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Wurzen Musik im Wasserturm: Neue Variante für Wurzens Grundschulstruktur
Region Wurzen Musik im Wasserturm: Neue Variante für Wurzens Grundschulstruktur
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08:00 18.02.2017
Der Clara-Zetkin-Platz mit dem Wasserturm: Das könnte der künftige Standort der Musikschule Muldental werden. Noch befindet sich die Bildungsstätte in den beiden oberen Etagen der Ringelnatz-Grundschule. Quelle: Foto: Archiv
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Wurzen

Der Zeitplan bis zur Entscheidung steht jedenfalls fest: Zunächst lädt die Stadtverwaltung interessierte Bürger, Eltern und Lehrer am 28. Februar zur Infoveranstaltung in den Plenarsaal des Stadthauses ein. Danach sollen sich am 1. März erstmals gleich drei parlamentarische Ausschüsse in einer gemeinsamen Tagung mit dem Thema beschäftigen. Eine Woche später – am 7. März – haben es dann alle Wurzener Volksvertreter zur Sondersitzung in der Hand, über die Zukunft der Grundschule „An der Sternwarte“ abzustimmen und somit über die städtische Grundschullandschaft der nächsten Jahre.

Doch zur Vorgeschichte: Bereits im September 2014 wurde am Gebäude der Sternwarte-Grundschule festgestellt, dass sich der Giebel der Ostseite vom Untergrund löst. Ein daraufhin erfolgtes Gutachten ergab weitere gravierende Mängel an der Immobilie, die am 14. August 1992 nach siebenmonatiger Bauzeit als Außenstelle des Gymnasiums auf dem Areal des ehemaligen Sputnikzentrums in Betrieb ging. Geschätzte Sanierungskosten für das Objekt in Segmentbauweise und mit einer Lebenserwartung von 30 Jahren: 1,6 Millionen Euro. Seither bemüht sich das Stadthaus um eine Lösung des Problems, da heute hier 182 Grundschüler unterrichtet und 178 Hortkinder betreut werden.

Kostenvergleich der Varianten

Variante eins – Neubau der Grundschule (GS) „An der Sternwarte“ mit Bildungszentrum Nord (Ringelnatz-Grundschule:

Neubau der GS „An der Sternwarte inklusive Außenanlagen 9,359 Millionen Euro, Dachsanierung Ringelnatz-GS 210 000 Euro, Neubau Turnhalle für Ringelnatz-GS 3,9 Millionen, Außenanlage für Ringelnatz-GS 1,097 Millionen – Gesamtkosten 14,566 Millionen, davon 8,353 Millionen Fördergelder und ein Eigenanteil der Stadt Wurzen von 6,212 Millionen

Variante zwei – Bildungszentrum Nord mit Ringelnatz-GS (ohne Neubau der Sternwarte-GS) und Umzug der Musikschule Muldental an den Clara-Zetkin-Platz:

Umbau der Ringelnatz-GS für vier neue Klassenräume 200 000 Euro, Abbruch der GS Sternwarte 420 000 Euro, Dachsanierung Ringelnatz-GS 210 000 Euro, Neubau Turnhalle 3,9 Millionen, Außenanlage für Ringelnatz-GS 1,097 Millionen, Sanierung des Quartiers für die Musikschule 2,5 Millionen, Einnahme durch Grundstückverkauf des Geländes der GS Sternwarte 750 000 Euro – Gesamtkosten 7,577 Millionen, davon 4,405 Millionen Fördergelder und ein Eigenanteil der Stadt Wurzen von 3,171 Millionen

Fast auf den Tag genau zwei Jahre nach der Schadensmeldung präsentierte die Verwaltung dem Kulturausschuss einen Varianten-Mix, wie es weitergehen könnte. Die Mitglieder des Gremiums favorisierten damals mehrheitlich den Neubau der Bildungsstätte Sternwarte, trugen aber zugleich dem Stadthaus auf, sämtliche Optionen miteinander zu vergleichen – darunter die, zweier sogenannter Bildungszentren in Nord mit der Ringelnatz-Grundschule und im Süden mit der Diesterweg-Grundschule. Eben jene Resultate will Oberbürgermeister Jörg Röglin (parteilos) am Dienstag ab 18 Uhr zur Bürgerversammlung verkünden. Auf Voranfrage der LVZ hin ließ sich das Stadtoberhaupt schon einmal in die Karten schauen. Demnach untersuchte die Verwaltung drei Wahlvorschläge auf Herz und Nieren: den Neubau sowie Teilneubau der Sternwarte, den Ausbau eines Bildungszentrums Nord und den Ausbau des Bildungszentrums Süd. Das Vorhaben Neubau/Teilneubau Grundschule Sternwarte, so Röglin, würde sich über mehrere Bauabschnitte ziehen, erhielte jedoch drei Grundschulstandorte für Wurzen, „die nach Forderung der Bildungsagentur fünfzügig gefahren werden“. Darüber hinaus müsste Wurzen aber noch in die Ringelnatz-Grundschule investieren – Dachsanierung 210 000 Euro, Neubau einer DreifelderTurnhalle mit Besuchertraversen 3,9 Millionen, Außenanlage 1,09 Millionen. Gemeinsam mit dem Sternwarte-Neubau von 9,3 Millionen summieren sich die Gesamtkosten folglich auf 14,5 Millionen Euro. Hiervon könnte die Stadt etwa 8,3 Millionen über Förderprogramme akquirieren. 6,2 Millionen blieben als Eigenanteil übrig.

Daher nahm die Verwaltung eine neue Variante ins kommunale Portfolio auf – das „Bildungszentrum Nord mit der Musikschule am Wasserturm“. Röglin zufolge sieht diese Möglichkeit den Umzug der Musikschule Muldental vor, welche derzeit die zwei obersten Etagen der Ringelnatz-Grundschule nutzt, sowie den Abriss des Containerbaus Sternwarte. Mit dem Freilenken der Musikschule gewinnt die Stadt nämlich vier neue Klassenräume und Hortkapazitäten. Konkret beinhaltet das Projekt den Umbau des Hauses mit 200 000 Euro, Abbruch der Sternwarte mit 420 000 Euro, die Dachsanierung, Turnhalle, Außenanlagen sowieso und für 2,5 Millionen den Ausbau des künftigen Quartiers der Musikschule und zwar am Clara-Zetkin-Platz – dem Gedankenspiel nach im Wasserturm und im Gebäude des früheren Amtes für Landwirtschaft. „Welche Musikschule kann von sich behaupten, in einem Wasserturm zu unterrichten“, so Röglin. Das Gelände bietet aus Sicht der Planer viel Potenzial. Platz für Parkflächen zum Beispiel, eine Top-Verkehrsanbindung aufgrund der Nähe zum Busbahnhof und sogar genügend Fläche für einen Einkaufsmarkt. Nicht zuletzt erwägt die Stadtverwaltung den Verkauf des Terrains der Grundschule „An der Sternwarte“ für Wohnungsbau mit einem Einnahmeplus von 750 000 Euro. Auch dank besserer Förderquoten von teils über 80 Prozent beim Quartier der Musikschule rechnet sich das Bildungszentrum Nord auf 7,58 Millionen – 4,4 Millionen an Zuschüssen und einen städtischen Eigenanteil von knapp 3,2 Millionen.

Die Entscheidung allerdings, ob es irgendwann drei oder lediglich zwei Grundschulstandorte geben wird, fällt der Stadtrat. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht, und im aktuellen Haushaltsentwurf ist übrigens das Geld für einen Neubau der Grundschule ,An der Sternwarte’ enthalten“ sagte Röglin zum Schluss und mit Blick auf den 28. Februar. Schließlich gibt es zur Bürgerversammlung weitaus mehr Details und die Gelegenheit, Fragen ans Stadtoberhaupt und seine Fachbereichsleiter zu stellen.

Von Kai-Uwe Brandt

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