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Nachwuchssportler zwischen Verein und Berufseinstieg

Sport im Muldental Nachwuchssportler zwischen Verein und Berufseinstieg

Wenn Studium oder Berufsausbildung anstehen, geben viele Jugendliche den Vereinssport auf. Sie müssen umziehen oder haben keine Zeit für regelmäßiges Training. So verlieren Vereine wichtigen Nachwuchs, für Sport und Ehrenamt. Die Wurzener Rudervereinigung Schwarz-Gelb kann sich, dank olympischer und Bundesligaerfolge nicht über Nachwuchsmangel beschweren.

Vereinsvorsitzende Simone Dögnitz von der Wurzener Rudervereinigung Schwarz-Gelb kann such auf ihre Mitglieder verlassen.

Quelle: Thomas Kube

Wurzen. Rund 12 800 Kinder und Jugendliche sind im Landkreis Mitglied in einem Sportverein. Ob sie diesem mit Ende der Schulzeit und dem Eintritt in Ausbildung oder Studium treu bleiben können oder wollen hängt von vielerlei Faktoren ab. Oft ziehen die Jugendlichen weg und können so nicht länger im Verein aktiv bleiben. Sie gehen dem Verein nicht nur als Sportler, sondern auch als potenzieller Nachwuchs für den Vorstand und andere Posten verloren.

„Wir können uns glücklicherweise nicht über Nachwuchsmangel beklagen", sagt Simone Dögnitz, Vorsitzende der Wurzener Rudervereinigung Schwarz-Gelb. 40 Kinder im Alter von zehn bis 17 Jahren trainiert der Verein – davon nur drei Mädchen. Hier bestehe auf jeden Fall noch Nachholbedarf. Im Schnitt, so schätzt Dögnitz, bleiben von acht neu angemeldeten Kindern sechs dem Verein erhalten. „Aber auch wir erleben, dass aktive Vereinsmitglieder uns verlassen, wegen der Ausbildung, des Studiums oder einfach, weil andere Interessen im Vordergrund stehen.“ Denn wer sich im Verein engagiert, tut dies meist ehrenamtlich und muss neben Arbeit und Familie genug Zeit dafür haben. Wer wirklich aktiv sein möchte, hat, zumindest beim Ruderverein in Wurzen einen straffen Trainingsplan. Ganz nach dem Motto „Von nichts kommt nichts“, wird bis zu viermal in der Woche trainiert. Hier sind auch immer die Eltern gefragt, die hinter den sportlichen Ambitionen ihrer Sprösslinge stehen müssen. Die Kinder müssen zum Training gefahren und abgeholt werden. Mit Bussen und Bahnen sind die Trainingsstellen nicht immer zu erreichen.

Dass Nachwuchsmangel kein Problem für den Wurzener Verein ist, liegt zum einen am Erfolg des Männerachters in der ersten Ruderbundesliga und an den sportlichen Erfolgen von Philipp Wende bei Olympia 2012 und 2016. „Das sich nach Olympia mehr Kinder und Jugendliche bei uns angemeldet haben, war auf alle Fälle spürbar“, resümiert Dögnitz. Aber die meisten kommen über Freunde oder Mundpropaganda in den Verein“, sagt Franz Dögnitz, Cheftrainer im Verein. Auch der 23-Jährige muss berufliche Ausbildung und seine ehrenamtliche Arbeit im Verein unter einen Hut bringen. „Für mich stand es aber nie zur Debatte, dass ich mit dem Rudern aufhöre.“

Bis 2012 trainierte er am Olympiastützpunkt, musste dann wegen einer Verletzung den Leistungssport aufgeben. „Deswegen war es umso schöner, dass ich im Verein als Trainer weiter machen konnte.“ Parallel zu seiner Ausbildung zum Heilerziehungspfleger trainiert er die Jugend. „Neben den jungen Leuten sind es aber auch die älteren Mitglieder, auf die wir setzen, die uns als Übungsleiter unterstützen“, erklärt Dögnitz. „Denn ohne sie würden wir es nicht schaffen.“

Wer als Kind mit dem Vereinleben aufwächst und das Gemeinschaftsgefühl erlebt, Siege bei Wettkämpfen erringt und gute Freunde findet, will all das auch später nicht missen. „Unser ältestes Mitglied ist über 80 und seit 1952 Teil des Vereins“, sagt Simone Dögnitz. Generell sei der Zusammenhalt im Verein groß. „Wir sind eine gute Truppe“, sagt Franz Dögnitz. Viele der Vereinsmitglieder engagieren sich tatkräftig – neben dem Beruf. Die Ruderregatta im Herbst oder die Organisation von Teilnahmen an Wettkämpfen in ganz Deutschland; genauso wie die letzten Renovierungsarbeiten nach dem Hochwasser der Mulde 2013, all das stemmen die Mitglieder.

Von Tatjana Kulpa

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