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Museum Wurzen zeigt ab 12. Mai Ringelnatz in Privathand

Neue Ausstellung Museum Wurzen zeigt ab 12. Mai Ringelnatz in Privathand

Erstmals präsentiert das Kulturhistorische Museum Wurzen ab 12. Mai in einer Ausstellung neun außergewöhnliche Werke von und über Ringelnatz aus Privatbesitz einer breiten Öffentlichkeit. Neben sieben von Ringelnatz gestalteten Werken zeigt die Exposition zudem sein außergewöhnliches Mappenwerk „Janmaate – Toplastige Lieder“.

Ist ab 12. Mai in der Stadtgalerie zu sehen: „Fische“ von Joachim Ringelnatz, 1920 – 1929, Öl auf Leinwand.

Quelle: Archiv

Wurzen. Dass Wurzens berühmter Sohn Hans-Gustav Bötticher, alias Joachim Ringelnatz (1883 – 1934), ebenso mit Malerei und Grafik Erfolge feierte und aufgrund seiner Kunst während der Weltwirtschaftskrise ein gutes Zubrot verdiente, verdankte er vor allem der im männlichen Familienzweig angelegten Doppelbegabung. Wie sein Vater Georg Bötticher (1849 – 1918), Musterzeichner von 1875 bis 1909 in der Tapetenfabrik August Schütz Wurzen, als bekannter Mundartdichter publizierte, hatte Ringelnatz neben dem literarischen Talent wohl auch das bildnerische Können vererbt bekommen. Erstmals präsentiert das Kulturhistorische Museum ab 12. Mai in einer Ausstellung neun außergewöhnliche Werke von und über Ringelnatz aus Privatbesitz einer breiten Öffentlichkeit. „Neben sieben von Ringelnatz gestalteten Werken aus den Jahren 1926 bis 1932 zeigt die Exposition zudem sein außergewöhnliches Mappenwerk ,Janmaate – Toplastige Lieder’ mit Illustrationen von Max Pretzfelder sowie eine Porträtbüste aus Bronze von der Berliner Bildhauerin und Ringelnatz-Freundin Renée Sintenis“, lockt Museumsleiterin zur aktuellen Schau in der Stadtgalerie des Alten Rathauses. Auslöser für Ringelnatz’ Gemälde wie für seine Gedichte seien Betrachtungen, Erkenntnisse und Empfindungen, so die promovierte Kunsthistorikerin. „Er stellte auch in seiner Malerei stets Fragen – warum so viel Leid, Einsamkeit, Verlorenheit?“ Alles regte seine Fantasie an. Ringelnatz malte als Kind, als Lehrling, als Seemann und Dichter. Trotz fehlender Ausbildung und trotz technischer Defizite. Seine Kunst zu entschlüsseln, merkt Jung an, bedarf oft des zweiten Blickes. Denn die Gemälde wirken zunächst naiv, und gerade diese Naivität wurde zu einer Art Markenzeichen. Ringelnatz zeige unendliche „leere“ Landschaften, „verrutschte“ Bildausschnitte oder Wege ins Nirgendwo. „Die Motive sind breit gefächert: Seestücke, Atmosphärisches, Exotisches, Bedrohliches, Todesahnung, Kinder und Tiere und immer wieder Landschaften – sowohl irreale, fremdartige, bizarre und romantisierte.“

Ohne Freunde und Förderer hätte Ringelnatz jedoch sein Talent kaum ausleben können, fügt Jung an. Darunter zählten Renée Sintenis, die ihn in die Berliner Kunstszene einführte, sowie der Kunsthändler und Galerist Alfred Flechtheim. Dass es nunmehr gelungen ist, „Ringelnatz aus Privathand“ in Wurzen einem interessierten Publikum zu zeigen, freut die Museumsleiterin ganz besonders. Eröffnet wird die Ausstellung, musikalisch umrahmt von der Musikschule „Theodor Uhlig“ Muldental, am 12. Mai, ab 19 Uhr in der Städtischen Galerie, Mark 1.

Ausstellung „Auf den zweiten Blick – Ringelnatz in Privathand“ vom 12. Mai bis 7. August in der Städtischen Galerie, Öffnungszeiten Do bis So von 14 bis 18 Uhr, Pfingstmontag geschlossen

Von Kai-Uwe Brandt

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