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Wurzen Nach Schlägerei auf Kaninchenschau: Wurzener Züchter beklagt Rufmord
Region Wurzen Nach Schlägerei auf Kaninchenschau: Wurzener Züchter beklagt Rufmord
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14:53 06.02.2019
Der Wurzener, der auf einer Rassekaninchenschau in Halle eine Schlägerei angezettelt haben soll, weist jede Schuld von sich. Er züchtet seit Jahrzehnten überaus erfolgreiche Kaninchen der Rasse Riesenschecken. Quelle: Thomas Kube
Wurzen

Rassekaninchen sind die Sanftmut auf vier Pfoten, außerhalb der Käfige kann es allerdings schon mal ruppig zugehen. So geschehen auf der Bundesrammlerschau am Wochenende in Halle. „Kaninchenzüchter prügeln sich“, lautete die Schlagzeile über einer Meldung, die es am Montag in etliche Medien schaffte.

Der Wurzener Züchter*, der darin beschuldigt wird, zwei Niedersachsen attackiert zu haben – einen durch Schläge und Tritte so schwer, dass er in einem Krankenhaus in Halle behandelt werden musste –, zeigte sich entsetzt. Aus seiner Sicht hat sich die Auseinandersetzung ganz anders zugetragen. „Das ist Rufmord“, sagt der 51-Jährige.

Wurzener züchtet seit 2011 wieder Kaninchen

Mit diesem Rammler wurde der Wurzener Züchter kürzlich bundesdeutscher Meister in Erfurt. Quelle: Thomas Kube

Der Neid auf seine Erfolge könnte der Grund für die Auseinandersetzung sein, vermutet der Züchter. Denn es geht nicht nur um Anerkennung, sondern auch um Geld. „Für einen Bundessieger zahlen Züchter schon mal 1000 Euro.“ Manche, weiß er, wollen sich damit auch Erfolg erkaufen. „Und wenn man, so wie bei mir passiert, nicht darauf eingeht, fängt der Ärger an.“ Die Plattform dafür: Facebook. Dort wurde ihm von einem niedersächsischen Preisrichter vorgeworfen, er hätte andere Preisrichter beeinflusst.

Wurzener wurde auf Facebook angegriffen

Außerdem seien manipulierte Fotos seines Bundessiegers veröffentlicht worden, die beweisen sollten, dass er seine Tiere schneide. Unseriöse Züchter schneiden dabei Stücke aus der Haut der Tiere, um die Fellzeichnung zu optimieren. „Ich habe angeboten, dass sich jeder die Tiere in meinem Stall anschauen kann, sogar das bewusste Tier zu scheren, um nach Narben zu suchen. Und ich habe gesagt, wenn man was finden sollte, könne man mich sofort aus dem Verband werfen. Aber darauf sind die Absender nicht eingegangen“, erzählt er.

Der Wurzener ist übrigens nicht der Einzige, der auf Facebook angegriffen wird, wie ein Eintrag des selben niedersächsischen Züchters an einen rheinländischen zeigt, in dem er diesen als „Vollspinner“ und ähnliches beleidigt. „Die versuchen, Konkurrenten durch Mobbing aus dem Verband zu drängen, auch mich“, so sieht es der Wurzener.

Niedersächsische Züchter seien angetrunken gewesen

Aufgrund der verbalen Anfeindungen im Vorfeld habe er darauf verzichtet, seine Tiere in Halle auszustellen. Nur zum Tausch sei er gekommen. „Wir standen am Käfig von Zuchtfreunden aus Sachsen und Hessen“, berichtet er. „Auf einmal kamen drei niedersächsische Züchter, darunter ein Preisrichter, sie waren angetrunken. Einer hat sich vor meinen Bekannten gestellt, damit dieser nicht eingreifen kann. Die anderen beiden haben mir wieder vorgeworfen, ich würde Tiere schneiden, dann sind sie handgreiflich geworden. Ich habe mich natürlich gewehrt“, sagt der Wurzener. Dabei sei einer der Niedersachsen gegen einen Käfig gefallen, „aber gleich wieder aufgestanden. Den hat keiner getreten“. Das könnten fünf Leute bezeugen. Dann habe die Security den Streit beendet.

Von einer Anzeige wusste der Wurzener Züchter am Dienstagnachmittag nichts. „Aber in den Medien stehe ich jetzt da wie ein Verbrecher.“

Polizei Halle ermittelt wegen Körperverletzung

Alexander Junghans, Pressesprecher der Hallenser Polizei, bestätigt eine Strafanzeige wegen Körperverletzung. Am Sonnabend, 17.30 Uhr, habe die Rangelei stattgefunden, um 18.45 Uhr sei die Polizei vor Ort gewesen. Belegt sei, dass es zwei Verletzte gegeben habe, „einer musste sogar per Rettungswagen ins Universitätsklinikum Halle gebracht werden“. Seitens der Kripo werde nun ermittelt, nennt Junghans den nächsten Schritt. Der Beschuldigte hat inzwischen einen Anwalt kontaktiert. „Ich lasse mir das nicht gefallen“, sagt der Wurzener.

Zentralverband Deutscher Rassekaninchenzüchter untersucht Vorfall

Auch der Zentralverband Deutscher Rassekaninchenzüchter (ZDRK) hat Konsequenzen angekündigt: Der „unschöne Vorfall“ passe „absolut nicht ins positive Bild, das alle Aussteller und Besucher von dieser Schau in Halle mitgenommen haben“, heißt es auf der Webseite des Verbandes. Der Vorfall werde aufgearbeitet. Auch der Landesverband Sachsen, in dem dieser Züchter organisiert ist, hat bereits ein Verfahren eingeleitet.

Konsequenz könne eine Geldstrafe, ein vorübergehender oder ein dauerhafter Ausschluss aus dem Verband sein. „Bis zum Abschluss des Verfahrens ruht die Mitgliedschaft des Mannes“, sagte Doreen Kalusok vom Landesverband. Der 51-Jährige könne so lange nicht an Veranstaltungen des Verbands teilnehmen.

Von einer derartigen Tat distanzieren sich die Rassekaninchenzüchter: „Gewalt hat keinen Platz in der Kaninchenzucht“, heißt es.

*Name ist der Redaktion bekannt

Von Ines Alekowa

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