag. Spielberg, gemeint ist nicht der US-Kult-Regisseur, sondern der gleichnamige Steinbruch im Wurzener Land. Dort veranstaltete Peter-Hugo Scholz seine ersten internationalen Bergfilmfestivals. Inzwischen feierte der umtriebige Programmdirektor im benachbarten Gaudlitzberg die 20. Auflage der kleinen aber feinen Filmreihe rund um die Kletterei.

 

Scholz, der lange in Bennewitz lebte, zeigt nicht nur Filme der anderen. Der 64-jährige Alpinist und Journalist dreht auch selbst. Für ein neues Projekt recherchiert er über den etwas anderen Steinbruch. Im Archiv des ehemaligen KZ Buchenwald forscht er zur Zwangsarbeit. Er begibt sich auf die Suche nach Überlebenden, die als Häftlinge im berüchtigten Steinbruch am Ettersberg bei Weimar schuften mussten.

Der beste Herrenschneider von New York

Dabei stieß er auf die Akte Martin Greenfield. Der ist heute 90 Jahre alt und lebt in New York. Er gilt als der beste Herrenschneider der Stadt. Und nicht nur das: Seit über einem halben Jahrhundert ist er der Maßschneider der amerikanischen Präsidenten. Peter-Hugo Scholz besuchte jenen Mann, der sie alle einkleidet – ob Bill Clinton oder Barack Obama. In der Reihe „Lebensläufe“ zeigt das MDR-Fernsehen am Donnerstag, 23.05 Uhr, den viel beachteten Beitrag des Muldentalers.

Martin Greenfield (90) in seiner Schneiderei in Brooklyn/New York. Quelle: Peter-Hugo Scholz

Martin Greenfield, der damals 16 war und noch Max Grünfeld hieß, gehörte zu den Auserwählten, die im April 1945 ihrem Befreier die Hand schütteln durften. Mit Tränen der Rührung und in Sträflingskleidung dankte er auf dem Appellplatz dem amerikanischen Oberbefehlshaber, General Dwight D. Eisenhower: „Sie haben mir das Leben gerettet.“ Als einziger Überlebender seiner Familie aus den Waldkarpaten ging Grünfeld nach Amerika und wurde zunächst Laufbursche in der Maßschneiderei der Goldman Brothers.

 

New York Times berichtet über Wiedersehen

1953 erhielt Greenfield einen besonderen Auftrag. Er soll den Anzug für den Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika schneidern. Dessen Name: Dwight D. Eisenhower. Ja, genau, besagter Eisenhower von Weimar. Persönlich überbringt er den handgenähten und von Herzen kommenden feinen Zwirn. Im Weißen Haus steht er dem Präsidenten gegenüber: Do You Remember? Erinnern Sie sich? Als der Präsident erfährt, dass sein Schneider ein Buchenwald-Überlebender ist, ruft er die New York Times an, die einen ganzseitigen Artikel über das sensationelle Wiedersehen verfasst.

Das Firmenschild in Brooklyn Quelle: Peter-Hugo Scholz

Seitdem schneidert Greenfield die Anzüge der Präsidenten und Schauspieler und – ist selbst zum Star geworden. Es war einer der Zeitungsartikel, der Peter-Hugo Scholz im Weimarer Archiv in die Hände fiel. Der Muldentaler beschloss, unabhängig von seiner Steinbruch-Studie eine eigene Geschichte über den Schneider der Präsidenten zu machen: „Ich habe herausgefunden, dass er in Brooklyn lebt und noch immer sechs Tage in der Woche arbeitet.“ Scholz telefonierte mit Greenfields Sohn Jay, meldete sich an und setzte sich sofort ins Flugzeug. Vier Tage drehte er vor Ort mit Kameramann Tom Bergmann und Regisseur Rick Minnich.

Martin Greenfield kennt keinen Hass

Scholz bestieg viele Berge, genoss etliche Aussichten. Martin Greenfield ermöglichte ihm neue Einsichten und einen Höhepunkt als Filmschaffender. Das Gespräch sei ein überwältigendes Erlebnis gewesen, so der Sachse. „Sein Charisma, seine Bescheidenheit, sein Humor. Die Deutschen hatten seine gesamte Familie ausgelöscht. Und doch kennt er keinen Hass.“ Das Wichtigste für diesen bemerkenswerten Menschen seien weder Präsidenten noch Hollywoodgrößen, sondern Kinder und Kindeskinder: „Er möchte noch lange leben, um all seine Enkel verheiratet zu sehen und auf ihren Hochzeiten zu tanzen.“

Von Haig Latchinian

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