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Wurzen Nach Verkehrsunfall am Birkenhof bei Wurzen stehen Menschen unter Schock
Region Wurzen Nach Verkehrsunfall am Birkenhof bei Wurzen stehen Menschen unter Schock
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16:44 14.09.2017
Unfall auf der Bundesstraße 6 im Birkenhof. Hier sterben drei Menschen.
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Wurzen

Nach dem Horror-Crash auf der Bundesstraße 6 östlich von Wurzen steht die Region unter Schock. Wurzens Oberbürgermeister Jörg Röglin (SPD) äußerte sich am Donnerstag bestürzt zu der neuerlichen Tragödie und richtet den Fokus auf den akuten Handlungsbedarf an der Kreuzung im Ortsteil Birkenhof. „Wahrscheinlich ist uns die Entschlossenheit zum Umsetzen der Pläne abhanden gekommen, um die Unfallkreuzung sicherer zu machen. Was das kostet, haben wir aktuell sehr leidvoll erfahren müssen“, sagte Röglin.

Am Mittwochabend waren bei einem schweren Verkehrsunfall drei Frauen im Alter von 76, 78 und 84 Jahren ums Leben gekommen. Sie hatten in einem Ford Fiesta gesessen, der kurz vor sechs Uhr abends die Bundesstraße in Richtung Körlitz überquerte. Dabei missachtete der 82-jährige Fahrer die Vorfahrt eines BMW, der von Wurzen in Richtung Oschatz unterwegs war. Die Autos stießen zusammen, der Fiesta überschlug sich auf einem Feld und kam im Straßengraben auf dem Dach zum Liegen.

Unzählige Male hat es auf der Bundesstraße 6 zwischen Wurzen und Kühren in den zurückliegenden drei Jahren gekracht. Die Kreuzung im Ortsteil Birkenhof östlich von Wurzen gilt des als Unfallschwerpunkt.

Für Röglin steht außer Frage, dass an der Kreuzung dringender Handlungsbedarf besteht. „Ich glaube auch, dass wir nur mit einem Kreisverkehr die Situation entschärfen können - denn wir haben beispielsweise mit den Sichtschutzanlagen ja schon einiges getan“, sagte er. Der Kreisverkehr müsse jetzt unverzüglich gebaut werden. “Denn wir sollten uns vor Augen halten, wie viel menschliches Leid wir hier aufs Spiel setzen, wegen irgendwelcher - wenn ich das so sagen darf - Kräuter oder Kröten.“

Als Baulastträger der Bundessstraße steht das Sächsische Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) in der Pflicht – auch das Landratsamt sei Röglin zufolge als Genehmigungsbehörde beteiligt. „Als Sofortmaßnahme werde ich Vertreter aller beteiligten Ämter und Behörden an einen Tisch bitten, um die Herangehensweise zu besprechen, mit dem Ziel, rasch eine Lösung herbeizuführen“, kündigte Röglin an.

Ob der schwere Unfall dazu beitragen wird, den Bau der Todeskreuzung zu beschleunigen, blieb am Donnerstag ungewiss. „Dem Lasuv ist die Situation bekannt, daher wird diese Maßnahme mit oberster Priorität bearbeitet, um gemäß Beschluss der Unfallkommission eine nachhaltige Lösung – in Ergänzung der bisher schon getroffenen Maßnahmen – möglichst bald realisieren zu können“, hieß es am Donnerstag seitens der Behörde. Seit mehr als fünf Jahren wird nun schon über den Unfallschwerpunkt B6/K 8318 (Birkenhof) diskutiert. Unstrittig nach langen Überlegungen: An Stelle der Kreuzung soll ein kleiner Kreisverkehrsplatz geschaffen werden, für den laut Lasuv „beginnend im Jahr 2012 alle notwendigen Planungsphasen von der Vorplanung über den Vorentwurf bis zur Genehmigungsplanung zügig bearbeitet worden“ seien. Mitte vorigen Jahres lagen dann für jedermann einsehbar die Planungsunterlagen in Wurzen aus. Kommunen und Landkreis, Verbände und Bürger konnten sich zu dem Vorhaben äußern. „Mit dem durchgeführten Planfeststellungsverfahren und den erfolgreich abgeschlossenen Grunderwerbsverhandlungen bestehen seit Mitte 2017 alle baurechtlichen Voraussetzungen für die Realisierung der Maßnahme“, so Isabel Siebert, Sprecherin im Lasuv. Mit Realisierung ist aber noch nicht der Baubeginn gemeint. Gegenwärtig werde „mit Hochdruck“ an den Ausführungsunterlagen gearbeitet. Diese sollen Grundlage für die Ausschreibung der Bauleistungen sein, die dann Anfang 2018 beginnen könnten. Danach müssen Angebote ausgewertet und abgewogen werden, bevor die Auftragsvergabe entschieden wird. Wann der erste Spatenstich für den Kreisverkehr erfolgt, ließ Siebert offen.

So wird sich vorerst im Birkenhof nichts ändern. Im Herbst mit Regen und Neben häufen sich erfahrungsgemäß die Verkehrsunfälle. Im Birkenhof hat es seit 2015 mindestens fünf schwere Unfälle gegeben, bei denen neben Pkw auch Laster und Kleinbusse beteiligt waren und Menschen so schwer verletzt wurden, dass sie mit dem Rettungshubschrauber in Kliniken geflogen werden mussten. Seit Mittwoch gehören zur traurigen Bilanz drei Tote. So bleibt der Birkenhof nicht nur Herausforderung für Autofahrer, sondern auch für die Rettungskräfte von Wurzen, Kühren und Burkartshain.

Röglin zollte ihnen, die am Tag zuvor im Einsatz waren, größten Respekt. Insbesondere die Kameraden der Feuerwehr hätten einen harten Job erledigt. „Das war für die Jungs eine ganz harte Aktion, die keinem leicht gefallen ist. Man kann ganz viel Ausbildung machen, aber so eine extreme Situation wird in keinem Lehrbuch geschildert. Den Kameraden stehen seelsorgerische Hilfen zur Verfügung, der eine oder andere hat sie auch schon in Anspruch genommen, manch einer wird noch etwas Zeit brauchen, das Erlebte zu verarbeiten“, berichtete Röglin aus persönlichen Gesprächen, die er am Donnerstag nach dem Unfall im Gerätehaus mit den Einsatzkräften geführt hatte.

Von Frank Schmidt

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