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Muldentaler RB-Fanclub heizt der Münchener Allianz-Arena im Bundesliga-Spitzenspiel ein

Bayern München – Leipzig Muldentaler RB-Fanclub heizt der Münchener Allianz-Arena im Bundesliga-Spitzenspiel ein

16. Spieltag der Bundesliga-Saison 2016/17 – drei Tage vor Heiligabend. 20 Uhr wird das Spiel des Jahres angepfiffen: FC Bayern München – RB Leipzig. Stoff, aus dem Träume sind. Auch für Denis Brodt vom Bennewitzer Fanclub der Roten Bullen und für Tobias Flegel vom Bayern-Fanclub Phönix Mölbis. Beim Ergebnis-Tipp sind sich beide einig: 4:0 – je nach Sichtweise.

Denis Brodt hat die vergangene Nacht nicht geschlafen – aus Angst den Wecker zu überhören. Der FB-Fanbus startet pünktlich gen München. Mit Brodt und 95 anderen Fußball-Enthusiasten.
 

Quelle: Frank Schmidt

Bennewitz.  1. Minute: Tor für RB! „Schwalbenkönig“ Werner steigt fünf Meter hoch und schnäbelt den Ball unhaltbar ins Netz. 12. Minute: Tor für RB! Der ebenfalls beflügelte Nationalkicker und Ex-Leipziger Kimmich verwechselt die Mitspieler und schießt ein klassisches Eigentor. 23. Minute: Tor für RB! Wirbelwind Forsberg tanzt Gauland schwindlig. Gauland von der AfD, kurzfristig für den verletzten Boateng in die Mannschaft gerückt, kommt aus dem Staunen nicht heraus: „Alter Schwede!“ Der Schiri legt dies als fremdenfeindlich aus und zückt Rot.

Für die Bayern ein Albtraum, für RB-Fan Denis Brodt ein Alp(en)traum. Unruhig aber siegessicher wälzt er sich im Halbschlaf hin und her. Der 35-Jährige will den Wecker nicht überhören. Er ist einer von 96 RB-Freunden aus Bennewitz, die Mittwochfrüh mit zwei Bussen gen München starten. Bayern gegen RB, Erster gegen Zweiter. Es sei das Spiel seines Lebens, sagt der Rand-Wurzener. Seit Jahren begleitet er die Rasenballer, ob daheim oder auswärts. Er schrie sich schon die Kehle aus dem Hals, da verloren sich im Fanblock gerade mal 200 Hanseln. Fast auf den Tag genau vor fünf Jahren war er neben Steffen Hanke, Ken Schwarze, Alexander Roß, Carsten Kühnapfel, Mike Ebeling und Thomas Krieg einer der Gründungsväter der RB-Freunde Bennewitz. Inzwischen ist der offizielle Fanclub als Verein eingetragen und hat 670 Mitglieder, so viele, dass ein Aufnahmestopp verhängt werden musste.

RB Leipzig ist die große Liebe von Denis Brodt. Wenn Not am Mann ist, hilft er trotz zweier Beinbrüche noch immer in der Zweiten von Bennewitz aus, ist Mannschaftsbetreuer und kassiert bei Punktspielen den Eintritt. Denis, der Ur-Bennewitzer, musste zunächst dorthin gehen, wo es Arbeit gab, lernte Maler und Lackierer in Darmstadt, arbeitete anfangs auch im Westen, ehe sich seine Firma „verschlanken“ musste und er entlassen wurde. Er kehrte zurück in die Heimat, machte den Lkw-Führerschein, war viele Jahre im Fernverkehr unterwegs, heuerte bei einem örtlichen Lebensmittelgroßhandel an und fährt seit 2011 nur noch Tagestouren: „So schlafe ich wieder zu Hause, kann mich mit Freunden treffen und vor allem regelmäßig zu RB gehen.“

Jens Kühnapfel hat die Antwort auf bayrische Weißwurst

Jens Kühnapfel hat die Antwort auf bayrische Weißwurst.

Quelle: Frank Schmidt

Was hat der Fan der ersten Stunde nicht schon alles erlebt: Nach dem Aufstiegsspiel der Rasenballer in Lotte feierte er mit den Profis um Kaiser und Coltorti doch tatsächlich im Sonderzug nach Leipzig. Ob Frahn, Zorniger oder Röttger – all seine Idole hätten sich bei Bennewitzer Sommerfesten bereits unters Volk gemischt. Gemeinsam drückten die RB-Freunde ihrem prominenten Mitglied Martin Hamann die Daumen. Der Skispringer ist selbst Bennewitzer und begeisterte als Nachwuchshoffnung bei der Vierschanzentournee. Dennoch, Fan eines sogenannten Plastik-Vereins zu sein, sei nicht immer ein Vergnügen: „In Bochum flog ein Stein gegen unseren Fanbus, in Köln wurden wir bespuckt“, sagt Denis. Auf den Hass, der ihnen zuweilen entgegenschlägt, reagieren Denis und Co. mit Selbstironie: „Wir sind Schweine, Rote Bullenschweine, zahlen keinen Eintritt und trinken Champagner statt Bier.“ In seiner rot-weißen Kluft hofft Denis auf baldigen internationalen Fußball: „Ob Real Madrid oder Qäbälä in Aserbaidshan, zum ersten RB-Spiel in der Champions-League fahre ich auf jeden Fall!“

Ken Schwarze, Vizepräsident der Bennewitzer RB-Freunde, ist voll des Lobes über seinen Vereinsfreund: „Auf Denis ist hundertprozentig Verlass. Er hält den Kontakt zum Busunternehmen. Selbst für die Partie Anfang Februar in Dortmund sind die Plätze schon weg. Zusammen mit Sven Kutzer und Annett Riedel managt Denis alles, verliert nie den Überblick, Wahnsinn!“ Übrigens, Denis hat einen namhaften Cousin: Daniel Baude, der in Bennewitz und Wurzen, bei Lok und Chemie sowie in Mönchengladbach und zuletzt in Mainz spielte, war lange Teammanager der Ersten Mannschaft von Red Bull, arbeitet nun in der Geschäftsstelle: „Er ist unser Ehrenmitglied“, sagt Schwarze, der Bäckermeister: „Erst dieser Tage kam Daniel mit Töchterchen Juni zum traditionellen Plätzchenbacken zu uns.“ Ob Schwarze nach einem möglichen Sieg in München vielleicht sogar ein Fußballbrot zaubern wird? Abwarten.

Der Bennewitzer Fleischermeister Jens Kühnapfel jedenfalls reagierte längst. Er hat Bullen-Beißer, Bullen-Salami und Bullen-Schinken im Angebot. Bayern-Würschtl gegen Bullen-Knacker! Bezahlsender Sky fand die namentlich geschützten Produkte des Bennewitzer RB-Fans offenbar so knackig, dass er ein Filmteam ins Muldental entsandte. Der 53-jährige Kultfleischer darf Anfang Januar sogar eine Trainingseinheit der Roten Bullen besuchen und seine Würste feilbieten. Hauptsache im Team sind nicht zu viele Veganer! Um die Wurst geht es auch für die Bennewitzer F-Jugend-Spieler, die am 11. Februar beim RB-Spiel gegen den Hamburger SV als Einlaufkinder gebucht sind. Denis Brodt bezeichnet den RB-Fanclub als große Familie: Vom Jugendlichen bis zum Rentner, vom Arbeiter bis zum Studierten – alle verbinde die Fairness und die Liebe zum Fußball.

Aber wie endet denn nun Denis’ Traum? 90. Minute: Tor für RB! 0:4. Sensationell! Hoeneß flüchtet aus der VIP-Lounge, sehnt sich nach Ruhe und völliger Abgeschiedenheit, lässt sich mit Mateschitz’ Heli zurück ins Gefängnis fliegen. Auf die Frage von Matthäus, ob diese Leipziger noch zu stoppen sind, verpasst Dortmunds schäumender Boss Watzke dem Sky-Experten einen Kinnhaken und wird daraufhin in Hoeneß’ Zelle verbracht. Dort hecken sie einen Plan aus: Sie wollen Bayern-Aufsichtsrat Stoiber zur CSU-Kanzlerkandidatur überreden. Um die unliebsame Konkurrenz aus Leipzig ein für alle mal abzuschütteln, soll er den Anschluss von Ossiland an Ösiland betreiben. Alles nur Spaß. Nur ein Traum. Es ist „nur“ Sport.

Von Haig Latchinian

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